// Startseite
| Sporski Journal |
| +++ Sportzeitung für Serbien +++ |
|
|
|
Belgrad, 10. Januar 2026 - Es war ein Abend, an dem selbst die Flutlichtmasten im Stadion von Rad Belgrad kurz nervös zu flackern schienen. 50.801 Zuschauer erlebten ein Fußballspiel, das alles hatte: jugendlichen Übermut, reife Cleverness, defensive Aussetzer - und sieben Tore, die man lieber zweimal nachzählen wollte, um sicherzugehen, dass es nicht doch ein Eishockeyspiel war. Am Ende hieß es 4:3 (1:1) für Rad Belgrad gegen tapfere Gäste von Mlados Lucani. Die Partie begann mit einem offenen Schlagabtausch. Schon in den ersten Minuten schickte Belgrads erfahrener Stürmer Diego Vazques zwei Warnschüsse Richtung Goran Dukic, den Keeper der Gäste. "Ich wollte ihm zeigen, dass er heute Abend nicht viel Freizeit haben wird", grinste der 33-Jährige später. Doch zunächst trafen die anderen: In der 34. Minute fasste sich der 17-jährige Mateja Lomic von Mlados Lucani ein Herz, tanzte zwei Verteidiger aus und schob frech zum 0:1 ein. "Ich hab einfach gemacht, was wir auf dem Schulhof auch machen", sagte der Teenager danach mit einem Grinsen, das breiter war als das Tor selbst. Rad Belgrad schüttelte sich kurz. Trainer Thomas Kuzi brüllte von der Seitenlinie: "Mehr Biss, Männer! Wir sind doch kein Schachklub!" Und siehe da, kurz vor der Pause, in der 44. Minute, war es Dejan Bisevac, der nach schöner Vorarbeit von Vazques zum 1:1 ausglich. Ein psychologisch wichtiger Treffer, wie man so schön sagt - und einer, der Kuzi an der Seitenlinie wieder lächeln ließ. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: mit Toren. Kaum hatten die Zuschauer ihren Sitzplatz wiedergefunden, traf erneut Bisevac (47.), diesmal nach Pass von Linksverteidiger William Hoskins. Der junge Stürmer wirkte, als wolle er beweisen, dass 20 Jahre kein Grund sind, sich vor gestandenen Innenverteidigern zu fürchten. Doch Mlados Lucani konterte mit jugendlicher Unverfrorenheit. Nur sechs Minuten später (53.) zirkelte Stefan Mihajlovic den Ball nach klugem Zuspiel von Tord Nilsson ins Netz - 2:2. Und als die Gastgeber noch mit dem Ausgleich haderten, schlug wieder der 17-jährige Lomic zu (56.), diesmal nach Vorarbeit des robusten Bernard Boulanger. 2:3 - und plötzlich roch es nach Sensation. Aber dieser Abend hatte noch mehr Wendungen parat als eine serbische Telenovela. Nur zwei Minuten später (58.) glich Helmut Strauss aus, nach feinem Flankenlauf von - natürlich - Diego Vazques. Und weil die beiden offenbar Gefallen an ihrer neu entdeckten Freundschaft gefunden hatten, revanchierte sich Strauss drei Minuten später (61.): Seine Vorlage verwertete Vazques mit einem satten Schuss zum 4:3. "Wir haben uns gegenseitig gesagt: Einer schießt, der andere jubelt - Hauptsache, es funktioniert", lachte Strauss nach dem Spiel. Danach war die Partie ein Lehrstück in Sachen Chaos und Leidenschaft. Rad Belgrad spielte weiter offensiv, als wolle man das fünfte Tor erzwingen, während Mlados Lucani mit allem kämpfte, was noch laufen konnte. Die Gäste, die laut Trainer Du Dado "offensiv, aber ohne Pressing" agieren wollten, wirkten phasenweise wie ein Orchester ohne Dirigent - schön anzusehen, aber etwas zu wild. "Wir haben offensiv gespielt, ja. Vielleicht zu offensiv. Mein Blutdruck war jedenfalls auch offensiv", seufzte Dado nach dem Abpfiff. Rad Belgrad hatte am Ende etwas mehr Ballbesitz (51,7 Prozent) und klar mehr Torschüsse (15 zu 9) - ein statistischer Fingerzeig, dass der Sieg nicht unverdient war. Trotzdem: Ohne den unermüdlichen Dejan Bisevac und den genialen Diego Vazques hätte das Spiel wohl auch anders ausgehen können. In der 79. Minute sah Louis Krieger noch Gelb, nachdem er beim Versuch, den Ball zu klären, eher den Gegner traf. "Ich wollte nur zeigen, dass ich präsent bin", meinte er später trocken. Trainer Kuzi kommentierte das mit einem Augenrollen: "Ja, präsent war er. Vielleicht zu präsent." Als Schiedsrichter Petrovic nach 93 Minuten abpfiff, brandete Jubel auf, aber auch Erleichterung. Die Zuschauer verabschiedeten sich mit einem Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben - ein Spiel, das keiner so schnell vergessen wird. Zum Schluss stand Kuzi in der Mixed Zone, grinste breit und sagte: "Das war kein Fußballspiel, das war ein Abenteuerurlaub. Aber am Ende zählt: Wir sind heil angekommen." Und so bleibt Rad Belgrad auf Kurs in der 1. Liga Serbien - mit einer Offensive, die begeistert, und einer Abwehr, die noch etwas Nachhilfe vertragen könnte. Doch wer will nach so einem Abend schon über Defensivtaktik reden? 03.05.643987 07:15 |
Sprücheklopfer
Ich hab früher schon in der Westkurve gestanden und Lothar Matthäus beschmissen.
Mario Basler