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Es war einer dieser Abende, an denen 20.000 Zuschauer im Estadio de La Victoria das Gefühl hatten, dass Fußball tatsächlich Geduld belohnt. Real Jaen bezwang UD Elche am 8. Spieltag der 2. Liga Spanien mit 2:1 - dank eines Last-Minute-Treffers von Tiago Barbosa in der 91. Minute. Und weil sich Dramatik und Ironie manchmal duzen, war es ausgerechnet ein linker Verteidiger, der den Unterschied machte. Schon vor dem Anpfiff roch es nach Spannung. Beide Trainer - Alexander Probost auf Seiten Jaens, Mike Johnson bei den Gästen - hatten ihre Teams klar ausgerichtet: Jaen kontrolliert, Elche defensiv, aber mit jugendlicher Angriffslust. Johnsons Startelf bestand fast ausschließlich aus Teenagern, die sich - Zitat Johnson - "nicht vor großen Namen fürchten, nur vor schlechten WLAN-Verbindungen in alten Stadien". Das Spiel begann mit viel Tempo von Real Jaen. Bereits in der 8. Minute prüfte Tomas Penksa den Elche-Keeper Duarte Derlei mit einem strammen Flachschuss. Fünf Minuten später versuchte es Fabian Schade von der rechten Seite - wieder pariert. Doch in der 19. Minute brach der Bann: Seppo Litmanen spielte einen dieser typisch finnisch-kühlen Pässe durch die Abwehr, Penksa lief ein, verzögerte kurz - und schob den Ball überlegt zum 1:0 ein. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Penksa später, "aber dann hat er sich entschieden, brav zu bleiben." Elche wirkte kurz geschockt, fing sich aber schnell. Besonders der 19-jährige Avraham Goldmann, eigentlich Innenverteidiger, spielte mit erstaunlicher Reife. Seine Vorstöße sorgten für Unruhe, und kurz vor der Pause zwang er Jaens Keeper Gunnar Bendixen zu einer Glanzparade. Dennoch ging es mit einem verdienten 1:0 in die Kabinen - begleitet von einem zufriedenen Pfeifkonzert der heimischen Fans, das eher nach Erleichterung als nach Euphorie klang. Nach der Pause drehte Elche auf. Trainer Johnson hatte das Pressing angeschaltet, und plötzlich schnürten die Gäste Jaen phasenweise tief in die eigene Hälfte. "Wir wollten zeigen, dass Defensive nicht gleich Passivität bedeutet", erklärte Johnson danach. Seine jungen Wilden setzten die Worte um - manchmal zu wörtlich: In der 60. Minute sah Albin Karlsson Gelb für ein rustikales Einsteigen, das eher nach Rugby-Schule aussah. Zwei Minuten später wurde auch Jaens Joan Maniche verwarnt - Gleichstand auf der Gelbkarte-Tafel. Dann die 74. Minute: Jorge Veloso flankte butterweich von links, und Goldmann - ja, der Innenverteidiger - stieg am höchsten und köpfte zum 1:1 ein. Bendixen flog, aber mehr aus Pflichtgefühl als mit Aussicht auf Erfolg. Elche jubelte, die Fans von Jaen stöhnten, und Trainer Probost warf wütend seine Wasserflasche auf den Boden - und traf sie danach, wie Augenzeugen berichten, kein zweites Mal. Doch wer glaubte, das junge Elche-Team würde den Punkt clever nach Hause bringen, unterschätzte die störrische Seele dieses Spiels. Jaen drückte, angefeuert von 20.000 Stimmen, die keine Lust auf Remis hatten. Erst Litmanen mit einem Distanzschuss (75.), dann Morrison per Kopf (86.) - beide knapp vorbei. Als die Uhr die 90 zeigte, sah alles nach einem gerechten Unentschieden aus. Dann kam Tiago Barbosa. Der Linksverteidiger, der bis dahin defensiv solide, aber unscheinbar agiert hatte, rückte in der Nachspielzeit nach vorne. Nach einem Kurzpass von Youngster Joan Zorrilla fasste er sich ein Herz, zog ab - und der Ball schlug unhaltbar im rechten Eck ein. 2:1, Stadion explodiert, Barbosa verschwand irgendwo unter einem Berg aus Mitspielern. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand er anschließend mit einem Grinsen. "Aber wenn der Ball will, dann will er." Elche kam in der letzten Minute noch einmal, ein Schuss von Lucas Williamson (94.) rauschte knapp vorbei. Doch das Schicksal hatte sich entschieden - Real Jaen durfte feiern. Statistisch war das Ganze so eng, wie es das Ergebnis vermuten lässt: 53 Prozent Ballbesitz für Jaen, 47 für Elche, 11 zu 6 Torschüsse. Der Unterschied lag in der Reife - und im Timing. Trainer Probost resümierte: "Wir haben heute einen Charaktertest bestanden. Und ehrlich gesagt: Ich mag es, wenn Verteidiger Spiele gewinnen." Johnson hingegen blieb sportlich: "Wir haben verloren, aber wir sind 19. Das Leben geht weiter - und wir trainieren morgen wieder." Am Ende verließen die Zuschauer das Stadion mit diesem zufriedenen Gefühl, Zeugen eines echten Fußballabends gewesen zu sein - mit Fehlern, Emotionen und Helden, die man so schnell nicht vergisst. Und irgendwo in den Katakomben summte Tiago Barbosa leise vor sich hin: "Ich wollte flanken…" Ein Spiel, das beweist: Fußball schreibt die besten Drehbücher - wenn man ihn einfach machen lässt. 10.04.643987 04:57 |
Sprücheklopfer
Ja sicherlich waren die Irländer der erwartet starke Gegner.
Rudi Völler