// Startseite
| Sporski Journal |
| +++ Sportzeitung für Serbien +++ |
|
|
|
Es gibt Fußballabende, an denen Zahlen schlicht lügen. 54 Prozent Ballbesitz für FK Srem, null (!) Torschüsse. Dagegen 45 Prozent Ballbesitz für Rad Belgrad - und ein 5:0-Spektakel, das selbst die 52.230 Zuschauer im Stadion von den Sitzen riss. Oder besser: vom Glühweinstand. Denn schon in der vierten Minute war klar, wohin die Reise geht. "Ich wollte nur mal probieren, ob der Ball überhaupt rollt", grinste Dorde Vukomanovic nach seinem frühen Treffer zum 1:0. Der 20-jährige Rechtsaußen jagte den Ball nach einem feinen Steilpass von Benjamin Boyle humorlos ins linke Eck. FK Srems Torhüter Isidoro Ramiro sah dem Ball hinterher wie jemand, der gerade realisiert, dass er den Herd angelassen hat. Srem versuchte anschließend, Ordnung ins Spiel zu bringen - zumindest optisch. Man passte sich den Ball in der eigenen Hälfte zu, als ginge es um eine neue Rekordzahl an Rückpässen. Belgrad dagegen kombinierte schnörkellos und mit der Wucht einer Mannschaft, die sich nicht lange mit Ballbesitzquoten aufhält. In der 23. Minute folgte der nächste Stich: Helmut Strauss, der rechte Mittelfeldmotor, nutzte erneut eine Vorlage von Boyle und drosch das Leder aus 16 Metern in die Maschen. 2:0 - und das Publikum sang schon von Kantersiegen. Trainer Thomas Kuzi blieb gewohnt stoisch. "Wir sind offensiv eingestellt, aber nicht leichtsinnig", erklärte er in der Pause. "Wenn wir 20 Schüsse aufs Tor haben und fünf gehen rein, beschwer ich mich bestimmt nicht." Man merkte: Er würde sich auch bei zehn Toren kaum beschweren. Nach dem Seitenwechsel kam die ganz große Show von Diego Vazques. Der 33-jährige Altmeister hatte bis dahin mehrfach das Gehäuse verfehlt, dann aber in der 55. Minute den perfekten Moment erwischt. Nach einem eleganten Zuspiel des 18-jährigen Velimir Popovic legte Vazques den Ball mit links in den Winkel - 3:0. FK Srem kapitulierte innerlich. "Wir wollten sicher spielen", stöhnte Gästecoach Manni Müller später. "Aber sicher war heute nur, dass wir keine Chance hatten." Kuzi nutzte den komfortablen Vorsprung, um seine Teenager loszulassen. Der 18-jährige Innenverteidiger Trifon Jowow kam in der 55. Minute und stand kurz darauf im Rampenlicht: In der 80. Minute stieg er nach einer Ecke am höchsten und köpfte - natürlich nach Vorlage von Vazques - das 4:0. Danach hob er entschuldigend die Hände, als wolle er sagen: "Ich bin eigentlich nur zum Lernen hier." Eine Minute später lag er verletzt am Boden, was der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Das Finale gehörte wieder der Jugend. In der Nachspielzeit (94.) krönte Zoran Duljaj seinen engagierten Auftritt mit dem 5:0. Der Pass kam erneut von Popovic - die Generationen harmonierten perfekt. Auf der Bank grinste Kuzi zufrieden: "Wenn meine 18-Jährigen so spielen, kann ich mich bald zur Ruhe setzen." Statistisch gesehen war es ein merkwürdiges Spiel: Rad Belgrad mit 20 Torschüssen, FK Srem mit null. Drei Gelbe Karten für die Hausherren (Strauss, McGowan, Hoskins), aber keine Gefahr, dass das Spiel kippen könnte. Selbst als Belgrad in der Schlussphase das Pressing einstellte, kam Srem nicht einmal in Tornähe. "Wir hatten den Ball, aber keine Idee", gab Srems Kapitän Miroslav Kezman offen zu. "Manchmal fühlt man sich wie in einem schlechten Traum - du läufst, aber kommst nicht voran." So endete der 14. Spieltag der serbischen Liga mit einem Lehrstück darüber, dass Ballbesitz kein Tor schießt. Rad Belgrad agierte offensiv, aggressiv und effizient. FK Srem dagegen wirkte, als hätte man die Spielanweisung "SURE shooting" zu wörtlich genommen und auf den Schuss ganz verzichtet. Am Ende blieb den Zuschauern nur Applaus - und Staunen über eine Mannschaft, die mit weniger Ballbesitz, aber mehr Mut Fußball in seiner schönsten Form zeigte. Oder, wie Trainer Kuzi es trocken formulierte: "Wir hatten keine Kontrolle über das Spiel. Nur über das Ergebnis." Und das lautete: 5:0. Ein Ergebnis, das so klar ist, dass man es nicht analysieren, sondern einfach genießen sollte - wie einen guten Rakija nach dem Schlusspfiff. 28.06.643987 05:17 |
Sprücheklopfer
Wir haben ein Abstimmungsproblem - das müssen wir automatisieren.
Berti Vogts