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Es war ein lauer Sommerabend in San Juan, 47.275 Zuschauer schwenkten Fahnen, Bierbecher und gelegentlich auch die Fäuste. Am Ende aber jubelten nur die Gäste: River Plate gewann am 8. Spieltag der 1. Liga Argentiniens mit 2:0 (2:0) beim FC San Juan - und das auf eine Art, die man als pragmatisch, effizient oder schlicht "typisch River" bezeichnen könnte. Dabei hatte San Juan-Trainerin Denna Sasa ihr Team mutig eingestellt. "Wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können - nicht nur Staub aufwirbeln", sagte sie nach dem Spiel mit einem gequälten Lächeln. Ihre Elf lief offensiv an, aggressiv in den Zweikämpfen, mit kurzen Pässen und reichlich Herzblut, aber leider ohne Fortune. Zwei Torschüsse in 90 Minuten - das ist dann doch eher ein Bewerbungsschreiben für die Rubrik "harmlos, aber bemüht". River Plate dagegen kam mit der Ruhe einer Mannschaft, die weiß, dass sie nicht schön spielen muss, um zu gewinnen. Ihr Trainer Eduard Hahn stand die meiste Zeit regungslos an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, als wolle er sagen: "Lass sie nur kommen." Seine Mannschaft tat genau das Gegenteil - sie ging. Und zwar zielstrebig nach vorne. Es dauerte bis zur 33. Minute, ehe der Ball das erste Mal im Netz zappelte. Und das ausgerechnet durch einen Innenverteidiger: Aaron Robertson, 26 Jahre jung, wuchtete nach einem Eckball von Charles Hay das Leder per Kopf ins Tor. "Ich wusste gar nicht, dass er so hoch springen kann", grinste Mitspieler Jacinto Fernandes später. Robertson selbst meinte lakonisch: "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass keiner im Weg steht." Nur fünf Minuten später wiederholte sich die Szene beinahe spiegelbildlich. Diesmal war es Dejan Jevtic, ebenfalls Innenverteidiger, der nach Vorarbeit von Fernandes das zweite Tor erzielte. Zwei Tore, zwei Abwehrspieler - San Juans Defensive wirkte da fast höflich: "Nach Ihnen, meine Herren!" Bis zur Pause hätten die Gäste noch erhöhen können. Charles Hay prüfte den jungen Keeper Ivan Antunes mit einem strammen Schuss (44.), und der 17-Jährige rettete spektakulär. "Ich hab einfach den Arm dahin gehalten, wo der Ball sein sollte", erklärte Antunes bescheiden - und bekam dafür Szenenapplaus. In der zweiten Halbzeit verwaltete River Plate das Ergebnis so souverän, wie man es nur mit einem 52-prozentigen Ballbesitz tun kann. Zwölf Torschüsse, zwei Tore - das nennt man Effizienz. San Juan kämpfte, rannte, foulte (zwei Gelbe Karten für Semedo und Martens) und hoffte. Doch Hoffnung allein schießt keine Tore, auch wenn Stürmer Ulf Anderson in der Nachspielzeit (93.) noch einmal aus der Drehung abzog. Der Ball strich knapp vorbei, und es blieb beim 0:2. Die Schlussphase brachte dann noch eine unschöne Szene: Torhüter Antunes verletzte sich in der 91. Minute und musste unter Applaus ausgewechselt werden. Ersatzmann Pawel Iwanow kam, hatte aber kaum Gelegenheit, den Ball zu berühren - River Plate war längst im Verwaltungsmodus. Einziger Wermutstropfen für die Gäste: Charles Hay sah in der 95. Minute Gelb, offenbar wegen "übermotivierter Zeitschindung". "Ich wollte nur den Ball säubern", verteidigte er sich lachend in der Mixed Zone. Trainer Hahn nahm’s sportlich: "Wenn das unser größtes Problem war, bin ich zufrieden." Statistisch gesehen war San Juan gar nicht so weit weg: 47 Prozent Ballbesitz, engagiertes Pressing, viel Laufarbeit. Aber vorne fehlte die Idee - und hinten manchmal die Zuordnung. "Manchmal schießt halt der Falsche das Tor", seufzte Verteidiger Stefan Martens. "Heute waren’s deren Innenverteidiger." Am Ende blieb der Eindruck eines Spiels, das River Plate kontrollierte, ohne zu glänzen, und das San Juan verlor, ohne wirklich schlecht zu sein. Oder, wie es ein Fan auf der Tribüne zusammenfasste: "Wir haben gekämpft wie die Löwen - aber die Löwen haben halt keine Tore geschossen." Fazit: River Plate bleibt oben dran, San Juan bleibt in der Realität. Und Trainerin Sasa? Die nahm’s mit Galgenhumor: "Nächste Woche üben wir Kopfballabwehr - aber nur, wenn keiner einen Helm braucht." Ein Abend voller Einsatz, Emotionen und ein bisschen Ironie - ganz so, wie man Fußball in San Juan liebt, auch wenn diesmal die Punkte mit dem Bus nach Buenos Aires fuhren. 10.04.643987 01:35 |
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