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Radomiak tanzt Gda?sk aus - ein Abend der grünen Ekstase

Wenn der Fußballgott gute Laune hat, dann schaut es wohl so aus wie am Freitagabend in Radom. 20.000 Zuschauer im Stadion, Flutlicht, Maienluft und eine Mannschaft, die offenbar beschlossen hatte, den Gästen aus Gdańsk einen kleinen Lehrfilm über Offensivfreude zu zeigen. RKS Radomiak fertigte BKS Gdańsk mit 4:1 ab - und das Ergebnis war fast noch schmeichelhaft für die Nordlichter.

Von Beginn an war die Partie ein einseitiges Schauspiel. Schon in der ersten Minute prüfte Silvestre Nene den Gästekeeper Jerzy Bak mit einem Schuss aus der Distanz. "Ich wollte gleich mal sehen, ob er wach ist", grinste Nene später. Bak war wach - aber seine Vorderleute wohl noch im Halbschlaf. Radomiak kombinierte sich durch das Mittelfeld, als hätte Trainer Lukas Breer ihnen eine Wochenration Espresso intravenös verabreicht.

In der 18. Minute brach der Damm: Charles Lorring flankte butterweich von links, Marc Ames stieg in der Mitte hoch - und nickte den Ball unhaltbar ein. 1:0. Ames, der Mittelstürmer mit der Aura eines sonntäglichen Spaziergängers, jubelte verhalten, als wolle er sagen: "Das war ja erst der Anfang." Und er sollte recht behalten.

Gdańsk, das sich laut Coach Mike Matt "viel vorgenommen" hatte, kam kaum aus der eigenen Hälfte. Schon bald musste er seinen jungen Flügelspieler Wladimir Jelen verletzungsbedingt vom Feld holen. Der 18-Jährige humpelte Richtung Kabine, während Matt mit den Händen in den Taschen dasaß wie ein Mann, der ahnt, dass der Abend lang wird.

Das 2:0 in der 35. Minute war ein Musterbeispiel für Radomiaks Offensivdisziplin: Rechtsverteidiger Joaquin Contreras marschierte die Linie entlang, flankte präzise auf den nachrückenden Hugo Dominguez, der trocken ins lange Eck einschob. "Das war wie im Training - nur dass wir da nie treffen", witzelte Dominguez nach dem Spiel.

Nur drei Minuten später folgte der nächste Streich: Wieder Contreras, wieder eine Flanke, diesmal zu Carlo Benedetto, der den Ball volley nahm - 3:0. Der erfahrene Italiener riss die Arme hoch, die Fans sangen, und man hatte das Gefühl, dass Gdańsk schon in der Pause um Gnade bat.

Dass es beim Stand von 3:0 blieb, lag allein an Radomiaks Nachlässigkeit im Abschluss. 21 Torschüsse standen am Ende zu Buche, die meisten davon in Halbzeit eins. Gdańsk brachte es auf magere fünf - und drei davon gingen in die dritte Etage der Tribüne.

Zur Pause wechselte Matt den Torwart aus: Für Bak kam der 17-jährige Noe Ogaza. "Ich wollte ihn einfach mal ins kalte Wasser werfen", erklärte er später, ohne Ironie. Ogaza machte seine Sache tapfer, auch wenn er in der 87. Minute das vierte Gegentor kassierte - ein trockener Schuss von Ricardo Vidigal nach Vorlage von Dominguez, bei dem er keine Chance hatte.

Dazwischen hatte Gdańsk zumindest einen kurzen Hoffnungsschimmer: In der 70. Minute traf Adam Wichniarek nach Vorarbeit von Herman Kraft zum 3:1. Das Publikum quittierte das Tor mit höflichem Applaus - schließlich sah man gern, dass auch die Gäste noch lebten.

Die Partie blieb fair, abgesehen von zwei Gelben Karten: Ferruh Akin für ein rustikales Einsteigen gegen Benedetto ("Er hat mich nur kurz begrüßt", grinste der Italiener), und Contreras, der nach seinem zweiten Foul die Verwarnung selbstironisch beklatschte.

Als Schiedsrichter Pawel Gorniak nach 90 Minuten abpfiff, lagen die Radomiak-Spieler in den Armen ihrer Fans, während Gdańsk mit gesenkten Köpfen in die Kabine trottete. Lukas Breer, der Heimtrainer, strahlte wie ein Mann, der eine Woche Sonderurlaub bekommen hat: "Wir haben heute mutig gespielt, mit viel Bewegung und Spaß. So will ich meine Jungs sehen."

Gäste-Coach Matt hingegen wirkte ratlos: "Manchmal läuft einfach alles gegen dich. Radomiak war heute in einer anderen Liga."

Statistisch untermauert war das keine Übertreibung: 53,8 Prozent Ballbesitz für Radomiak, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 21 Torschüsse - das sind Werte eines Teams, das seine Hausaufgaben gemacht hat.

Ein älterer Fan auf der Haupttribüne brachte es nach dem Schlusspfiff charmant auf den Punkt: "Das war kein Fußballspiel, das war eine Oper - und Gdańsk die Statisten."

Man darf gespannt sein, ob Radomiak diese Spiellaune konservieren kann. Aber an diesem Maiabend stand fest: Wenn Fußball so leicht aussieht, steckt verdammt viel Arbeit dahinter. Und vielleicht auch ein bisschen Magie.

12.12.643999 06:35
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Das war ein Schritt zurück, aber kein Rückschlag.
Rudi Assauer
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