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27.000 Zuschauer in Klagenfurt sahen am kalten Januarabend ein Spiel, das mit einem freundlichen 0:0 begann und mit einem lauten 0:4 endete. Rapid Wien zeigte dem SC Kärnten ab der 50. Minute, wie man Tempo, Präzision und jugendlichen Übermut zu einer grün-weißen Symphonie verbindet. Trainer Robert Lechner grinste nach Abpfiff: "Ich hab den Jungs in der Pause nur gesagt: Macht’s einfach das, was ihr im Training dauernd probt - nur diesmal bitte ins Tor." Dabei hatte Kärnten in der Anfangsphase durchaus Mut gezeigt. Schon in der dritten Minute zog Fernando Velazquez von links ab - der Ball rauschte knapp über die Latte, und ein paar Kärntner Fans jubelten trotzdem, vielleicht aus Hoffnung, vielleicht aus Versehen. Danach aber begannen die Gäste, das Spiel wie ein Schachmeister zu kontrollieren: 55 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse, und davon gefühlt die Hälfte von Finn Sonne, dem 17-jährigen Wunderknaben mit der Zielstrebigkeit eines erfahrenen Torjägers. "Ich hab einfach Spaß da draußen", sagte Sonne, der gleich zwei Tore erzielte (61. und 88. Minute). Das klang fast schüchtern, aber auf dem Platz war davon nichts zu spüren. Er lief, dribbelte, lachte - und traf, als hätte er nie etwas anderes getan. Sein erster Treffer, ein präziser Schuss nach Vorarbeit von Dennis Hagen, war der Moment, in dem das Spiel endgültig kippte. Bis dahin hatte Kärnten noch gehofft, das 0:0 über die Zeit zu bringen. Danach hoffte man nur noch auf den Schlusspfiff. Doch den ersten Stich setzte Dirk Fuhrmann, Rapids quirliger Linksaußen. In der 50. Minute machte er das 0:1, nach feiner Vorlage von Hagen. Sieben Minuten später legte er selbst noch einen nach - diesmal nach Pass von Finn Sonne. Zwei Tore in sieben Minuten, und der SC Kärnten wirkte, als hätte man ihnen den Stecker gezogen. "Wir haben gewusst, dass Rapid offensiv stark ist", murmelte Kärnten-Coach Ha Luncke nach dem Spiel, "aber vier Tore in einer Halbzeit… das ist dann doch etwas lebendig." Der SC Kärnten mühte sich, lief viel, aber meistens hinterher. Vier mickrige Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel, und Torwart Harry Locklear konnte einem fast leidtun - er hielt, was zu halten war, aber gegen die Kombinationen von Hagen, Fuhrmann und Sonne war kein Kraut gewachsen. In der 79. Minute kam noch Pech dazu: Marco Di Carlo verletzte sich nach einem unglücklichen Zweikampf und musste vom Platz. Sein Ersatz, Bernt Saint-Pierre, sah die letzten Minuten aus der Defensive, während Sonne vorne fröhlich weitermachte. Rapid zeigte sich eiskalt, spielte offensiv, aber diszipliniert. Kein wildes Drauflos, sondern ein kontrolliertes Auseinandernehmen des Gegners. "Wir haben einfach weitergemacht, auch nach dem 3:0", erklärte Trainer Lechner. "Ich wollte, dass sie lernen: Wenn’s läuft, darf man nicht aufhören." Und so fiel in der 88. Minute das vierte Tor - wieder Sonne, diesmal nach Vorlage von Leopold Jendrisek. Die Rapid-Bank stand Kopf, die Kärntner Fans standen auf, um den Ausgang zu finden. Dirk Fuhrmann, der Doppeltorschütze, humpelte kurz vor Schluss vom Feld - Muskelzerrung, nichts Schlimmes, wie er später betonte: "Ich wollte gar nicht raus, aber der Trainer meinte, ich soll den Jungen auch mal lassen." Gemeint war Ernesto Aznar, der für ihn kam und die letzten Minuten lässig austrudeln ließ. Statistisch war alles klar: 19:4 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, knapp 55 Prozent Ballbesitz - Rapid dominierte in jeder Kategorie. Selbst bei der Körpersprache lagen sie vorn: während Kärnten nach dem 0:3 mit gesenktem Kopf spielte, gestikulierten die Wiener noch beim 0:4 wild herum, als wollten sie den Ball ins Tor hineinreden. Nach Schlusspfiff klatschten die Rapid-Spieler minutenlang mit dem mitgereisten Block ab, während Luncke seine Spieler wortlos in die Kabine schickte. "Wir haben Lehrgeld bezahlt", gab er später zu. "Aber vielleicht war das ja ein teures Seminar mit gutem Inhalt." Und so endete der Abend, an dem ein 17-Jähriger namens Sonne den Kärntner Nachthimmel zum Leuchten brachte. Rapid Wien nimmt drei Punkte mit, Selbstvertrauen in Hülle und Fülle - und der SC Kärnten die Erkenntnis, dass man in dieser Liga nicht nur laufen, sondern auch treffen muss. Vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass auch Sonnenuntergänge schön sein können - nur eben nicht, wenn sie grün-weiß tragen. 29.03.643987 14:43 |
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Wir lassen uns nicht nervös machen, und das geben wir auch nicht zu!
Olaf Thon