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Wenn 6186 Zuschauer an einem kühlen Februarabend ins kleine Stadion von Rodengo Saiano pilgern, dann ahnen sie wohl kaum, dass sie Zeugen einer Lehrstunde in Sachen Effizienz und Leidenschaft werden. Am 2. Spieltag der 3. Liga Italien (1. Div) schickte die Mannschaft von Trainer Jan Beyer den Gast aus Bari Calcio mit 3:0 nach Hause - ein Ergebnis, das in seiner Klarheit kaum Raum für Ausreden lässt. Schon die ersten Minuten gaben den Ton an. Noch keine zwei Minuten gespielt, da prüften Soverato und der 19-jährige Cerutti den Torhüter der Gäste, Hans Scherer, mit satten Schüssen. "Da war mehr Alarm als auf dem Wochenmarkt in Bari", grinste Beyer später. Während Rodengo Saiano von Beginn an auf Offensive setzte, wirkte Bari wie ein Tourist, der versehentlich im falschen Zugabteil gelandet war - anwesend, aber ohne Ziel. Nach 34 Minuten platzte der Knoten. Alessandro Vegliaturo, 21 Jahre jung und mit der Eleganz eines Tänzers, vollendete nach feinem Zuspiel von Gaetano Uffugo zum 1:0. Ein Tor, das so schön war, dass selbst der Linienrichter kurz vergaß, die Fahne zu heben. Vegliaturo rannte jubelnd zur Eckfahne, während Uffugo ihm mit einem Lächeln hinterherlief, das irgendwo zwischen Stolz und jugendlichem Übermut lag. "Gaetano hat den Ball so butterweich gespielt, ich musste ihn nur noch liebkosen", witzelte Vegliaturo nach dem Spiel. Bari? Drei Torschüsse in 90 Minuten, einer davon in der achten, ein weiterer in der 68. - und dazwischen gähnende Leere. Zwar wiesen die Statistiken 50,5 % Ballbesitz für die Gäste aus, doch das war Ballbesitz ohne Bedeutung, wie ein Parkplatz ohne Auto. Rodengo Saiano hingegen schoss 19 Mal aufs Tor - und das mit einer Zielstrebigkeit, die fast an Übermut grenzte. In der Pause reagierte Beyer doppelt: Cocco kam für Uffugo, Piemontese ersetzte Vegliaturo. Der Plan: Stabilität und Routine. Und er ging auf. In der 59. Minute war es der 33-jährige Antonio Cocco, der nach feinem Pass von Rechtsverteidiger Davide Castello zum 2:0 traf. Cocco, der alte Hase, drehte nach dem Tor zum Trainer und rief - laut Zeugen - "Ich bin noch nicht fertig, Jan!" Beyer grinste nur und klatschte Beifall: "Er redet nicht viel. Aber wenn, dann mit Toren." Bari-Coach (dessen Name in den offiziellen Unterlagen eigenartigerweise fehlt) stand derweil mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, die Stirn in Sorgenfalten gelegt. Seine Mannschaft blieb brav "balanced" - taktisch wie emotional. Kein Pressing, kein Aufbäumen, kein Schuss aus der zweiten Reihe. "Wir wollten ruhig bleiben", soll er nach dem Spiel erklärt haben, "aber vielleicht waren wir zu ruhig." Die Partie trudelte ihrem Ende entgegen, doch Rodengo Saiano hatte noch Lust auf einen Schlusspunkt. In der 90. Minute stürmte Mittelfeldmotor Giacomo Morabito nach Doppelpass mit Lorenzo Cerva in den Strafraum und schob überlegt zum 3:0 ein. Ein Treffer, der die ohnehin ausgelassene Stimmung endgültig explodieren ließ. Morabito sah kurz zum Himmel, dann zum Publikum, das ihn frenetisch feierte. "Ich wollte eigentlich nur Zeit schinden", lachte er später, "aber dann lag der Ball halt so schön da." Gelbe Karten? Zwei für die Heimmannschaft (Di Paolo in der 54., Morabito in der 77.) und eine späte Verwarnung für Baris Innenverteidiger Taylor Finnan in der Nachspielzeit - ein Symbol für die Frustration der Gäste. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Rodengo Saiano siegte klar mit 3:0 (1:0), erarbeitete sich fast 20 Abschlüsse und gewann 58 % seiner Zweikämpfe. Bari hatte statistisch zwar mehr Ballbesitz, aber das ist so, als würde man stolz auf die längste Wartezeit in einer Schlange sein. Coach Beyer fasste es nach dem Schlusspfiff trocken zusammen: "Wir haben nicht perfekt gespielt, aber clever. Das ist manchmal schlimmer für den Gegner." Und so verließen die Fans das Stadion mit einem breiten Grinsen und der Gewissheit, dass an diesem Abend alles gestimmt hatte - von der Taktik bis zum Timing. Bari hingegen trat die Heimreise an wie ein Team, das sich fragte, ob man im Navigationssystem vielleicht versehentlich "Freundschaftsspiel" eingegeben hatte. Ein Fazit, das bleibt: Rodengo Saiano meldet sich eindrucksvoll im Ligabetrieb an - jung, mutig, unverschämt effizient. Und irgendwo in der Kabine summte jemand leise: "So kann’s weitergehen." 10.06.643990 13:23 |
Sprücheklopfer
Wenn kein Sprit im Tank und die Birne leer ist, läuft nichts.
Rainer Calmund