Tuttosport
+++ Sportzeitung für Italien +++

Rodengo Saiano verzaubert das heimische Publikum: 3:0 gegen Venezia Unita

Ein kühler Februarabend, 5.865 Zuschauer frieren im kleinen Stadion von Rodengo Saiano - und werden mit warmen Herzen nach Hause gehen. Denn was die Elf von Trainer Jan Beyer am 4. Spieltag der 3. Liga Italien (1. Div) auf den Rasen zauberte, war eine Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit, taktischer Disziplin und einer Prise frecher Dreistigkeit. Das Ergebnis: ein klares 3:0 gegen Venezia Unita, das beinahe schmeichelhaft für die Gäste ausfiel.

Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass das Heimteam an diesem Abend etwas vorhatte. Vincenzo Cerutti, gerade mal 19 Jahre jung, prüfte nach 60 Sekunden den venezianischen Keeper Jonas Lambrechts mit einem Vollspannschuss, der das Stadion kurz aufhorchen ließ. "Ich wollte nur mal sehen, ob er wach ist", grinste Cerutti später. Er war es - aber nur für eine Weile.

Rodengo Saiano schoss aus allen Lagen: 18 Torschüsse zählte die Statistik, Venezia brachte es auf gerade einmal drei. Und doch hatten die Gäste mehr Ballbesitz (53 Prozent), was Trainer Beyer trocken kommentierte: "Sie durften den Ball haben - wir hatten die Tore."

Das erste fiel in der 37. Minute. Giacomo Morabito, der Routinier im Mittelfeld, zog aus gut 20 Metern ab, nachdem der junge Luca Cariati ihm das Leder maßgenau aufgelegt hatte. Ein Schuss wie aus dem Lehrbuch, flach in die Ecke, 1:0. Das Stadion tobte, Cariati jubelte mit geballten Fäusten - und holte sich später noch zwei Karten ab, Gelb in der 51. Minute und Gelb-Rot in der 87. "Ich hab’s wohl zu gut gemeint mit dem Einsatz", murmelte er nach Spielschluss und grinste dabei, als hätte er gerade eine Wette verloren.

Nach der Pause legte Cerutti selbst nach. In der 50. Minute verwertete er eine Hereingabe von Innenverteidiger Luca Piemontese - ja, Sie lesen richtig: ein Innenverteidiger als Vorbereiter. "Ich wollte eigentlich klären, aber der Ball blieb hängen - dann dachte ich: warum nicht?", erzählte Piemontese lachend. Cerutti bedankte sich mit einem eiskalten Abschluss ins rechte Eck: 2:0. Drei Minuten später sah Cariati Gelb, vermutlich noch im Freudentaumel.

Der dritte Streich kam in der 60. Minute, diesmal durch Alessandro Vegliaturo. Der flinke Linksaußen hatte zuvor schon mehrere Male Anlauf genommen, diesmal war er erfolgreich. Nach einem weiten Lauf und einer butterweichen Flanke von Lorenzo Montegiordano schlenzte er den Ball ins lange Eck - 3:0. Der Jubel fiel ausgelassen, aber nicht überheblich aus. "Ich hab einfach gespürt, dass heute alles passt", sagte Vegliaturo später. "Selbst der Platz war gnädig."

Danach war die Messe gelesen. Venezia Unita mühte sich, blieb aber blass. Ihr Offensivdrang war mehr Fassade als Gefahr. Ruben Sanchez versuchte es in der 28. Minute, Alessio Altilia in der 88. und Riccardo Belcastro in der Nachspielzeit - alle drei scheiterten am aufmerksamen Luigi Nicola im Tor der Gastgeber, der mit stoischer Ruhe alles wegfing, was auf ihn zukam. "Ich hatte schon schlimmere Abende", meinte der Keeper mit einem Schulterzucken.

Einziger Wermutstropfen: die Verletzung von Piemontese in der 63. Minute, die ihn zum vorzeitigen Duschen zwang. Für ihn kam der erfahrene Antonio Cocco - offiziell Stürmer, in dieser Phase eher Feuerwehrmann. "Ich wusste gar nicht, dass ich Innenverteidiger spielen kann", witzelte Cocco. "Aber solange ich das Trikot tragen darf, spiel ich auch im Tor, wenn’s sein muss."

Trainer Beyer zeigte sich nach dem Abpfiff zufrieden, aber nicht euphorisch. "Wir haben gut gespielt, ja. Aber wir dürfen nicht glauben, dass jetzt alles von allein läuft. Venezia hatte mehr Ballbesitz, und trotzdem haben wir sie laufen lassen. Das ist der Unterschied zwischen Statistik und Fußball."

Auf der anderen Seite wirkte Venedigs Coach - der in den offiziellen Unterlagen anonym geblieben ist, aber vermutlich einiges zu erklären hatte - ratlos. "Wir hatten den Ball, aber keine Idee", sagte ein Spieler, der ungenannt bleiben wollte. "Und irgendwann wünscht man sich, man wäre Gondoliere geblieben."

Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit stehenden Ovationen. Ein 3:0, das Lust auf mehr macht - und vielleicht der Beginn einer kleinen Erfolgsserie ist. Die Mischung aus jugendlichem Elan und taktischem Pragmatismus könnte Rodengo Saiano in dieser Liga noch weit bringen.

Oder, wie Giacomo Morabito es auf den Punkt brachte: "Wenn wir weiter so spielen, müssen die anderen schon sehr früh aufstehen, um uns zu schlagen."

Ein Satz, der nachklingt - und nach diesem Abend völlig glaubwürdig klingt.

03.07.643990 17:00
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