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Ramallo dreht das Spiel: Kreuzlingen schlägt Luzern mit 2:1 nach Rückstand

Ein eiskalter Januarabend, 37.868 Zuschauer im Stadion am Seeufer - und ein Spiel, das sich erst in der zweiten Halbzeit richtig aufwärmte. Der FC Kreuzlingen gewann am 8. Spieltag der 1. Liga Schweiz mit 2:1 gegen Blau-Weiss Luzern. Und das, obwohl die Gäste in der ersten Halbzeit alles im Griff zu haben schienen - zumindest statistisch.

Matthias Kaiser, Trainer der Kreuzlinger, stand in der Coaching-Zone mit verschränkten Armen, als Roger Römer in der 39. Minute zum 0:1 einschob. Der 22-jährige Luzerner Stürmer hatte nach feinem Zuspiel von Ilias Chalbinski plötzlich zu viel Platz auf links - und ließ Kreuzlingens Keeper Marko Pivaljevic keine Chance. "Da haben wir kollektiv geschlafen", knurrte Kaiser später. "Ich hab den Jungs in der Pause gesagt: Wenn ihr weiter nur den Ball streichelt, verlieren wir hier romantisch, aber sicher."

Und romantisch war in dieser ersten Halbzeit nur das Ballbesitzverhältnis - mit 58,7 Prozent für Kreuzlingen, aber ohne Konsequenz. Luzern schoss doppelt so oft aufs Tor (12:4), agierte aggressiver, und hatte mit Mantovani vorne einen Dauerbrenner, der Pivaljevic mehrfach prüfte. Allein zwischen der 14. und 23. Minute feuerte der italienisch-schweizerische Stürmer vier Mal - jedes Mal vergeblich.

"Wir hätten das 2:0 machen müssen", sagte Luzerns Trainer Reinhard Wild nach dem Spiel. "Dann läuft das ganz anders." Stattdessen lief es genau andersherum.

Denn nach dem Seitenwechsel trat Kreuzlingen mit einer Mischung aus Wut und Witz auf. Erst zielte der 17-jährige Knud Braun in der 48. Minute knapp vorbei - das Publikum ahnte, dass hier noch was ging. Dann kam die Stunde des Luís Ramallo. In der 61. Minute legte er sich den Ball zurecht, schaute kurz zu Himmel und hämmerte ihn unter die Latte - 1:1. Das Stadion explodierte, und Ramallo rannte mit ausgestreckten Armen Richtung Trainerbank.

Keine 60 Sekunden später war es wieder derselbe Mann, diesmal nach einem präzisen Pass des 19-jährigen Sebastian Billet: Ramallo zog aus spitzem Winkel ab, der Ball klatschte an den Innenpfosten und trudelte ins Netz - 2:1. "Ich dachte, das war dieselbe Szene wie eben, nur in Zeitlupe", grinste Ramallo später.

Ab da wurde es hitzig. Luzerns Joseph Wendt, schon früh mit Gelb verwarnt, hatte offenbar noch Energie übrig. In der 85. Minute sah er nach wiederholtem Foul Gelb-Rot - und stapfte vom Platz, während Kreuzlingens Fans höhnisch applaudierten. "Ich hab nur den Ball getroffen", behauptete Wendt in der Mixed Zone. "Leider hat der Ball vorher noch Ramallos Knöchel geküsst."

Die letzten Minuten wurden zum Abwehrkampf. Kreuzlingen verteidigte mit allem, was Beine hatte, während Luzern mit zehn Mann noch einmal alles nach vorne warf. Mantovani kam in der 73. und 74. Minute zu zwei Abschlüssen, doch Pivaljevic hielt, was zu halten war. Als Schiedsrichter Stadelmann nach 94 Minuten abpfiff, sank der Kreuzlinger Keeper auf die Knie - und Trainer Kaiser klopfte ihm anerkennend auf den Helm.

"Das war ein Sieg des Willens", sagte Kaiser. "Wir haben aus vier Schüssen zwei Tore gemacht. Das ist nicht nur Effizienz - das ist fast schon Kunst."

Luzerns Coach Wild hingegen wirkte ratlos. "Wir hatten das Spiel im Griff, bis wir es nicht mehr hatten", meinte er lakonisch. "Und dann haben wir aufgehört, Fußball zu spielen."

Während die Kreuzlinger Fans noch sangen und Ramallo zum Spieler des Abends gekürt wurde, saßen ein paar Luzerner Profis mit hängenden Köpfen auf der Bank. Einer murmelte: "Wir haben wirklich gegen einen Typen verloren, der zweimal denselben Schuss gemacht hat."

Fazit: Kreuzlingen spielte clever, Luzern schön - aber Schönheit gewinnt selten Punkte. Mit diesem Sieg klettern die Ostschweizer weiter in der Tabelle, während Luzern nach einer dominanten, aber torarmen Vorstellung die Heimfahrt mit leerem Tank antritt.

Und wer es philosophisch mag: Fußball ist eben kein Schönheitswettbewerb - sonst hätte Blau-Weiss Luzern längst die Krone. Doch an diesem Abend gehörte sie einem Mann in grünem Trikot mit breitem Grinsen: Luís Ramallo, der Doppelschlag-Maler von Kreuzlingen.

10.04.643987 03:45
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Ich habe mir früher im Training Schienbeinschützer angezogen, weil ich wußte: Wenn der Franz 'Bulle' Roth sauer auf mich ist, dann fegt der mich auf die Aschenbahn. Das Training war für mich Überlebenskampf - und ich habe mich dabei wunderbar entwickelt.
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