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Ramat Gan Reds tanzen Tirat Carmel FC schwindelig - 3:1-Auswärtssieg mit Stil

Premier League | 11. Spieltag | 15.07.26 | Tirat Carmel FC - Ramat Gan Reds 1:3

Wenn 45.135 Zuschauer an einem lauen Juliabend im Stadion von Tirat Carmel FC zusammenkommen, dann erwartet man eigentlich ein Sommerfest, kein Lehrstück in Sachen Effizienz. Doch genau das lieferte der Gast aus Ramat Gan - kühl, direkt, gnadenlos. Am Ende stand ein 3:1 (2:0) für die "Reds", das klarer war, als es die nackten Zahlen vielleicht vermuten lassen.

Dabei begann alles noch recht harmlos. Schon in der 1. Minute prüfte Sigurd Carlsen mit einem beherzten Schuss den Gästekeeper Natan Warschawski. "Ich wollte ihm gleich zeigen, dass er heute zu tun bekommt", grinste der Norweger nach Abpfiff - wohlwissend, dass es am Ende anders kam. Denn kurz darauf übernahmen die Gäste das Kommando.

Ramat Gan, trainiert vom stets unaufgeregten John Porno ("Wir spielen Fußball, keine Schachpartie"), nutzte seine offensive Ausrichtung konsequent. Mit 15 Torschüssen, 51,8 Prozent Ballbesitz und einer Tacklingquote von 53 Prozent wirkten die Gäste in allen Belangen frischer, wacher, bissiger.

In der 22. Minute fiel das erste Tor - und das ausgerechnet durch einen Innenverteidiger. Der 19-jährige Bo Taube, sonst eher für das Aufräumen zuständig, schlich sich bei einer Ecke nach vorne, nahm die Vorlage von Vitor Godinez direkt und drosch den Ball humorlos unter die Latte. "Das war kein Zufall", behauptete der Teenager später mit einem schelmischen Lächeln, "ich übe das heimlich im Garten."

Elf Minuten später dann der nächste Nadelstich: Zdravko Svitlica flankte butterweich von links, Reece Claude, der 34-jährige Routinier, nahm den Ball volley - 0:2. Tirat Carmel taumelte. Trainerin Babsi Klemm brüllte von der Seitenlinie: "Wach werden, Männer! Das ist kein Freundschaftsspiel!" Doch ihre Elf wirkte, als hätte sie den Wecker auf Snooze gestellt.

Zur Pause war der Frust greifbar. "Wir waren körperlich da, aber geistig beim Grillen", fluchte Mittelfeldmann Patryk Juskowiak später. Immerhin zeigte die zweite Hälfte eine andere Gesinnung. Carlsen und Sancho wirbelten, Isidoro Oliveira suchte verzweifelt Lücken in der roten Wand - und in der 70. Minute wurde die Mühe belohnt.

Rafael Gelmirez, der linke Verteidiger, stürmte plötzlich nach vorne, zog nach Doppelpass mit Juskowiak ab - und der Ball zappelte im Netz. Nur drei Minuten später lag Gelmirez verletzt am Boden, musste raus. "Das war’s dann mit meinem Stürmerleben", seufzte er später mit einem gequälten Lächeln.

Doch wer glaubte, das Spiel würde jetzt kippen, wurde eines Besseren belehrt. Fast im Gegenzug stellte Zdravko Svitlica den alten Abstand wieder her - 3:1, Vorarbeit von Toto Buzaglo, der in dieser Szene zeigte, warum Erfahrung manchmal mehr wert ist als Tempo.

Danach spielten die Reds das Ergebnis herunter, wie ein Orchester, das sein Werk schon hundertmal geprobt hat. Claude wurde zur Halbzeit durch den jungen Stephane Lenz ersetzt, ohne dass der Spielfluss litt. Selbst die Gelbe Karte für Gal Aloni in der 57. Minute passte ins Bild: aggressiv, aber kontrolliert.

Tirat Carmel versuchte es bis zum Schluss mit Offensivgeist - 8 Torschüsse und 48 Prozent Ballbesitz sind kein Zeichen von Aufgabe. Doch der letzte Punch fehlte. "Wir haben sie nicht unterschätzt", meinte Trainerin Klemm nach dem Spiel, "aber sie haben einfach keine Fehler gemacht. Und wir dafür drei."

Das Publikum verabschiedete die eigene Mannschaft trotzdem mit Applaus. Vielleicht, weil man spürte: hier war nicht alles schlecht. Aber gegen eine Mannschaft, die selbst Innenverteidiger zu Torjägern formt, wird’s eben schwer.

Und so bleibt am Ende ein Ergebnis, das den Trend beider Teams spiegelt: Ramat Gan bleibt oben dran, Tirat Carmel steckt mitten in der Selbstfindung. Oder, wie es der abgekämpfte Keeper Georg Danielsen beim Gang in die Kabine murmelte: "Wenn du dreimal so einen Ball aus dem Netz fischst, fängst du an, über Berufsalternativen nachzudenken."

Ein sarkastisches Schlusswort? Vielleicht dieses: Fußball ist manchmal wie eine Hochzeitsfeier - die einen tanzen, die anderen schauen zu. Und an diesem Abend tanzten nur die in Rot.

15.07.2026 21:35
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