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Eliteserien | 15. Spieltag | 19.07.26 | Moss FK - Fredrikstad BK 1:1 Die Gastgeber traten unter Trainer Alex Sch eher konservativ an, mit einer klar defensiven Grundordnung und langen Bällen, als ginge es darum, das Leder möglichst weit vom eigenen Tor zu entfernen. "Wir wollten kompakt stehen und dann Nadelstiche setzen", erklärte Sch hinterher mit einem Blick, der verriet: So ganz war das nicht der Plan gewesen. Fredrikstad, angeleitet von Peter Lundekvam, wirkte da schon strukturierter. Mit leichtem Ballbesitzvorteil (53 Prozent) und neun Abschlüssen aufs Tor setzten sie die Akzente, ohne jedoch die Kontrolle in etwas Zählbares umzumünzen - zumindest nicht in Hälfte eins. Die ersten 45 Minuten waren ein Musterbeispiel nordischer Geduld: viel Physis, wenig Präzision, und ein Schiedsrichter, der offenbar Mitleid mit dem Ball hatte, so selten wie der in Ruhe lag. Moss kam zu ein paar Halbchancen - Humberto Maniche prüfte Fredrikstads Keeper Daniel Mykland in der 22. Minute mit einem satten Schuss aus 18 Metern. Mykland, gewohnt stoisch, lenkte den Ball über die Latte, als würde er damit seine Gartenarbeit unterbrechen. Nach der Pause kam Leben in die Bude. Vielleicht hatte der Pausentee gewirkt, vielleicht auch die Einwechslung von Steffen Carew, der frischen Wind über rechts brachte. In der 57. Minute dann endlich das, worauf die Heimfans gewartet hatten: Andre Bergmann tankte sich auf links durch, flankte halbhoch in den Strafraum, und Humberto Maniche - dieser bullige Mittelstürmer mit der Körperhaltung eines Betonmischers - drosch den Ball aus der Drehung ins Netz. 1:0 Moss. Das Stadion vibrierte, und Maniche riss die Arme hoch, als wolle er sagen: "Na also, geht doch!" Doch wer dachte, das Spiel kippe nun zugunsten der Hausherren, sah sich getäuscht. Fredrikstad reagierte wie eine erfahrene Band auf einen schlechten Soundcheck: ruhig nachjustieren, dann liefern. Besonders der junge Henning Halvorsen, gerade einmal 19, spielte, als hätte er nie etwas anderes getan. In der 74. Minute belohnte er sich selbst: Oscar Peyroteo, der rechte Verteidiger, schickte ihn mit einem präzisen Pass in die Tiefe, Halvorsen nahm den Ball elegant mit und schob eiskalt zum 1:1 ein. Sein Jubel? Eine Mischung aus jugendlicher Arroganz und ehrlicher Freude - die Fredrikstad-Bank tobte. "Ich hab nur das gemacht, was wir im Training hundertmal üben", grinste Halvorsen später. Trainer Lundekvam legte die Hand auf seine Schulter und meinte trocken: "Ja, und diesmal hast du’s sogar richtig gemacht." In der Schlussphase wogte das Spiel hin und her, Moss mit mehr Herz als Struktur, Fredrikstad mit mehr Ruhe als Risiko. Humberto Maniche prüfte Mykland erneut in der 78. Minute, doch der Keeper blieb Sieger. Auf der Gegenseite vergab Nestor Roi in der 84. Minute aus spitzem Winkel - der Ball rauschte knapp am Pfosten vorbei, während die Gästefans schon halb im Jubel waren. Kurz vor Schluss noch ein Farbtupfer in Gelb: Fredrikstads Marius Berg sah für ein rustikales Einsteigen die Verwarnung - und grinste dabei, als hätte er gerade ein Souvenir ergattert. Am Ende blieb es beim 1:1, statistisch durchaus ausgewogen: Fredrikstad mit etwas mehr Ballbesitz und Torgefahr, Moss mit dem größeren Körpereinsatz (und 47 Prozent Zweikampfquote, die man wohlwollend als "rustikal" bezeichnen darf). Trainer Sch gab sich nach dem Abpfiff versöhnlich: "Ein Punkt ist besser als keiner. Aber wir hätten das zweite Tor machen müssen." Lundekvam konterte mit einem Schmunzeln: "Oder das dritte. Aber man kann nicht alles haben." So trennten sich zwei Teams, die sich nichts schenkten, in einem Spiel, das kein Feuerwerk war, aber ehrlichen Fußball bot - mit Schweiß, Leidenschaft und ein bisschen nordischem Trotz. Und als die Sonne endgültig unterging, murmelte ein älterer Fan auf der Tribüne: "Früher war mehr Lametta - aber wenigstens verlieren wir nicht mehr." Vielleicht war das das treffendste Fazit dieses Abends. 19.07.2026 21:52 |
Sprücheklopfer
Bedanken möchten wir uns auch bei den Fans, auf denen wir uns immer verlassen konnten.
Andreas Brehme