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Es war ein warmer Maiabend in Petah Tikva, die 39.121 Zuschauer hatten sich auf einen gemütlichen Fußballabend eingestellt - und bekamen ein Spiel, das alles war, nur nicht gemütlich. Die Petah Reds verloren 1:2 gegen Tirat Carmel FC, und während die Heimfans noch mit ihrem Sonnenhut wedelten, hatte Rasmus Clausen bereits die Stimmung abgekühlt. Zwölf Minuten waren gespielt, als Clausen - ein wieselflinker Rechtsaußen mit dem Selbstbewusstsein eines ganzen Fanblocks - nach Zuspiel von Joel Cantwell trocken abschloss. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", grinste er später, "der Ball lag da und wollte einfach ins Tor." So einfach kann Fußball sein. Die Reds dagegen wirkten überrascht, fast beleidigt. Trainer - oder besser gesagt, der diensthabende Motivationskünstler an der Seitenlinie - rief seinen Spielern zu: "Mehr Druck, Männer!" Doch die Worte verhallten irgendwo zwischen Mittellinie und gegnerischem Strafraum. Zwar hatten die Gastgeber mit 53 Prozent Ballbesitz optisch mehr vom Spiel, aber Tirat Carmel hatte schlichtweg mehr Lust auf Tore. Die Statistiker im Stadion zählten 13 Torschüsse für die Gäste, nur 8 für die Reds. Und es fühlte sich genau so an: Tirat Carmel spielte mit offenem Visier, offensiv, über die Flügel, mutig - als hätte niemand ihnen gesagt, dass sie auswärts spielen. Kurz vor der Pause dann Pech für die Gäste: Espen Brinkerhoff, der routinierte Linksaußen, musste nach einem Zweikampf verletzt raus. Trainerin Babsi Klemm reagierte sofort, brachte Bram Sleeper, und der fügte sich nahtlos ein. "Ich war noch nicht mal warmgelaufen, da hat Babsi mich schon reingeschickt", lachte Sleeper hinterher. "Aber hey, manchmal hilft kaltes Blut." In der zweiten Hälfte änderte sich zunächst wenig - außer dass Tirat Carmel noch gefährlicher wurde. In der 61. Minute kombinierten sie sich sehenswert durch die Mitte: Clausen steckte durch, Isidoro Oliveira nahm den Ball elegant mit dem Außenrist mit und schob überlegt zum 2:0 ein. Ein Tor, das so hübsch war, dass selbst die Reds-Fans kurz klatschten - wenn auch widerwillig. Doch Petah gab nicht auf. Der rechte Außenverteidiger Jitzchak Warschawski, der schon in der zweiten Minute Gelb gesehen hatte ("Für’s zu frühe Aufwachen", wie er später mit einem Augenzwinkern sagte), bereitete in der 74. Minute den Anschlusstreffer vor. Sein Pass fand Nelio Ze Castro, der aus kurzer Distanz traf - 1:2, das Stadion erwachte wieder. Was folgte, war ein Sturmlauf der Reds, allerdings einer ohne Kompass. Johnsen, Ze Castro, Eban - sie alle hatten noch Gelegenheiten, aber Tirats Torwart Georg Danielsen hielt, was zu halten war. Einmal flog er quer durch den Strafraum, faustete den Ball weg und schrie danach seinen Innenverteidiger Robert Catalano an: "Ich brauch keine Hilfe, nur Kaffee!" Ab der 80. Minute wurde das Spiel wild. Es gab noch Gelb für Clausen, der offenbar vergessen hatte, dass auch charmante Dänen foulen können. Die Reds drückten, aber Tirat Carmel verteidigte clever, mit jener Mischung aus Zeitspiel, Erfahrung und kleinen Fouls, die man höflich "abgeklärt" nennt. Nach dem Schlusspfiff stand Babsi Klemm mit verschränkten Armen am Spielfeldrand, ihr Lächeln irgendwo zwischen Zufriedenheit und Erleichterung: "Wir haben nicht schön gespielt, aber effektiv. Und Effektivität gewinnt Spiele - Schönheit gewinnt Selfies." Bei den Reds klang der Tenor anders. Nelio Ze Castro sagte mit verkniffenem Lächeln: "Wir hatten mehr Ball, mehr Wille, aber anscheinend weniger Glück. Vielleicht sollte ich dem Glück beim nächsten Mal eine Eintrittskarte schicken." Und tatsächlich - Glück war an diesem Abend eindeutig im Gästeblock zu finden. Tirat Carmel FC spielte mit Mut, Tempo und Witz, während die Reds sich zu spät erinnerten, dass man für Tore auch aufs Tor schießen muss. Am Ende blieb ein 1:2, das gerecht war - und ein Publikum, das sich zwar ärgerte, aber nicht gelangweilt nach Hause ging. "Wenn wir so weiterspielen, brauchen wir bald Herztabletten im Fanshop", murmelte ein älterer Herr auf der Tribüne, während er seinen Schal zusammenrollte. Vielleicht war das die ehrlichste Analyse des Abends. Denn wer die Reds liebt, weiß: Sie machen selten alles richtig - aber immer alles spannend. 25.03.644000 19:01 |
Sprücheklopfer
Ich würde gegen die Italiener natürlich gerne mit zwei Stürmern spielen. Aber diese personellen Diskussionen werden bei uns gerne geführt. Wir haben in Österreich acht Millionen Einwohner, davon sind sechs Millionen Teamchef. Wenn man die alle fragen würde, hätten wir 3,5 Millionen verschiedene Aufstellungen.
Toni Polster