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Ein lauer Abend in Ramat Gan, Flutlicht, 60.199 Zuschauer - und ein Heimteam, das offenbar beschlossen hatte, die eigene Offensive als Kunstform zu begreifen. Die Ramat Gan Reds zerlegten Sakhnin United am 8. Spieltag der 1. Liga Israel mit 3:0 (2:0) und zeigten dabei eine Mischung aus Spielfreude, Choreografie und, ja, gelegentlichem Größenwahn. Schon nach einer Minute prügelte Carlos Arias den ersten Ball aufs Tor. Keine Gefahr, aber ein unmissverständliches Zeichen: Heute wird geschossen, was das Leder hergibt. Und so kam es, dass die Reds am Ende 18 Torschüsse verzeichneten, während Sakhnin United ganze drei Mal in die Nähe des gegnerischen Strafraums kam - vermutlich, um zu schauen, ob dort die Luft anders riecht. Die Führung fiel folgerichtig in der 19. Minute: Jason Probst, 21 Jahre jung und so unverschämt frech, dass man ihn eigentlich sofort mögen muss, verwertete eine wunderbare Vorlage von Rechtsaußen Stefan Manojlovic. "Ich hab’ ihn nur gesehen und gedacht: Bitte, Jason, mach’s", grinste Manojlovic später. Probst tat’s - trocken, präzise, unhaltbar. Sechs Minuten später das nächste Kunststück: Arias, der rechte Mittelfeldläufer mit dem Temperament eines Espresso-Doppels, jagte den Ball nach einem abgefälschten Freistoß ins Netz (25.). Vorlage? Ausgerechnet Innenverteidiger Matan Rosenthal, der offenbar kurzzeitig vergessen hatte, dass er eigentlich zum Verteidigen da ist. Trainer John Porno - ja, das ist wirklich sein Name - lachte nach dem Spiel: "Matan hat gesagt, er wollte nur mal sehen, wie sich das da vorne anfühlt. Ich hab’ ihm gesagt: Wenn du triffst, darfst du öfter." Sakhnin United? Nun ja. Trainer Dani Schu stand stoisch an der Seitenlinie, die Arme verschränkt, und sah zu, wie seine Elf versuchte, Ordnung zu halten, während die Reds das Spielfeld in ein rotes Karussell verwandelten. Ballbesitz 56 zu 44 Prozent, Zweikampfquote 57 zu 43 - Zahlen, die so eindeutig sind, dass man sie fast für Tippfehler halten könnte. In der zweiten Halbzeit ließen es die Reds etwas ruhiger angehen. Vielleicht war es Mitleid, vielleicht einfach das Wissen, dass Sakhnin an diesem Abend kaum gefährlich werden würde. Nur drei Schüsse aufs Tor - mehr war nicht drin. Torwart Natan Warschawski, der nach der Pause den jungen Haim Hasson Platz machte, hatte bis dahin vermutlich mehr mit dem Sortieren seiner Handschuhe zu tun als mit Paraden. Dann die 73. Minute: Ein perfekter Konter, eingeleitet von Probst, der sich diesmal als Vorbereiter hervortat. In der Mitte lauerte Jigael Scharanski, 21, der mit der Ruhe eines alten Fuchses einschob - 3:0, Deckel drauf, Applaus. "Jason hat mir den Ball so serviert, dass ich gar nicht anders konnte", sagte Scharanski hinterher lachend. "Ich hätte mich sonst beim Trainer entschuldigen müssen." Die letzten Minuten waren Schaulaufen. Coach Porno gönnte sich den Luxus, den jungen Ami Sapir für den ausgepowerten Manojlovic zu bringen. Ein symbolischer Wechsel: Zukunft rein, Gegenwart raus. Auf der Tribüne wurde gewunken, gesungen, gelacht - Ramat Gan hatte an diesem Abend alles im Griff. Sakhnin-Trainer Schu blieb tapfer. "Wir wussten, dass Ramat Gan in dieser Form schwer zu stoppen ist. Vielleicht hätten wir Pressing spielen sollen. Oder einfach beten." Die Statistik bestätigte das, was jeder gesehen hatte: 18:3 Torschüsse, 55,9 Prozent Ballbesitz für die Reds, aggressives, aber sauberes Spiel. Die Taktik? Offensiv, balanciert, mit starkem Willen und einer Prise Wahnsinn - genau so, wie man es vom Team von John Porno erwartet. Als der Schlusspfiff ertönte, legte sich ein zufriedenes Summen über das Stadion. Die Fans verabschiedeten ihre Helden, die Spieler klatschten sich lachend ab. "Das war heute fast schon zu schön", meinte Arias, der Torschütze des zweiten Treffers. "Aber wir wissen, nächste Woche müssen wir wieder laufen. Leider." Und irgendwo in der Nacht, zwischen Stadionlicht und Straßenlärm, dürfte ein Fan gemurmelt haben: "Wenn die so weiterspielen, brauchen wir bald ein größeres Stadion." Denn die Reds haben an diesem Abend nicht nur drei Punkte geholt - sie haben eine Botschaft gesendet: Angriff ist wieder Mode in Ramat Gan. 10.04.643987 06:38 |
Sprücheklopfer
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