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Manchmal ist Fußball wie ein Witz, bei dem keiner so recht weiß, wer lachen darf. 46.019 Zuschauer im prall gefüllten Allianz-Stadion bekamen am Freitagabend ein solches Spektakel serviert: Rapid Wien dominierte, schoss aus allen Lagen - und stand am Ende trotzdem nur mit einem 1:1 gegen den Außenseiter aus Kottingbrunn da. Schon die ersten Minuten ließen ahnen, dass Rapid etwas vorhatte. Patrik Nagel prüfte in der zweiten Minute zum ersten Mal den gegnerischen Keeper Pol Moutinho - ein Name, der klingt wie ein portugiesischer Weltstar, aber an diesem Abend mehr an eine Wand erinnerte. Vier Minuten später Moritz Bender, dann Ernesto Aznar, dann Benyamin Neumann - ein Dauerfeuer aus grün-weißen Kanonen. "Wir wollten früh klarstellen, wer hier das Heimteam ist", erklärte Trainer Robert Lechner später mit einem dünnen Lächeln. Die Belohnung folgte in der 10. Minute: Patrik Nagel, der rechte Wirbelwind, zog nach innen, zog ab - und endlich zappelte der Ball im Netz. 1:0, das Stadion tobte, und der Torschütze riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Liga gewonnen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Nagel nach dem Spiel. "Manchmal muss man nicht schön spielen, nur fest genug." Danach schien Rapid das Spiel im Griff zu haben. 54 Prozent Ballbesitz, 20 Torschüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die normalerweise für drei Punkte reichen. Doch der Fußballgott liebt Ironie. In der 41. Minute stand plötzlich Humberto Antonio frei vor Nestor Gonzalo und verwandelte eiskalt zum 1:1. Vorlage? Der 18-jährige Maximilian Merkel, der aussieht, als würde er noch für die Maturaprüfung lernen, aber Rapid an diesem Abend die Laune verdarb. "Das war eine Unachtsamkeit, die uns wehgetan hat", knurrte Kapitän Yanik Schumann nach dem Abpfiff. "Wir waren zu weit aufgerückt, und dann reicht ein langer Ball." Trainer Lechner sah es ähnlich, nur diplomatischer: "Wenn man 90 Minuten dominiert und trotzdem nicht gewinnt, ist das für die Moral… interessant." Die zweite Halbzeit wurde zum Geduldsspiel. Rapid rannte an, Kottingbrunn verteidigte mit allem, was Beine hatte - und manchmal auch mit allem, was Arme hatte. In der 52. Minute sah Swen Jansen Gelb, weil er einem Gegner die Regeln des Körperkontakts etwas zu anschaulich erklärte. Später folgte Moritz Bender mit demselben Schicksal. Auf der anderen Seite erwischte es in der 89. Minute Manfred Sonntag, der seinem Namen alle Ehre machte: er war spät dran. Kottingbrunns Trainer Michael Goldfinger, ein Mann mit James-Bond-verdächtigem Namen, stand an der Seitenlinie und sah zu, wie seine Mannschaft in der eigenen Hälfte Beton anrührte. "Wir wollten kein schönes Spiel, sondern ein Ergebnis", sagte er nachher mit einem Schulterzucken. "Und 1:1 in Wien - das ist für uns wie ein Sieg." Rapid dagegen probierte alles. Hanns Lehmann verzweifelte zwischen Minute 13 und 82 an Moutinho, Ernesto Aznar traf das Außennetz, und der junge Volker Schön durfte mit 17 Jahren kurz Bundesliga-Luft schnuppern - und beinahe den Siegtreffer erzielen. "Wenn der reingeht, reden wir heute anders", meinte Schön schüchtern, als würde er sich noch entschuldigen wollen. Am Ende blieb es beim 1:1. Die Fans applaudierten höflich, aber viele gingen mit jenem Gesichtsausdruck, den man sonst nur nach verpassten Straßenbahnen sieht. 20 Schüsse aufs Tor, ein Treffer - das ist eine Statistik, die Rapid-Trainer Lechner vermutlich in seinen Albträumen heimsuchen wird. "Wir müssen ruhiger werden, kaltschnäuziger", sagte er zum Schluss, während Goldfinger nebenan mit seiner Mannschaft Selfies machte. "Aber hey - wenigstens haben wir nicht verloren." Und so bleibt das Fazit dieses Abends: Rapid Wien spielte wie ein Spitzenklub, traf aber wie ein Bezirksligist. Kottingbrunn hingegen schoss viermal aufs Tor - und einmal ins Herz der Wiener. Vielleicht ist das der schönste Witz an diesem Spiel: Der Favorit lacht nicht, und der Außenseiter geht grinsend nach Hause. 01.10.643987 02:38 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: