El Peruano
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Real Iquitos und Academia Lima teilen sich die Punkte - ein tropisches 1:1

Wenn am Amazonas der Fußball ruft, dann kommen die Menschen in Scharen. 49.287 Zuschauer drängten sich am Freitagabend ins Estadio Maximo Ramos von Iquitos, um das Duell zwischen Real Iquitos und Academia Lima zu sehen - ein Spiel, das auf dem Papier nach Mittelmaß aussah, sich aber als feurige Mischung aus Leidenschaft, Chaos und taktischem Schach entpuppte. Am Ende stand ein 1:1, das beiden Trainern schmeckte wie lauwarmes Kokoswasser: erfrischend, aber nicht ganz befriedigend.

Die erste Halbzeit verlief torlos, aber keineswegs ereignislos. Real Iquitos begann offensiv, wie es Trainer Sven Schalnas schon vor dem Spiel angekündigt hatte ("Wir wollen zeigen, dass man auch im Dschungel modernen Fußball spielen kann"). Nach zwei Minuten prüfte Lionel Pauleta den jungen Keeper Eric Brun mit einem satten Schuss - der 21-jährige Torhüter bestand seine erste Feuerprobe mit Bravour. In der 6. Minute versuchte Joao Gonzalez sein Glück, dann wieder Pauleta, dann Makukula - die Fans rocherten schon den Führungstreffer, doch der Ball wollte einfach nicht über die Linie.

Academia Lima, unter der stoischen Leitung des ehemaligen Titanen Olli Kahn, blieb gelassen. "Wir wussten, dass sie stürmen wie Moskitos, aber man darf sich nicht ständig kratzen", sagte Kahn später trocken. Seine Mannschaft lauerte auf Konter, spielte kontrolliert und ließ den Ball laufen. Besonders auffällig: Pieter Tilleman, der fliegende Belgier auf dem linken Flügel, der in der 15. Minute und erneut kurz vor der Pause gefährlich abschloss - doch Real-Keeper Vitor Ronaldo zeigte, dass nicht nur sein Name an große Zeiten erinnert.

In der Pause roch es nach Grillbananen und Spannung. Beide Teams wussten: Einer muss den ersten Stich setzen. Und der kam von Academia Lima. In der 49. Minute zirkelte Oscar Hathaway, nach mustergültiger Vorlage von Tilleman, den Ball aus 20 Metern präzise ins rechte Eck - 0:1. Der Jubel der mitgereisten Fans hallte über den Fluss, während Olli Kahn an der Seitenlinie das erste Mal dezent die Faust ballte. "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach mal schießen", grinste Kahn später. "Normalerweise macht Oscar das nur im Training."

Doch Real Iquitos antwortete postwendend. Nur fünf Minuten später, in der 54. Minute, fasste sich Matias Makukula ein Herz. Nach einem kurzen Doppelpass mit Vincent Santos donnerte er den Ball ins Netz - 1:1. Das Stadion explodierte. Ein Wasserverkäufer im Block D verschüttete vor Schreck seine halbe Ladung. "Endlich!", brüllte ein Fan, der offenbar schon seit der 12. Minute im Torjubelmodus war.

Danach wogte die Partie hin und her. Real Iquitos hatte mit 14 Schüssen aufs Tor etwas mehr vom Spiel (Academia Lima kam auf 9), und auch beim Ballbesitz lag das Heimteam knapp vorn (50,2 zu 49,8 Prozent). Aber der Unterschied war kaum spürbar: Beide Mannschaften kämpften, bissen, und manchmal schien es, als würde der Ball selbst den Schweißgeruch der Spieler vermeiden wollen. In der 64. Minute holte sich Vicente Machado noch eine Gelbe Karte ab - "zur Erinnerung, dass er auch da war", wie Trainer Schalnas später süffisant meinte.

Ab der 70. Minute begannen die Wechselspiele: Kahn brachte frisches Blut mit Anicic und Delgado, während Schalnas auf Agemar Baiao und den erfahrenen Rui Doreste setzte. Der Rhythmus blieb hoch, doch die Präzision ließ nach. "Manchmal war’s mehr Beachsoccer als Liga-Fußball", witzelte ein Radiokommentator, als Nael Frechaut in der 72. Minute aus 30 Metern abzog - und fast die Anzeigetafel traf.

In der Nachspielzeit (92.) hatte Vicente Mourino noch einmal die Führung auf dem Fuß, doch sein Schuss verfehlte das Ziel knapp. "Ich wollte’s schön machen", gestand er danach mit einem Grinsen, "mein Trainer hätte’s lieber hässlich, aber drin gehabt."

Nach dem Abpfiff schüttelten sich beide Teams fair die Hände. Schalnas, sichtbar durchgeschwitzt, meinte: "Wir haben Charakter gezeigt, aber vielleicht auch ein bisschen zu viel Romantik im Strafraum." Kahn hingegen war zufrieden: "Ein Punkt auswärts ist wie ein sauberes Bettlaken - nicht spektakulär, aber unverzichtbar."

Ein 1:1 also, das weder Helden noch Verlierer kennt - nur 22 Männer, die sich 90 Minuten lang nichts geschenkt haben. Und irgendwo in der Nacht von Iquitos, zwischen Palmen und Papageien, summt der Wind noch leise: "Unentschieden, aber unvergessen."

Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn Real Iquitos weiter so spielt, wird’s bald mehr als nur Schweiß im Amazonas geben - vielleicht auch Punkte. Und wer weiß, vielleicht lächelt dann sogar Olli Kahn.

14.08.643996 07:30
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Wenn wir am Samstag, sagen wir mal 17:20 Uhr, Deutscher Meister sind, dann können wir feiern bis zur Kreislaufstörung.
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