Elfmeter
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Rehden trotzt Regensburg: Ein 2:2 der besonderen Sorte

Es war ein Freitagabend, wie ihn der Fußball liebt: Flutlicht, 2985 Zuschauer, leicht feuchte Luft über dem Platz in Rehden - und ein Spiel, das in den ersten fünf Minuten gleich mehr Gesprächsstoff bot als manch komplette Halbzeit der Verbandsliga D. Der BSV Rehden und Jahn Regensburg trennten sich letztlich 2:2 (1:2), aber die Zahlen allein erzählen nur die halbe Geschichte.

Die andere Hälfte beginnt in der dritten Minute, als Herbert Grossmann, der zentrale Motor der Rehdener, einen butterweichen Pass von Florian Braun annahm, kurz anhob - und den Ball trocken ins rechte Eck setzte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Grossmann nach dem Spiel, "aber der Ball hat sich entschieden, lieber ins Tor zu gehen." Das Stadion jubelte, die Bratwurstverkäufer hatten Mühe, die Ketchupflaschen ruhig zu halten.

Doch der Jubel hielt exakt 60 Sekunden. Im direkten Gegenzug stand Stephan Rieger, der quirlige Rechtsaußen Regensburgs, goldrichtig und versenkte nach Vorarbeit von Aaron Longfellow zum 1:1. Zuschauer Nr. 241 auf der Haupttribüne kommentierte trocken: "Das war wohl der schnellste Ausgleich, den Rehden je kassiert hat."

Danach entwickelte sich das, was man wohl ein "offenes Spiel" nennt - wobei "offen" hier so viel bedeutet wie: Jeder durfte mal schießen. 10 Abschlüsse für Rehden, 11 für Regensburg - fast im Sekundentakt knallte es in den Strafräumen. Besonders auffällig: Dimitar Slawkow, 21 Jahre jung, Stürmer mit der Körpersprache eines Revoluzzers. In der 44. Minute krönte er seine starke erste Hälfte mit einem wuchtigen Treffer zum 1:2. Wieder war Rieger beteiligt, diesmal als Vorlagengeber. "Wir hatten den Gegner kurz im Schwitzkasten", sagte Slawkow später, "aber dann haben wir ihn wieder laufen lassen."

Kurz vor der Pause sah Rehdens rechter Verteidiger Florian Braun Gelb - vermutlich, weil er sich zu vehement über ein ausbleibendes Foul beschwerte. "Ich habe nur laut gedacht", verteidigte er sich später. Auf der Gegenseite kassierte Leandro Coelho (Regensburg) ebenfalls Gelb, und weil er in der 48. Minute offenbar noch etwas auf dem Herzen hatte, folgte prompt Gelb-Rot. Trainer der Gäste (dessen Name auf dem Spielbericht kurioserweise nicht notiert war) warf die Wasserflasche, aber nicht weit genug, um für Aufsehen zu sorgen.

Mit einem Mann mehr drückte Rehden in der zweiten Halbzeit. Die Statistiken zeigen 49 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber - also fast gleichauf -, aber das Momentum lag plötzlich klar auf ihrer Seite. In der 64. Minute traf der erfahrene Helmut Neumann, 34 Jahre, linker Mittelfeldspieler und Teilzeit-Philosoph, zum 2:2. Ein Schuss aus 18 Metern, halb Volley, halb Zufall, ganz großes Kino. "Ich hab einfach draufgehalten", lachte Neumann, "manchmal muss man den Ball zwingen, was Ordentliches zu machen."

Kurz danach allerdings humpelte derselbe Held vom Feld - Muskelverletzung, wohl nichts Schlimmes, aber genug für einen schnellen Wechsel. Kevin Thiel kam, ein Innenverteidiger, der nun plötzlich als Aushilfslinker agieren musste. "Ich hab mich gefühlt wie ein Pinguin auf Rollschuhen", gab Thiel später zu.

Die Schlussphase? Ein wilder Mix aus Chancen, Nervosität und leichtem Chaos. Regensburg, trotz Unterzahl, blieb gefährlich - Slawkow prüfte Keeper Marvin Hanke in der 75. Minute, und in der 88. Minute zirkelte Rieger den Ball nur Zentimeter übers Tor. Auf der anderen Seite verzog Niels Benz in der 80. Minute knapp, während die Rehdener Fans schon "Tor, Tor!" brüllten.

Nach 90 Minuten stand ein 2:2 auf der Anzeigetafel - ein Ergebnis, das so gerecht war, wie es nur ein Unentschieden sein kann. Beide Teams hatten ihre Momente, beide ihre Aussetzer. Rehden hätte mehr draus machen können, Regensburg mit zehn Mann sicher auch.

"Das war Fußball mit allen Zutaten - Tore, Karten, Verletzung, Aufregung", sagte BSV-Kapitän Gerhard Bach nach dem Abpfiff. "Nur das Bier war zu warm." Der Trainer des BSV, sichtlich zufrieden, nickte: "Wenn wir so weiterspielen, brauchen wir bald eigene Nervenärzte auf der Bank."

Und so gingen 2985 Zuschauer in die Nacht hinaus, einige mit heiserer Stimme, andere mit der stillen Gewissheit, ein Spiel gesehen zu haben, das mehr bot als nur ein Ergebnis. Ein bisschen Drama, ein bisschen Slapstick, ein bisschen Hoffnung - und der Beweis, dass selbst in der Verbandsliga D der Fußball manchmal größer sein kann als seine Bühne.

Fazit unter Flutlicht: Ein gerechtes 2:2, das sich anfühlte wie ein kleiner Sieg für den Spaß am Spiel.

02.03.644000 13:53
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