La Razon
+++ Sportzeitung für Argentinien +++

River Plate zerlegt Lanus - Sechserpack im Monumental-Stadion

Wer am 7. Spieltag der 1. Liga Argentiniens pünktlich um 20 Uhr im Monumental-Stadion erschien, bekam für sein Eintrittsgeld mehr geboten, als mancher Kinobesuch verspricht: River Plate spielte UD Lanus nach allen Regeln der Fußballkunst an die Wand - 6:0 hieß es am Ende. Und das, obwohl die Statistik mit rund 52 Prozent Ballbesitz gar nicht den totalen Klassenunterschied vermuten lässt. Doch 22 Torschüsse zu 2 sprechen eine deutlichere Sprache.

Schon nach drei Minuten war die Marschrichtung klar. Linksverteidiger Oscar Canton, sonst eher fürs Grätschen als fürs Treffen bekannt, zog einfach mal ab. Der Ball zischte - begleitet vom entsetzten Aufstöhnen der Lanus-Abwehr - ins rechte Eck. Trainer Eduard Hahn grinste später: "Ich hatte ihm eigentlich gesagt, er soll heute defensiv bleiben. Offenbar hat er mich missverstanden - zum Glück!"

Was danach geschah, erinnerte an eine Trainingseinheit mit ungleichen Partnern. River drückte, Lanus stolperte, und Juhani Hjelm zog im Mittelfeld die Fäden. In der 19. Minute bediente der Finne seinen Stürmer Yisrael Itzik, der den Ball lässig über den Torwart lupfte - 2:0. "Das war kein Lupfer, das war ein Gedicht", schwärmte ein Zuschauer auf der Tribüne, während sein Nachbar trocken bemerkte: "Lanus liest heute offenbar keine Poesie."

Lanus versuchte, die Ordnung zu halten, doch Hjelm hatte anderes vor. In der 38. Minute belohnte er sich selbst - 3:0 - nach Doppelpass mit Marcio Goncalves. Danach ging’s Schlag auf Schlag: Agustin Custodio machte das 4:0 (43.), und der 18-jährige Diego Forlan setzte kurz vor der Pause mit dem 5:0 den Deckel auf eine Halbzeit, die selbst in einer Jugendmannschaft für Diskussionen gesorgt hätte. "Ich dachte, der Schiedsrichter pfeift ab, um uns zu erlösen", murmelte Lanus-Verteidiger Agustin Manuel kopfschüttelnd.

Zur Pause wirkte River fast verlegen über die eigene Überlegenheit. Hahn gestikulierte wild an der Seitenlinie, rief "ruhig bleiben" - was in etwa so viel brachte wie ein Regenschirm im Sturm. Seine Mannschaft spielte weiter nach vorn, als hätte sie vergessen, dass das Spiel nicht nach Torverhältnis entschieden wird.

In der 78. Minute durfte dann auch Marcio Goncalves noch ran. Nach feiner Vorarbeit von Itzik versenkte der Mittelfeldmotor den Ball zum 6:0-Endstand. Lanus-Keeper Dimas Beltran reckte die Arme gen Himmel - vermutlich ein stilles Gebet um den Schlusspfiff.

Taktisch blieb alles beim Alten: River offensiv, über die Flügel kommend, mit sicherem Passspiel; Lanus balanciert, aber ohne Pressing - was in der Praxis hieß: höflich begleiten statt eingreifen. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Lanus-Trainer (dessen Mimik an diesem Abend mehr sagte als seine Worte). "Leider standen wir irgendwann nur noch im eigenen Strafraum."

Die Zuschauer - 55.824 an der Zahl - feierten jeden Pass der Gastgeber, als sei es ein Tor. In der 60. Minute durfte Oscar Canton, der Torschütze des ersten Treffers, unter Applaus vom Feld. "Er wollte gar nicht raus", lachte Hahn später, "aber ich wollte ihm die Schuhe vergolden lassen, solange sie noch heiß sind."

Die letzten zehn Minuten waren Schaulaufen. Der junge Forlan fing sich noch Gelb ein, weil er beim Stand von 6:0 zu engagiert nachsetzte - jugendlicher Übermut, wie sein Trainer meinte. Lanus’ Isaac Kilbane, schon in der 20. Minute verwarnt, dürfte froh gewesen sein, dass es bei Gelb blieb.

Als der Schlusspfiff ertönte, standen die Gäste mit leerem Blick und hängenden Köpfen auf dem Rasen. River hingegen verabschiedete sich in den Kabinengang, als wäre ein 6:0 das Normalste der Welt. "Wir haben heute Spaß gehabt", grinste Hjelm. "Vielleicht zu viel."

Man kann es drehen und wenden, wie man will: River Plate war an diesem Abend in einer eigenen Liga. Lanus hingegen wirkte, als hätte man ihnen den falschen Bus zum Stadion geschickt - einen, der eigentlich zum Tanzkurs fahren sollte.

Und Trainer Hahn? Der zog beim Hinausgehen seine Mütze tief ins Gesicht und murmelte: "Wenn das so weitergeht, muss ich die Jungs bald bremsen." Ein Luxusproblem, das er wohl gern behalten wird.

29.03.643987 12:01
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Mich nerven Trainingslager. Weil ich am liebsten bei meiner Frau bin. Doch inzwischen bin ich genauso oft mit Helmer auf der Bude - aber immer mit dem Hintern zur Wand.
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