Noticiero VeneVision
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Real Caracas tanzt Estella Roha aus - Zwei Geniestreiche entscheiden das Spiel

Ein heißer Abend in Caracas, 56.654 Zuschauer im Estadio Nacional, und am Ende jubelt nur eine Seite: Real Caracas schlägt Estella Roha mit 2:0 - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber die Dramatik dieser Begegnung kaum wiedergibt. Trainer King Lui grinste nach Abpfiff verschmitzt: "Ich hatte das Gefühl, wir hätten heute noch zwei Stunden weiterspielen können - und Estella hätte trotzdem keinen Weg durch unsere Abwehr gefunden."

Dabei fing alles gar nicht so eindeutig an. In den ersten 45 Minuten lieferten sich beide Teams ein von Nervosität und Fehlpässen geprägtes Duell. Caracas spielte offensiv, wie man es von Lui kennt - Flügelangriffe im Minutentakt, aber wenig Zählbares. Schon in der 8. Minute prüfte Lionel Oliveira den Gästekeeper Diego Goncalves mit einem satten Schuss aus der Distanz. Goncalves flog, als wolle er für ein Torwartposter posieren, und lenkte den Ball spektakulär über die Latte. Die Fans jubelten, als wäre bereits ein Tor gefallen.

Estella Roha dagegen vertraute auf den Konter. Trainer Christian Jonack hatte seine Jungs auf "lange Bälle und schnelle Beine" eingestellt - ein Plan, der zwar hübsch auf dem Taktikbrett aussah, aber auf dem Rasen selten funktionierte. "Unsere Pässe kamen an, nur leider beim Gegner", knurrte Jonack später mit einer Spur Galgenhumor.

Kurz nach der Pause wurde das Spiel lebendig, und zwar richtig. In der 49. Minute musste Estellas junger Flügelflitzer Ricardo Costa verletzt raus, nachdem er bei einem Sprintduell unsanft zu Boden gegangen war. Jonack brachte Cesar Antunes - und verlor damit seinen schnellsten Mann. "Das war wie ein Auto ohne Turbo", sagte er später kopfschüttelnd.

Dann kam die 56. Minute. Adriano Godo, der bis dahin unauffällig, aber fleißig im Mittelfeld gewirbelt hatte, fasste sich nach einer Vorlage von Diego Triguero ein Herz. Aus knapp 25 Metern zog er ab - und der Ball zischte wie ein Komet in den rechten Winkel. 1:0! Das Stadion explodierte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Godo nach dem Spiel, "und gehofft, dass keiner meiner Kollegen meckert." Statt Meckern gab’s Umarmungen und einen Jubel, der noch Minuten später durchs Stadion hallte.

Estella Roha versuchte zu reagieren, doch was folgte, war eher ein Lehrfilm über ineffektive Offensive: fünf Torschüsse in 90 Minuten, die meisten davon harmlos. Der 17-jährige Ezequiel Arrondo rannte sich in der Spitze die Seele aus dem Leib, bekam aber kaum verwertbare Zuspiele. Und als dann auch noch Mateusz Hajto in der 79. Minute Gelb sah und drei Minuten später Gelb-Rot, war das Schicksal der Gäste besiegelt. "Ich wollte nur den Ball spielen", beteuerte Hajto - was wohl auch der Ball anders gesehen hat.

Caracas nutzte die Überzahl eiskalt. In der 67. Minute legte Triguero wieder auf - diesmal für den flinken Silvestre Pauleta, der den Ball mit einem trockenen Flachschuss ins lange Eck setzte. 2:0, Deckel drauf. Pauleta riss die Arme hoch, rannte zur Eckfahne und brüllte Richtung Fans: "Das ist unsere Stadt!" - eine Ansage, die in Caracas sicher gut ankam.

Coach King Lui wechselte clever, brachte unter anderem den jungen Ivan Poncela, der prompt Gelb kassierte, weil er sich beim ersten Zweikampf "zu enthusiastisch" in den Gegner warf, wie es der Trainer später diplomatisch ausdrückte. Selbst ein Torwartwechsel in der 70. Minute - Asier Veloso kam für Halvor Bruun - konnte dem Spielfluss nichts anhaben.

Statistisch war alles klar: 14:5 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz, und eine Zweikampfquote von 55 Prozent zugunsten der Gastgeber. Real Caracas spielte, als hätten sie das Drehbuch selbst geschrieben - und zwar mit Happy End.

"Das war kein perfektes Spiel, aber ein ehrlicher Sieg", bilanzierte King Lui. "Wir haben gearbeitet, nicht gezaubert." Jonack hingegen wirkte nachdenklich: "Manchmal verliert man, weil der Gegner besser ist. Heute war so ein Tag. Und manchmal verliert man, weil man sich selbst im Weg steht - das war auch heute so."

Als die Sonne über Caracas unterging, summte das Stadion noch lange von den beiden Geniestreichen Godos und Pauletas. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein Fan gesagt haben: "Wenn Real Caracas so weiterspielt, brauchen sie bald ein größeres Pokalregal."

Vielleicht hatte der Mann recht. Aber bis dahin bleibt King Lui lieber bescheiden - zumindest halbwegs. "Ich nehme den Sieg gerne mit", sagte er und zwinkerte, "bescheiden war ich schon genug in meiner Karriere."

Ein Abend, der in Erinnerung bleibt - nicht, weil Estella Roha schlecht war, sondern weil Real Caracas einfach besser war.

02.07.2026 17:12
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