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Das Flutlicht im Weinheimer Stadion glühte noch, als die letzten Fans ungläubig die Köpfe schüttelten. 2021 Zuschauer hatten ein Spiel gesehen, das eher an ein Tennisergebnis erinnerte als an ein Landesligaduell: 3:5 hieß es am Ende aus Sicht der Gastgeber. Der SSV Reutlingen entführte nach einem wilden Schlagabtausch alle drei Punkte - und das trotz weniger Ballbesitz, aber mit umso mehr Zielstrebigkeit. "Wenn du acht Torschüsse hast und drei Tore machst, darfst du dich eigentlich nicht beschweren", murmelte Weinheims Trainer Doc Webber nach dem Abpfiff. "Aber wenn der Gegner 28 Mal aufs Tor schießt, dann weißt du, warum du verlierst." Schon nach 60 Sekunden hatte Reutlingens Walter Brenner gezeigt, dass er keine Zeit für Vorgeplänkel hat. Ein Pass von Knud Lemke, ein satter Rechtsschuss aus 16 Metern - 0:1. Noch nicht alle Zuschauer saßen auf ihren Plätzen, da lag Weinheim hinten. "Ich dachte, das war nur das Aufwärmen", grinste Brenner später, sichtlich zufrieden mit seinem Hattrick des Abends. Weinheim, taktisch gewohnt ausgewogen, ließ sich zunächst nicht beirren. Nach einer Viertelstunde kombinierten sich die jungen Wilden über Links durch: Nevio Paul bediente Mathias Behrens, der trocken ins rechte Eck traf - 1:1. Das Publikum erwachte, und plötzlich war Feuer drin. Doch Reutlingen antwortete prompt. Nur zwei Minuten später nickte Linus Böhm eine Flanke von Innenverteidiger Max Bach zum 1:2 ein. Der Treffer passte ins Bild: Während Weinheim das Spiel machte (am Ende 58,6 Prozent Ballbesitz), lauerte Reutlingen auf Umschaltmomente - und nutzte sie gnadenlos. Wenig später wieder Brenner. In der 26. Minute verwertete er eine feine Vorlage von Jason Herzog zum 1:3. "Das war kein geplanter Angriff, das war Instinkt", kommentierte Reutlingens Trainer Diego Cristilli trocken. "Wenn Walter riecht, dass was geht, dann geht was." Doch Weinheim blieb dran. Mit dem Halbzeitpfiff nagelte Nevio Paul nach einer Vorlage von Mahir Cakmak den Ball ins Netz - 2:3, und die Hoffnung lebte. In der Pause sagte Weinheims Torhüter Fabrizio Mauro angeblich zu seinem Trainer: "Wenn wir das drehen, lad ich die ganze Mannschaft auf Pizza ein." Leider blieb der Pizzabäcker unbehelligt. Denn nach Wiederbeginn machte Reutlingen da weiter, wo es aufgehört hatte. In der 51. Minute vollendete erneut Brenner, diesmal nach Vorarbeit des erfahrenen Rechtsverteidigers Werner Westphal, zum 2:4. Das war der Moment, in dem Weinheims Abwehr kollektiv die Schultern hängen ließ. Zwar brachte Detlev Schindler in der 65. Minute mit seinem Treffer zum 3:4 noch einmal Leben ins Spiel, doch Reutlingen hatte den längeren Atem. Linus Böhm, der bereits in der ersten Halbzeit getroffen hatte, setzte in der 72. Minute den Schlusspunkt. Duarte Delgado hatte mustergültig vorbereitet, Böhm schob eiskalt ein. 3:5 - und diesmal war endgültig Schluss mit der Weinheimer Aufholjagd. Die Schlussphase war dann eher Theater als Taktik: Gelbe Karte für Max Bach (56.), drei Auswechslungen auf Reutlinger Seite in der 80. Minute, und ein verzweifelter Versuch von Louis Adler, per Fallrückzieher noch den Anschluss zu erzielen. "Das sah spektakulär aus", schmunzelte Coach Webber, "aber leider auch gefährlich für den eigenen Rücken." Statistisch gesehen war’s fast absurd: Weinheim dominierte den Ball, aber Reutlingen dominierte das Spiel. 28 Torschüsse der Gäste gegenüber 8 der Hausherren - das sagt alles. Der SSV spielte offensiv, aggressiv, zielstrebig. Weinheim hielt mit Passspiel und Geduld dagegen, doch Reutlingen hatte die Killerinstinkte, die in dieser Liga oft den Unterschied machen. "Wir wollten offensiv bleiben, egal wie’s steht", erklärte Reutlingens Diego Cristilli nach der Partie. "Ich mag keine Spiele, in denen man auf 1:0 verwaltet. Das ist was für Buchhalter, nicht für Fußballer." Und so endete ein Abend, der mehr Spektakel bot, als Doc Webber lieb war. Seine junge Truppe zeigte Mut, Tempo und drei sehenswerte Tore - aber eben auch defensive Naivität. Reutlingen hingegen reiste mit breiter Brust zurück in die Schwäbische Alb. "Wir haben gezeigt, dass wir Tore schießen können", grinste Doppeltorschütze Böhm beim Verlassen des Platzes. "Jetzt müssen wir nur noch lernen, wie man sie verhindert." Ein Satz, der auch in Weinheim hängen bleiben dürfte. Denn wer 3:5 verliert, obwohl er mehr vom Spiel hatte, weiß: Ballbesitz ist schön - aber Tore sind schöner. 12.12.643999 13:25 |
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Zum Glück habe ich nur eine Struktur.
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