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Ein lauer Sommerabend, 36.000 Zuschauer im Foxborough-Stadion, und auf dem Rasen eine Partie, die zunächst so aussah, als wollten die Foxborough Revs ihren Fans vor allem Geduld beibringen. Doch am Ende stand ein verdienter 2:1-Sieg gegen die tapferen, aber glücklosen Atlanta Gorillas - ein Spiel voller Wendungen, Blessuren und einer Prise Chaos, die man nur im US-Fußball findet. Schon nach 15 Minuten schien die Welt Kopf zu stehen. Vladimir Dubovsky, eigentlich Innenverteidiger und damit laut Lehrbuch kein Mann für die Glanzlichter, schlich sich nach einer Ecke von Evan O’Brien in den Strafraum und köpfte wuchtig zum 0:1 ein. "Ich dachte, der Ball sei zu hoch für mich", grinste Dubovsky später, "aber Gravity war heute wohl auf meiner Seite." Dass der Treffer ausgerechnet von einem Abwehrmann kam, passte zum wilden Beginn der Gorillas, die mit aggressivem Pressing und unbändiger Energie loslegten. Foxboroughs Trainer - der Name blieb wie immer genauso geheim wie seine Aufstellungsstrategie - stand da mit verschränkten Armen, während seine Mannschaft in den ersten 20 Minuten vor allem damit beschäftigt war, Harrison Baker und Rafael Martins zu hinterherzulaufen. Doch je länger die erste Halbzeit dauerte, desto ruhiger wurde das Spiel - und desto öfter tauchte ein Name auf den Anzeigetafeln der Statistik: Juriaan Coeyman. Der niederländische Flügelstürmer schoss in der ersten Halbzeit gefühlt auf alles, was sich bewegte - das Tor, den Pfosten, einen ahnungslosen Balljungen. In der 41. Minute klappte es dann endlich: Nach feiner Vorarbeit von Cameron Featherstone zimmerte Coeyman den Ball trocken ins rechte Eck. 1:1, Stadion wach, und plötzlich war Foxborough wieder da. "Ich hab’s einfach nochmal probiert", sagte Coeyman nach dem Spiel mit einem Schulterzucken, "irgendwann muss ja einer rein." Die Pause kam wie eine Verschnaufpause nach einem Sprint - nötig, aber gefährlich. Atlanta musste bereits in der 40. Minute den verletzten Bram Groot ersetzen, der nach einem Zweikampf liegen blieb. Kurz darauf erwischte es auch Foxboroughs Youngster Thomas Cort, der in der 56. Minute humpelnd ausgewechselt wurde. "Zwei Verletzte, eine gelbe Karte und ein Tor - das war eine halbe Staffel Krankenhausserie", kommentierte ein Zuschauer auf der Tribüne trocken. In der zweiten Halbzeit übernahm Foxborough endgültig das Kommando. 52,7 Prozent Ballbesitz und 16 Torschüsse sprechen eine klare Sprache. Während die Gorillas weiter mutig, aber zunehmend fahrig agierten - Dylan Hunt sah nach einem rustikalen Einsteigen Gelb -, blieben die Revs geduldig. In der 63. Minute fiel dann die Entscheidung: Linksverteidiger Davor Hrgovic fasste sich ein Herz und zog nach einer Ecke einfach mal ab. Der Ball flog an Freund und Feind vorbei ins Netz - 2:1. "Ich wollte eigentlich flanken", lachte Hrgovic, "aber das Tor hat sich halt in den Weg gestellt." Trainerin Anja Meister von den Gorillas nahm es sportlich: "Wir hatten unsere Chancen, aber Foxborough war heute einfach einen Tick abgeklärter. Und manchmal hilft auch kein Gorilla-Gebiss, wenn der Gegner klüger spielt." Ihr Team kämpfte bis zum Schluss, doch die letzten Schüsse - insbesondere von Rafael Martins in der Nachspielzeit - blieben sichere Beute des Revs-Keepers Dylan Gage. Statistisch gesehen war das Spiel ausgeglichen, aber Foxborough hatte die klareren Momente. 16:9 Torschüsse, leichtes Ballbesitzplus, solide Zweikampfquote - und eben zwei Tore, die das Ganze auch auf der Anzeigetafel belegten. Die Fans feierten ihr Team ausgelassen, Coeyman winkte mit einer Eistonne, und Hrgovic bekam auf dem Rückweg in die Kabine eine spontane Gesangseinlage aus der Fankurve. "Wir haben Charakter gezeigt", brummte der Revs-Coach in der Pressekonferenz, als wolle er jedem, der das Gegenteil behauptete, eine Laufübung über 90 Minuten androhen. Und ja, Charakter war da - besonders in der Art, wie die Mannschaft nach dem Rückstand reagierte. Zum Schluss blieb das Gefühl, ein Spiel gesehen zu haben, das weniger von Taktik als von Willen lebte. Die Gorillas schossen aus allen Lagen (ANYTIME, wie es in der Statistik heißt), Foxborough spielte überlegt (SURE), und am Ende gewann der, der das Runde öfter ins Eckige brachte. Oder, um es mit Coeyman zu sagen: "Zählen tun am Ende nur die Tore. Und das Eis danach." Foxborough Revs also 2, Atlanta Gorillas 1 - und ein Sommerabend, der zeigte, dass Fußball manchmal kein Lehrbuch braucht, sondern einfach gute Geschichten. 05.03.644003 08:33 |
Sprücheklopfer
Im Mittelfeld gibt es eine Konservation von Spielern.
Günter Netzer