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Remis mit Unterhaltungswert: Dessau trotzt Dynamo ein 1:1 ab

Wenn ein Montagabend in der Verbandsliga F spannender ist als so mancher Bundesliga-Sonntag, dann war wohl der SV Dessau beteiligt. Vor 2693 frierend-festlichen Zuschauern im Dessauer Stadion an der Schillerstraße lieferte sich die Mannschaft von Trainer Kurt Weill ein 1:1 gegen Dynamo Berlin - ein Spiel, das zwar keine Punkteexplosion, aber reichlich Gesprächsstoff bot.

Dynamo kam mit dem Selbstverständnis eines Hauptstadtklubs, der Fußball nicht einfach spielt, sondern zelebrieren möchte. Und tatsächlich: Schon nach 18 Minuten lag Berlin vorne. Der 18-jährige Petar Michailow, flink wie ein Dackel auf Espresso, nutzte einen feinen Pass von Richard May, zog von links in die Mitte und drosch das Leder unhaltbar in die lange Ecke. 0:1 - und die Berliner Ersatzbank jubelte, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Michailow später, "und gehofft, dass der Ball nicht wieder bei den Zuschauern landet."

Doch Dessau wäre nicht Dessau, wenn sie sich davon aus der Ruhe bringen ließen. Der Gastgeber, von Weill wie gewohnt offensiv eingestellt, antwortete mit einer Mischung aus jugendlichem Übermut und rustikalem Kampfgeist. Nach einigen vielversprechenden Versuchen von Werner Berndt in der Anfangsphase (3., 5., 30.) war es schließlich eben jener Berndt, der in der 39. Minute ausglich. Nach einer Ecke von Bernt Roth landete der Ball irgendwie, irgendwo, irgendwann bei Berndt, der aus kurzer Distanz einschob. "Ich dachte erst, ich steh im Abseits", lachte der 22-Jährige nach dem Spiel, "aber die Fahne blieb unten - Gott sei Dank, sonst hätt ich wohl wieder laufen müssen."

1:1 zur Pause - ein gerechtes Ergebnis nach Chancen, wobei Dynamo mit 15 Torschüssen insgesamt die aktivere Mannschaft blieb. Dessau kam auf 11 Abschlüsse, dafür aber mit mehr Herzblut und weniger Ballbesitz (44 Prozent).

Die zweite Halbzeit begann mit Berliner Druckphasen, angeführt vom unermüdlichen Callum Ashton, der in der 52., 70., 76. und 78. Minute gleich viermal den Ball aufs Tor brachte - jedes Mal scheiterte er an Dessaus Keeper Marko Specht, der einen Sahnetag erwischt hatte. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ashton auf mich geschossen hat", witzelte Specht. "Vielleicht sollte ich ihm mal ein Tor zeigen, wie’s von hinten aussieht."

Dessau setzte auf Konter und junge Beine. Trainer Weill brachte ab der 76. Minute frischen Wind: Tomas Kaufmann für den müden Torhelden Berndt, wenig später Björn Michel und Matthias Sorglos - Namen, die klingen, als hätten sie sich das Drehbuch selbst geschrieben. "Wir wollten nochmal alles rausholen", erklärte Weill, "aber gegen das Berliner Pressing war’s wie gegen einen Staubsauger: alles wurde eingesogen."

Berlin-Coach Tim Ancelotti, dessen Nachname allein schon Erwartungen weckt, wirkte nach Abpfiff leicht genervt: "Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff. Aber wer die Chancen nicht nutzt, wird im Amateurfußball eben nicht belohnt - das ist keine Netflix-Serie, wo am Ende immer der Favorit gewinnt."

Ein wenig theatralisch war es dann doch, als der 17-jährige Mike Köhler in der 85. Minute Gelb sah, nachdem er einen Dessauer Konter rustikal stoppte. Der Schiedsrichter, der ohnehin keine Lust auf Diskussionen hatte, zückte die Karte so bestimmt, als wolle er sagen: "Ich hab auch noch Feierabend."

Das Spiel plätscherte in den letzten Minuten zwischen Berliner Angriffslust und Dessauer Abwehrschweiß dahin. In der 89. Minute hatte Michailow nochmal die Chance zur Entscheidung, verzog aber knapp. Danach war Schluss - und das Publikum verabschiedete beide Teams mit ehrlichem Applaus.

In der Statistik liest sich das 1:1 unspektakulär, im Stadion fühlte es sich dagegen nach einem kleinen Drama an. Beide Teams offensiv ausgerichtet, beide mit jugendlicher Wildheit und taktischer Disziplin - ein Spiegelbild der Liga, in der Leidenschaft oft wichtiger ist als Tabellenplatz.

"Das war Werbung für den ehrlichen Fußball", meinte ein älterer Dessauer Fan beim Verlassen des Stadions. Und tatsächlich: Wer hier 90 Minuten lang zugeguckt hatte, wusste wieder, warum man diese Liga liebt - weil sie unperfekt, unberechenbar und manchmal einfach wunderbar menschlich ist.

Fazit des Abends: Ein Punkt für Dessau, ein Punkt für Berlin - und drei Punkte für den Unterhaltungswert.

06.03.643987 09:05
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Ich glaube nicht, dass der Verein mir Steine in den Vertrag legt.
Torsten Legat zu evtl. Wechselproblemen mit Eintracht Frankfurt
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