Tuttosport
+++ Sportzeitung für Italien +++

Rodengo Saiano ringt Ascoli nieder - Uffugo trifft mit jugendlicher Unbekümmertheit

Ein kalter Februarabend, 6191 Zuschauer, Flutlicht, und ein Spiel, das mehr an einen Boxkampf erinnerte als an gepflegten italienischen Drittligafußball. Rodengo Saiano besiegt den FC Ascoli mit 1:0 - ein Ergebnis, das knapper klingt, als es das Chancenverhältnis vermuten lässt. 18 Torschüsse der Hausherren gegen ganze vier der Gäste sprechen eine deutliche Sprache. Und doch mussten die Fans bis zur 73. Minute zittern, bevor das goldene Tor fiel.

Trainer Jan Beyer, sonst eher der norddeutsch Nüchterne, hatte nach Abpfiff sogar ein Lächeln übrig: "Wir haben heute das Tor getroffen, das zählt. Und Gaetano hat bewiesen, dass Mut manchmal mehr wert ist als Erfahrung." Der erwähnte Gaetano Uffugo, zarte 19 Jahre alt und mit einem Lächeln, das man sonst nur aus Werbespots kennt, war der Mann des Abends. Nach einem energischen Vorstoß über die rechte Seite legte Emanuele Soverato den Ball flach in den Strafraum - und Uffugo hämmerte das Leder aus zehn Metern unter die Latte. 1:0. Das Stadion bebte, und der junge Stürmer riss die Arme hoch, als hätte er gerade den Scudetto geholt.

Bis dahin war es ein Geduldsspiel gewesen. Schon in der siebten Minute prüfte Alessandro Vegliaturo den Ascoli-Keeper Matthew Heighway, der mit einer Mischung aus Glück und unorthodoxer Körperhaltung klären konnte. Vegliaturo probierte es wenig später erneut - diesmal flog der Ball über die Latte, aber wenigstens warm war Heighway jetzt. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, da kam er wieder zurück", keuchte der Ascoli-Torhüter später und grinste gequält.

Rodengo Saiano drückte, Ascoli verteidigte - und zwar nicht immer elegant. Die Gäste standen tief, fast so tief, dass mancher Zuschauer befürchtete, sie würden bald im eigenen Strafraum ein Zelt aufschlagen. Mit 50,6 Prozent Ballbesitz hatte Ascoli zwar theoretisch mehr vom Spiel, praktisch aber kaum etwas davon. Vier Torschüsse in 90 Minuten sind in etwa so viel wie ein Pizzalieferant in der Halbzeit schafft, wenn er sich beeilt.

In der zweiten Hälfte brachte Beyer frische Beine: Lorenzo Cerva kam für Romaniello, Federico Di Paolo ersetzte Roggiano. Ein kluger Schachzug, denn Cerva brachte Ordnung ins Mittelfeld und verteilte die Bälle mit der Ruhe eines erfahrenen Schachspielers. "Ich sollte einfach die Lücken schließen", sagte er später bescheiden - was in seiner Körpersprache soviel hieß wie: ’Ich hab das Spiel kontrolliert.’

Dann die 73. Minute. Wieder eine dieser langen Angriffswellen der Hausherren, wieder Soverato über rechts. Eine Finte, ein kurzer Blick - und der Pass kam punktgenau. Uffugo nahm den Ball direkt, und diesmal war Heighway ohne Chance. Rodengo Saiano führte verdient, und man hatte das Gefühl, dass das ganze Stadion kurz den Atem anhielt, bevor der Jubel losbrach.

Ascoli versuchte danach, etwas offensiver zu werden, aber die Bemühungen wirkten so zaghaft, dass selbst Trainer Jan Beyer nach dem Spiel scherzte: "Ich hatte fast Angst, dass sie noch das Mittelfeld überqueren." Der junge Innenverteidiger Giovanni Amato wagte in der 33. Minute immerhin einen Torschuss - der blieb aber die gefährlichste Annäherung der Gäste an das Tor von Igor Zunino, der ansonsten einen ruhigen Abend verbrachte.

Kurz vor Schluss brachte Beyer noch den Routinier Antonio Cocco, um das Ergebnis zu sichern. Der 33-Jährige rief seinen Teamkollegen beim Einlaufen zu: "Jetzt machen wir’s italienisch - Ball halten, Zeit schinden, und keiner redet drüber." Gesagt, getan.

Die letzten Minuten waren ein Musterbeispiel für cleveres Verteidigen - oder, je nach Perspektive, für das, was man in der Kneipe "die Kunst des Zerstörens" nennt. Ascoli kam nicht mehr durch, Rodengo Saiano ließ Ball und Gegner laufen, und als der Schlusspfiff ertönte, fiel Beyer seinem Co-Trainer um den Hals.

"Wir wollten zeigen, dass wir auch ohne viel Ballbesitz gefährlich sein können", meinte Uffugo nach dem Spiel mit einem Grinsen, das seine 19 Jahre verriet. "Und ehrlich gesagt - das war mein schönstes Tor bisher."

Ein bisschen Pathos darf sein, schließlich katapultiert dieser Sieg Rodengo Saiano weiter ins obere Tabellendrittel der 3. Liga Italien. Für Ascoli bleibt die Erkenntnis, dass man mit 50 Prozent Ballbesitz zwar schön aussieht, aber Punkte trotzdem nur für Tore gibt.

Und während die Fans noch auf den Rängen sangen, murmelte ein älterer Herr im Vereinscafé: "So jung, so frech, dieser Uffugo - hoffentlich verkauft ihn keiner zu früh." Ein Satz, der in Rodengo Saiano vermutlich noch öfter fallen wird.

Schlusswort: Fußball kann manchmal einfach sein - ein Tor, drei Punkte, und ein Teenager, der Geschichte schreibt.

22.09.643990 18:36
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Vielleicht war es mit mir wie mit Helmut Kohl. Dessen Gesicht haben sie ja auch nicht mehr gewollt.
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