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Ein Tor, zwölf Torschüsse, 25.980 Zuschauer - und ein Heimpublikum, das sich am Ende fragte, ob es nicht vielleicht lieber die Heiligen Drei Könige beim Umzug hätte sehen sollen. SC Sevilla verlor am 6. Spieltag der Primera División mit 0:1 gegen Racing Santander - und das war noch das schmeichelhafteste Ergebnis für die Gastgeber. Schon nach zwölf Minuten war der Abend eigentlich entschieden. Emilio Urrutia, der flinke Rechtsaußen der Gäste, rauschte nach schöner Vorarbeit des erfahrenen Pierre Hamlin in den Strafraum, hob kurz den Kopf - und schob den Ball flach ins rechte Eck. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Urrutia später. "Pierre hat den Ball so butterweich gespielt, da konnte ich gar nicht daneben schießen." Trainer Florian Kappels nickte daneben zufrieden: "Das war so, wie wir es im Training nie hinbekommen." Sevilla dagegen wirkte, als hätte man den Anpfiff verschlafen. Trainer Hugo Der Geist - nomen est omen - stand geisterhaft still an der Seitenlinie, während seine Spieler den Ball zirkulieren ließen wie in einem Freundschaftsspiel im Juni. 47 Prozent Ballbesitz, vier Torschüsse - das liest sich nicht wie die Bilanz einer Heimmannschaft, sondern wie der Ausdruck eines zähen Nachmittags. "Wir wollten offensiv auftreten", erklärte Der Geist nach dem Spiel. "Das hat man ja auch gesehen." Man sah in der Tat eine offensive Grundordnung - aber kein offensives Spiel. Die Andalusier kombinierten kurz, aber wirkungslos. Der junge Mittelstürmer Iulian Marian hatte in der 33. Minute die beste Chance: sein Schuss aus 20 Metern zwang Racing-Keeper Martin Gimenez zu einer fliegenden Parade. Gimenez, 27, war ansonsten kaum gefordert, freute sich aber über jede Gelegenheit, sich in den Rasen zu werfen. "Das ist mein Lieblingsmoment im Spiel", lachte er. Racing Santander, taktisch diszipliniert und mit einem ausgewogenen 4-4-2, spielte das Ergebnis herunter wie eine erfahrene Band ihre Zugabe. Urrutia blieb der auffälligste Mann, bis er in der 59. Minute unter Applaus durch den jungen Oscar Cruz ersetzt wurde. Zeitgleich brachte Kappels frische Beine auf den Flügeln - Luis Arias und César Godo rückten ins Spiel, als wäre es ein Staffellauf um die letzten Prozent Energie. Sevillas Publikum hoffte vergeblich auf ein Aufbäumen in der zweiten Hälfte. Zwar kam Ivan Almeida in der 85. Minute noch einmal gefährlich zum Abschluss, doch sein Schuss landete in den Armen von Gimenez. Stattdessen kassierte Linksverteidiger Rui Enriquez kurz darauf noch Gelb - ein symbolischer Schlusspunkt für einen frustrierenden Abend. Racing verteidigte mit stoischer Ruhe, gewann 56 Prozent der Zweikämpfe und zeigte sich läuferisch überlegen. "Wir haben uns gesagt: Wenn Sevilla den Ball haben will, sollen sie ihn haben", erklärte Kapitän Cesc Exposito mit einem Schulterzucken. "Wichtig ist, dass sie damit nichts anfangen." In der 75. Minute sah David Gecov Gelb - die erste und einzige Karte für die Gäste. "Er hat mir was von Flamenco erzählt, ich hab’s wohl missverstanden", witzelte der rechte Verteidiger nach dem Spiel. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die mitgereisten Fans von Racing, während die Sevillaner Spieler ratlos in den Nachthimmel blickten. Hugo Der Geist verschwand zügig im Kabinengang, murmelte noch etwas von "fehlender Konsequenz" und "Wachstumsschmerzen". Florian Kappels hingegen grinste in die Kameras: "Ein 1:0 hier in Sevilla - das ist wie ein warmer Kaffee im Januar: tut einfach gut." Und so endete dieser Dreikönigstag mit einer kleinen Überraschung: Racing Santander nahm drei Punkte mit nach Hause, Sevilla blieb nur der Trost, dass der Rasen schön grün war und die Lichter im Stadion immerhin hell leuchteten. Man kann Hugo Der Geist keinen Vorwurf machen, dass er offensiv spielen ließ. Nur leider verwechselte seine Mannschaft "offensiv" mit "offen" - und das nutzte Racing eiskalt. Wenn Sevilla nächsten Sonntag wieder aufläuft, wird man sehen, ob die Spieler den Wecker diesmal früher stellen. Ein 0:1, das sich anfühlt wie ein 0:3 - und Racing Santander darf sich für einen Abend als stiller König von Andalusien fühlen. 09.04.643987 02:42 |
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