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Ein lauer Januarabend, 40.862 Zuschauer im Gresford Park - und am Ende ein 2:2, das sich für die Gresford Reds wie eine Niederlage anfühlt. Zwei frühe Tore, ein dominanter Auftritt mit fast 60 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse - und trotzdem nur ein magerer Punkt gegen clevere Serben aus Smederevo, die sich mit Kontern und einer Prise Balkan-Sturheit zurück in die Partie kämpften. Trainer Christian Sonten hatte vor dem Spiel noch gewarnt: "Die spielen geduldig. Und wenn du denkst, sie schlafen, dann stechen sie." Nach 18 Minuten aber schien der Coach sich schon entspannt zurücklehnen zu können. Cesc Borreguero eröffnete in der 16. Minute nach Vorarbeit von Ellis Kober die Party - ein Schlenzer, der so präzise war, dass man fast Mitleid mit Torwart Danko Veskovac bekam. Nur zwei Minuten später legte Nelio Viana nach, mustergültig bedient von Arne Bolsius. 2:0, die Tribünen bebten, der Stadionsprecher überschlug sich beinahe vor Begeisterung. "Ich dachte, das wird heute ein gemütlicher Abend", grinste Viana später. "Dann sind wir wohl ein bisschen zu gemütlich geworden." Denn kaum hatte die Anzeigetafel sich an das 2:0 gewöhnt, fing FK Smederevo an, leise aber hartnäckig Gegenwehr zu leisten. Immer wieder suchten sie Callum Perlman auf der linken Seite, der mit seiner Mischung aus Tempo und Theatralik sowohl den Ball als auch Gegenspieler Owen Lorring in Bewegung hielt. Ironischerweise war es Lorring, der in der 37. Minute Gelb sah - wegen eines Fouls an eben jenem Perlman. Nur zwei Minuten später traf der Serbe dann selbst: ein abgefälschter Schuss, vorbereitet vom linken Verteidiger Joel Bloomfield, der sich plötzlich in der Rolle des Spielmachers wiederfand. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Bloomfield hinterher zu, "aber wenn’s reingeht, war’s natürlich so geplant." Mit dem 2:1 zur Pause schien noch alles im Lot. Die Reds hatten die Kontrolle, FK Smederevo blieb im Kontermodus, wie es Trainer Osteroder FC - ja, so heißt der Mann wirklich - später nannte: "Wir sind keine Mannschaft, die den Ball will. Wir wollen nur den Moment." Und den Moment bekamen sie. In der 62. Minute war es Ermin Dragutinovic, der nach Vorarbeit von Agustin Aznar den Ausgleich markierte - ein Treffer, so präzise, dass man ihn in Zeitlupe genießen wollte. Der Ball küsste erst den Innenpfosten, dann die Torlinie und entschied sich gnädig für: drin. Ab da entwickelte sich ein Spiel, das man als "kontrolliertes Chaos" bezeichnen könnte. Die Reds rannten an, Viana prüfte Veskovac in der 55. Minute mit einem satten Schuss, Bradley Allington (19) vergab in der 90. Minute die letzte große Chance - und irgendwo zwischen all dem brüllte Christian Sonten an der Seitenlinie seine komplette Taktiktafel in die Nacht. Smederevo indes spielte, als hätten sie ihr Lehrbuch für Zeitspiel neu geschrieben. Ein Spielerwechsel in der 91. Minute? Natürlich. Zwei? Sicher. Drei? Warum nicht. Und als Zoran Filipovic in der 93. Minute verletzt am Boden lag, winkte der serbische Betreuerstab so gelassen, als stünde das 2:2 schon in Stein gemeißelt. "Wir wussten, dass sie offensiv bleiben würden", sagte Smederevos Trainer nach der Partie mit einem kaum verhohlenen Lächeln. "Wir mussten nur warten, bis sie müde werden." Die Statistik sprach zwar weiterhin klar für Gresford - 59,5 Prozent Ballbesitz, 51 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 14 zu 12 Torschüsse -, aber am Ende zählt bekanntlich nur die Anzeigetafel. Und die zeigte ein 2:2, das für die Reds weh tat. Sonten versuchte, das Positive zu sehen: "Ich kann meiner Mannschaft keinen großen Vorwurf machen. Nur vielleicht, dass sie das Spiel nach 20 Minuten schon beendet glaubte." Kapitän Borreguero sah das etwas direkter: "Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen. Punkt." Während die Reds also mit gesenkten Köpfen in die Kabine trotteten, feierten die Gäste aus Smederevo ihre Punkteteilung wie einen Sieg. Und wer will’s ihnen verübeln? Zwei Tore Rückstand aufgeholt, taktisch diszipliniert geblieben, am Ende sogar den Schlusspfiff bejubelt wie einen Titel. "Manchmal", meinte Callum Perlman augenzwinkernd, "ist ein Unentschieden das schönste Ergebnis der Welt." Vielleicht nicht für Gresford. Aber für alle, die Fußball lieben, war dieses 2:2 ein kleiner Thriller mit allem, was dazugehört: frühe Euphorie, späte Ernüchterung - und 40.000 Zuschauer, die nach Hause gingen mit dem Gefühl, ein echtes Spiel gesehen zu haben. So etwas, das einen daran erinnert, warum man überhaupt ins Stadion geht. Und wer weiß: Vielleicht war das ja nur das Vorspiel. In dieser Conference League ist schließlich alles möglich - sogar, dass ein 2:2 noch lange nachhallt wie ein Sieg. 21.04.643987 15:37 |
Sprücheklopfer
Das spricht vielleicht für eine schlechte Vereinskarriere - aber das war ein Höhepunkt meiner Laufbahn!
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