// Startseite
| La Razon |
| +++ Sportzeitung für Argentinien +++ |
|
|
|
An einem warmen Sommerabend in Quilmes bebte das Stadion. 59.000 Zuschauer, ein Orkan aus Trommeln, Rufen und Fahnen - und mittendrin zwei Teams, die Fußball so unterschiedlich interpretierten wie Mate und Espresso. Der FC Quilmes, von Trainer Edgardo Szyszkowski offensiv eingestellt, empfing das übermächtige River Plate von Eduard Hahn. Am Ende stand ein 1:1, das beide Seiten als moralischen Sieg verbuchten - wenn auch aus völlig verschiedenen Gründen. Quilmes begann mit dem Mut eines Herausforderers, der nichts zu verlieren hat. Schon in der achten Minute prüfte Afanasi Trefilow den erfahrenen Keeper Muti Gülec mit einem satten Schuss - das Publikum brüllte, als hätte der Ball schon gezappelt. Vier Minuten später tat er das tatsächlich: Gaspar Buzanszky, der quirlig-linke Mittelfeldmotor, zog nach einem Pass von Ricardo Arrieta unwiderstehlich ab. Tor. 1:0. Ein Treffer, der so präzise war, dass sich selbst die Vögel über der Tribüne kurz in Formation aufstellten. "Ich hab einfach draufgehalten, weil Ricardo rief: ’Jetzt oder nie!’", grinste Buzanszky nach dem Spiel. Trainer Szyszkowski dagegen wirkte eher väterlich stolz: "Gaspar trainiert das jeden Donnerstag nach dem Training - na gut, meistens trifft er den Zaun." Doch River Plate wäre nicht River Plate, wenn sie sich von einem frühen Rückstand beeindrucken ließen. Schon vorher hatten sie durch Yisrael Itzik gleich doppelt aufs Tor geschossen (6. und 7. Minute), und nach einer Viertelstunde übernahmen sie das Kommando. 56 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse im gesamten Spiel - die Statistik spricht Bände. In der 25. Minute war es dann so weit: Juhani Hjelm, der unermüdliche Mittelfeldmotor, verwandelte ein Zuspiel von Tyler Gage eiskalt zum 1:1. "Ich hab gesehen, dass der Keeper zuckt, bevor ich schieße", erklärte Hjelm mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Selbstzufriedenheit pendelte. Sein Trainer Hahn kommentierte trocken: "Wir hätten 3:1 gewinnen können, aber offenbar hat der Fußballgott heute Quilmes-Fan gespielt." Danach entwickelte sich ein Spiel, das alles hatte - außer weiteren Toren. Quilmes verteidigte leidenschaftlich, manchmal mit etwas zu viel Herzblut: Jelle Vischspoel sah in der 70. Minute Gelb, nachdem er Heinrich Beier einen kleinen Gruß an der Mittellinie mitgab. River Plate sammelte seinerseits zwei Verwarnungen, unter anderem für Tyler Gage, der sich über einen Pfiff so lautstark beschwerte, dass selbst die Balljungen kurz zusammenzuckten. Die zweite Halbzeit begann mit einem Moment für Geschichtsbücher - zumindest für die Familie Molina. In der 46. Minute kam der erst 17-jährige Nahuel Molina für den erfahrenen Marcos Vazquez ins Spiel. "Ich hab gezittert, ehrlich", sagte der Teenager hinterher, "aber Edgardo meinte nur: ’Mach einfach, was du in der Jugend machst - nur schneller.’" Molina machte tatsächlich eine gute Figur, auch wenn River Plate weiter drückte. Hahn reagierte in der 60. Minute gleich dreifach: neuer Torwart Hugo Coelho, frische Beine mit Oscar Canton und die Rückkehr von Itzik auf den rechten Flügel. Doch die ganz großen Chancen blieben aus. Heinrich Beier scheiterte zweimal (60. und 65.), und als Teemu Litmanen in der 82. Minute aus spitzem Winkel verzog, seufzte selbst der Gästeblock. Quilmes dagegen blieb gefährlich im Konter. Bruno Albinana prüfte Coelho zwei Mal (55. und 88.), und in der 86. Minute schaltete sich Innenverteidiger Jose Xavier nach vorne ein - sein Schuss rauschte knapp über die Latte. "Ich dachte, der Ball fliegt ins Netz, aber offenbar hatte er andere Pläne", lachte Xavier später. Am Ende blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das sich gerechter kaum anfühlen konnte. River Plate dominierte den Ball, Quilmes kämpfte mit Herz und Pressing (vor allem in der Schlussphase), und beide hatten ihre Momente. "Das war kein schöner, aber ein ehrlicher Fußballabend", meinte Szyszkowski in der Pressekonferenz. "Und ehrlich gesagt: Ich mag ehrliche Abende." Hahn hingegen fasste es nüchtern zusammen: "Ein Punkt ist besser als keiner, aber wir haben zwei liegen lassen." Die Fans von Quilmes sahen das naturgemäß anders. Als das Schlusssignal ertönte, sangen sie, als hätte ihr Team die Liga gewonnen. Vielleicht hatten sie das - zumindest für diesen Abend. Und irgendwo auf der Bank grinste Edgardo Szyszkowski leise in sich hinein. "Wenn man River Plate mit Einsatz und Humor Paroli bietet", murmelte er, "dann ist das schon fast ein Sieg." Vielleicht war es das. Zumindest einer fürs Herz. 17.03.643987 21:18 |
Sprücheklopfer
Da muss jemand einen Fußball in die Sonne geschossen haben.
Mario Basler erklärt die Sonnenfinsternis