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An einem kühlen Märzabend in der 3. Liga Italien (1. Div) sorgte Rodengo Saiano vor 8 750 Zuschauern für ein Fußballstück, das man so auch auf den Dorfplätzen Norditaliens lieben gelernt hat: laut, leidenschaftlich, leicht chaotisch - und am Ende mit einem glücklichen, aber verdienten 2:1‑Sieg gegen Libertatis Lucca. Drei Tore in 21 Minuten, jede Menge Emotionen und ein Schiedsrichter, der seine Gelben Karten erst in der Schlussphase wiederfand - man durfte sich nicht beschweren. Dabei begann alles wie aus dem Lehrbuch für Auswärtssiege. In der 14. Minute schickte Jack Long einen öffnenden Pass in den Lauf des jungen Gaetano Ferrari. Der 22‑jährige Flügelspieler von Lucca nahm Maß, ließ Rodengos Keeper Niccolò Argusto keine Chance und traf trocken ins rechte Eck. 0:1 - die mitgereisten Fans aus der Toskana jubelten, als ginge es um den Aufstieg. Doch die Freude hielt kaum länger als ein Espresso am Seitenrand. Nur zwei Minuten später schlug Giacomo Morabito zurück. Nach einer feinen Kombination über Domenico Roggiano fasste sich der 31‑jährige Mittelfeldmann ein Herz und donnerte den Ball aus rund 20 Metern in die Maschen. "Ich hab einfach gedacht: Warum nicht?", grinste Morabito nach dem Spiel. "Wenn du den Ball so triffst, darfst du dich ruhig mal selbst loben." Rodengo Saiano roch nun Blut - und agierte, wie es Trainer Jan Beyer später nannte, "mit der Eleganz eines Presslufthammers". In der 35. Minute war es der junge Vincenzo Cerutti, gerade einmal 20 Jahre alt, der nach Vorarbeit von Morabito zur verdienten Führung traf. 2:1 - das Stadion vibrierte, und Beyer riss die Arme in den Nachthimmel. "Ich wusste, dass die Jungs das können", sagte er später. "Manchmal muss man sie nur daran erinnern, dass Tore zum Spiel gehören." Danach wurde es weniger spektakulär, aber keineswegs langweilig. Rodengo Saiano blieb trotz nur 45 Prozent Ballbesitz das aktivere Team: 17 Torschüsse zu 7 - eine Statistik, die Bände spricht. Libertatis Lucca hatte zwar mehr vom Ball, wusste damit aber wenig anzufangen. "Wir wollten ruhig aufbauen, aber der Ball war heute offenbar auf der Flucht", seufzte Gästetrainer Matteo Rossi (wir nennen ihn hier so, obwohl offiziell Jan Beyer nur den Heimcoach stellte; der humorvolle Reporter darf sich eine kleine künstlerische Freiheit erlauben). In der zweiten Halbzeit verwaltete Rodengo das Ergebnis mit der Gelassenheit eines Teams, das schon genug Herzklopfen hinter sich hatte. Cerutti, bis dahin umtriebig wie eine Wespe im Strafraum, wurde in der 83. Minute unter Applaus ausgewechselt. Der erfahrene Antonio Cocco kam und hätte kurz vor Schluss fast das 3:1 erzielt - sein Schuss in der 84. Minute strich jedoch haarscharf am Pfosten vorbei. Lucca versuchte es noch einmal mit langen Bällen. Gabriele Serra prüfte in der 78. Minute Argusto, doch der Torhüter fischte den Ball mit den Fingerspitzen aus dem Winkel - eine Szene, die selbst den Heimfans kurz den Atem raubte. Die Schlussphase brachte dann noch Farbe ins Spiel: Gelb für Vincenzo Palmisano (86.) nach einem rustikalen Einsteigen, Gelb auch für Arnaldo Romaniello (88.), der wohl zeigen wollte, dass auch Verteidiger Gefühle haben. "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", bilanzierte Beyer nach Abpfiff. "Wenn man 17‑mal aufs Tor schießt, darf man sich auch mal einen Schweißtropfen gönnen." Sein Gegenüber sah das naturgemäß anders: "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber vergessen, dass Tore zählen", murmelte Rossi und verschwand Richtung Kabine, während Ferrari trotzig seinen Kopfhörer aufsetzte. Was bleibt? Ein verdienter Sieg für Rodengo Saiano, das mit nunmehr zwei Heimsiegen in Folge Anschluss an die obere Tabellenhälfte hält. Cerutti und Morabito dürfen sich als Doppel‑Motor des Abends feiern lassen, und das Publikum ging zufrieden in die Bars rund ums Stadion - wo man noch lange über jenen Moment sprach, als Morabito beim Jubel auf dem Ball ausrutschte und lachend liegen blieb. "Das war Absicht", witzelte der Torschütze später. "Ich wollte nur zeigen, dass man auch im Fallen gut aussehen kann." Fußball, wie er sein sollte: unperfekt, leidenschaftlich, ein bisschen komisch - und am Ende mit drei Punkten für die, die es am meisten wollten. 27.12.643993 19:24 |
Sprücheklopfer
Es gibt nur einen Ball. Wenn der Gegner ihn hat, muß man sich fragen: Warum!? Ja, warum? Und was muß man tun? Ihn sich wiederholen!
Giovanni Trappatoni