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Liga Profesional | 2. Spieltag | 06.07.26 | FC Independente - River Plate 0:4 Dabei begann alles gar nicht so schlecht. Die Hausherren standen kompakt, hielten die Räume eng und setzten auf "kontrollierte Aggressivität", wie es der Coach vor dem Spiel nannte. Nach acht Minuten hatte Duarte Barbosa sogar die Gelegenheit, die Partie auf den Kopf zu stellen - sein satter Linksschuss prallte jedoch an die Fäuste von River-Keeper Silvestre Herrero. "Wenn der reingeht, wird’s vielleicht ein anderes Spiel", murmelte Barbosa später, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. Stattdessen nahm River Fahrt auf. Mit Kurzpassspiel und einer erstaunlichen Leichtigkeit kombinierten sie sich durchs Mittelfeld - fast schon beschwingt, als hätten sie im Training Tango statt Taktik geübt. In der 21. Minute war es dann Antonio Veloso, der nach Vorlage von Orkut Saglik den Torreigen eröffnete. Ein flacher Schuss ins lange Eck, Torhüter Jaime Galisteo streckte sich vergeblich. "Ich hab’ nur den Luftzug gespürt", gab der 19-jährige Keeper ehrlich zu. Vierzehn Minuten später war Veloso erneut zur Stelle. Nach feinem Zusammenspiel mit Laurentiu Balint drosch er den Ball humorlos unter die Latte. 0:2 - und die Fans von Independente begannen, sich gegenseitig mitleidig auf die Schultern zu klopfen. River Plate dominierte nun nach Belieben, schoss aus allen Lagen (22 Torschüsse insgesamt!) und wirkte dabei so souverän, dass man fast Mitleid mit den jungen Verteidigern der Gastgeber bekam. In der Pause soll Trainer In Cologne seinem Team gesagt haben: "Leute, wir können ruhig auch mal in Richtung gegnerisches Tor laufen." Gesehen hat man davon allerdings wenig. Kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, erhöhte Reece Morriss in der 57. Minute auf 3:0 - nach einem butterweichen Pass von Linksverteidiger Vitor Beto. "Das war ein Trainingsmuster", schwärmte Morriss später. "Nur dass hier 46.000 Leute zugeschaut haben." Als ob das nicht genug gewesen wäre, setzte Laurentiu Balint in der 79. Minute den Schlusspunkt. Nach Vorarbeit des quirligen Tyler Latham schob er den Ball locker ins Netz - 0:4, und man konnte spüren, wie die letzten Funken Hoffnung auf den Rängen verpufften. Zu allem Überfluss verlor Independente auch noch Ezequiel Sanchez, der zunächst Gelb sah (60.) und nur zwei Minuten später nach einem übermotivierten Einsteigen die Ampelkarte erhielt. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch leben", verteidigte sich der 20-Jährige kleinlaut. River-Coach Eduard Hahn hingegen grinste nach dem Spiel: "Natürlich hilft es, wenn der Gegner einem freiwillig Platz macht." Die Statistik des Abends spricht Bände: 57,6 Prozent Ballbesitz für River, 22 Torschüsse gegenüber einem einzigen der Hausherren und eine Zweikampfquote von fast 60 Prozent. Es war eine Demonstration - technisch, taktisch und mental. Trainer Hahn brachte es auf den Punkt: "Wir wollten nicht nur gewinnen, wir wollten ein Zeichen setzen." Und das haben sie eindrucksvoll getan. Antonio Veloso, der mit zwei Toren und einem Dauerlächeln vom Platz ging, meinte augenzwinkernd: "Ich hätte gern noch ein drittes gemacht - aber der Ball wollte mir den Abend nicht komplett schenken." Für Independente bleibt die Erkenntnis, dass Idealismus und jugendliche Unbekümmertheit allein in der Liga Profesional nicht reichen. "Wir lernen daraus", sagte In Cologne nachdenklich. "Vor allem, dass der Gegner den Ball nicht freiwillig hergibt." Als die Flutlichter ausgingen, hallte noch ein letzter, sarkastischer Kommentar eines Fans durch die Nacht: "Immerhin haben wir keine fünf gefangen." Manchmal ist Fußball eben auch eine Frage des Humors. 06.07.2026 21:19 |
Sprücheklopfer
Wenn wir ein Quiz machen würden unter den Trainern in Deutschland, wer am meisten Ahnung hat von Trainingslehre, Psychologie, und der Trainer mit den besten Ergebnissen kriegt den besten Klub - dann wäre ich bald bei Real Madrid.
Peter Neururer