La Prensa Libre
+++ Sportzeitung für Costa Rica +++

Ramonense siegt trotz Unterzahl - Estudiantes verzweifelt am eigenen Ballbesitz

Wer 61 Prozent Ballbesitz hat und trotzdem 0:2 verliert, darf sich ruhig ein bisschen selbst in den Arm nehmen - zum Trost. Estudiantes Central zeigte am 8. Spieltag der 1. Liga Costa Rica alles, was die Fußballschule der Ästhetik verlangt: Passspiel, Geduld, gepflegte Kombinationen - nur das Toreschießen blieb wieder einmal optional. CD Ramonense dagegen kam mit weniger Ballbesitz, aber mehr Zielstrebigkeit und einem Hauch Anarchie zum Auswärtssieg.

20.000 Zuschauer hatten sich am Abend im Estadio Central versammelt, die meisten wahrscheinlich noch guter Dinge, als Schiedsrichter Araya um 20 Uhr anpfiff. Die ersten Minuten gehörten den Gästen. Schon nach fünf Minuten prüfte Hrvoje Vlaovic den Heimkeeper Diego Gomes mit einem kernigen Flachschuss. Gomes tauchte blitzschnell ab - noch hielt die Null. Dann folgten weitere Warnschüsse: Banel Marian und Raul Cruz probierten sich aus der Distanz, Estudiantes wirkte überrascht, dass Ramonense offenbar nicht zum Verteidigen angereist war.

Nach einer halben Stunde begannen die Gastgeber, das Spiel zu kontrollieren. Nelson Martinez, eigentlich Innenverteidiger, tauchte plötzlich vorne auf, scheiterte aber kläglich an Torhüter Javier Ochoa. "Ich wollte zeigen, dass auch Verteidiger schießen können", grinste Martinez später, "leider war der Ball anderer Meinung."

In der 37. Minute fiel dann das, was man in der Branche einen Nackenschlag nennt. Ramonenses Mittelstürmer Cesc Izquierdo - ein Mann mit dem Selbstvertrauen eines Torwarts nach einem gehaltenen Elfmeter - verwertete eine butterweiche Flanke von Carl Meira zum 0:1. "Das war einstudiert", erklärte Izquierdo nach dem Spiel mit einem Zwinkern. "Naja, zumindest haben wir es einmal im Training versucht."

Estudiantes reagierte brav, fast zu brav. Rui Figo und Joao Goncalves kombinierten sich durchs Mittelfeld, doch die Abschlüsse blieben harmlos. Trainer von Estudiantes - ein Mann, der lieber anonym bleiben wollte, vermutlich aus Selbstschutz - gestikulierte wild an der Seitenlinie. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber sie hatten das Tor", murmelte er später in die Mikrofone. Damit hatte er recht, aber eben auch nichts gewonnen.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: Estudiantes mit Ball, Ramonense mit Herz. Cesc Izquierdo hätte in der 46. Minute fast sein zweites Tor erzielt, doch Gomes war erneut zur Stelle. Dann kam die 60. Minute, und Trainer Hans-Jürgen Ringelnatter bewies Gespür. Er brachte Martin Pauleta und Viorel Bindea - frische Beine für den linken Flügel. Fünf Minuten später flog Pauleta allerdings mit glatt Rot vom Platz, nachdem er Joao Goncalves etwas zu deutlich zeigen wollte, wo sich die Mittellinie befindet. "Ich traf zuerst den Ball", behauptete Pauleta nach Spielende. "Welchen Ball?", fragte Ringelnatter trocken.

Doch ausgerechnet in Unterzahl zeigte Ramonense, dass Fußball manchmal ein Spiel für Pragmatiker ist. In der 69. Minute spielte Eduardo Figo einen perfekten Steckpass auf Raul Cruz, der Gomes tunnelte - 0:2. Der Gästeblock tobte, der Rest des Stadions seufzte. "Das war der Moment, in dem wir verstanden haben, dass Ballbesitz nicht alles ist", sagte Joao Goncalves später mit bitterem Lächeln.

Die letzten 20 Minuten wurden zum Lehrstück in Sachen Effizienz. Ramonense verteidigte kompakt, Ochoa pflückte alles aus der Luft, was in seine Nähe kam. Estudiantes versuchte es mit Fernschüssen - Scala, Vidigal und Goncalves trafen das Tor immerhin, aber nicht ins Tor. In der Nachspielzeit lag noch Hrvoje Vlaovic verletzt am Boden, Ramonense spielte zu zehnt und mit halbem Tempo, aber das Ergebnis blieb bestehen.

Trainer Ringelnatter fasste das Spiel mit norddeutscher Nüchternheit zusammen: "Zwei Chancen, zwei Tore. Ich mag diese Bilanz." Und auf die Frage, ob die Rote Karte ihn geärgert habe, antwortete er: "Nur, dass ich jetzt die Aufstellung fürs nächste Spiel ändern muss. Aber das kriegen wir hin."

Estudiantes dagegen bleibt weiter auf der Suche nach dem Tor. 61,8 Prozent Ballbesitz, sieben Torschüsse, null Treffer - das liest sich wie ein Mathematikrätsel, das keiner lösen will. Vielleicht hilft ja ein Blick auf den Gegner: weniger reden, mehr schießen.

Am Ende verließen die Zuschauer das Stadion mit gemischten Gefühlen. Einige pfiffen, andere lachten, manche taten beides gleichzeitig. Denn eines war sicher: Unterhaltsam war es. Und wer weiß - vielleicht erfindet Estudiantes ja bald den Ballbesitz, der Punkte zählt.

Eine ironisch-schöne Niederlage, die in Costa Rica noch für Gesprächsstoff sorgen wird.

19.04.643987 21:00
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Sprücheklopfer
Ich würde Helmut Kohl gerne einmal kennenlernen. Der wird genau so oft angefeindet wie ich. Aber da habe ich wohl keine Chance, weil der Bundeskanzler ja schon Berti Vogts adoptiert hat.
Dragoslav Stepanovic
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