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Wenn 4.733 Zuschauer an einem frostigen Januarabend in ein Drittligastadion pilgern, dann erwarten sie Leidenschaft, Kampf - und vielleicht ein kleines Fußballmärchen. Rodengo Saiano lieferte am 14. Spieltag der 3. Liga Italien (1. Div) all das. Mit einem klaren 3:0 gegen AS Pisa schickte die junge Truppe von Trainer Jan Beyer die Gäste aus der Toskana ernüchtert auf die Heimreise. Schon nach zwölf Minuten war klar, dass hier etwas gehen könnte. Der 18-jährige Gaetano Uffugo, kaum älter als die Stadionwurst, nutzte eine feine Vorlage von Alessandro Vegliaturo eiskalt. Ein kurzer Haken, ein Schuss - 1:0! Das Publikum tobte, und Uffugo grinste später: "Ich hab einfach mal draufgehalten. Wenn du nicht schießt, triffst du auch nicht." Ein Satz, der vermutlich in der Kabine an die Tafel kommt. Pisa hingegen begann durchaus engagiert, mit leichtem Ballbesitzvorteil (50,4 Prozent), aber ohne Durchschlagskraft. Stürmer Ethan Benett versuchte es gleich dreimal in der Anfangsphase, doch entweder fehlte Präzision oder Luigi Nicola im Tor der Hausherren war zur Stelle. "Wir hatten Chancen, aber keine Eier", murmelte Benett nach dem Spiel, ehe er sich in den Bus verzog. Rodengo Saiano spielte dagegen frech, fast übermütig offensiv, wie es die taktische Marschroute "OFFENSIVE" auch versprach. Selbst Innenverteidiger Luca Piemontese schaltete sich immer wieder in den Angriff ein - und das sollte sich in der 62. Minute auszahlen. Nach einem Eckball blieb er vorne, legte den Ball clever auf Vegliaturo ab, und der junge Linksaußen drosch das Leder unter die Latte - 2:0. Trainer Beyer klatschte an der Seitenlinie, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich hab ihnen gesagt: Spielt mutig! Und sie haben’s zu ernst genommen", lachte er später in der Pressekonferenz. Pisa versuchte zu reagieren, aber die Angriffsbemühungen wirkten, als hätte man vergessen, dass man auch Tore schießen darf. Kein Pressing, kein Risiko - "BALANCED" nennt man das in der Taktik-Analyse, "zahm" nennen es die Fans. Selbst als Rodengo ab der 59. Minute mit dem 17-jährigen Ersatztorwart Igor Zunino zwischen den Pfosten stand, kam von den Gästen kaum Gefahr. In der 82. Minute dann der endgültige Knockout: Wieder war es der blendend aufgelegte Uffugo, diesmal nach einem Vorstoß von Linksverteidiger Lorenzo Montegiordano. Ein einfacher Doppelpass, ein kaltschnäuziger Abschluss - 3:0. Das Stadion sang, das Team tanzte, und Uffugo grinste schon wieder: "Vielleicht bekomm ich jetzt endlich einen Parkplatz am Stadion." Die Schlussphase war dann eher rustikal als elegant. Drei Gelbe Karten in acht Minuten für Rodengo Saiano - Roggiano, Cerva und Piemontese wollten wohl beweisen, dass sie auch defensiv zupacken können. "Ein bisschen zu viel Leidenschaft", kommentierte Trainer Beyer trocken. Doch am Ergebnis änderte das nichts. Statistisch gesehen war das Spiel ein Musterbeispiel für Effizienz: Rodengo mit zwölf Schüssen aufs Tor, Pisa mit fünf. Kaum mehr Ballbesitz, aber deutlich mehr Zug. Ein 3:0, das größer wirkt, als es die Zahlen vermuten lassen, weil die Hausherren einfach wollten - und Pisa nicht wusste, wie. Nach dem Abpfiff stand Beyer in der Mixed Zone und fasste das Ganze mit einer Mischung aus Stolz und Selbstironie zusammen: "Drei Tore, drei Gelbe, keine Verletzten - das ist für uns fast schon Champions League." Für Pisa war es dagegen ein Abend zum Vergessen. Trainerstimmen gab es keine - Gerüchten zufolge war der Bus schon auf der Autobahn, bevor die Pressekonferenz überhaupt begann. Rodengo Saiano hingegen feierte ausgelassen. Im kleinen Vereinsheim roch es nach Pizza, Schweiß und Zukunft. Man sah Jungs mit breitem Grinsen und glänzenden Augen. Einer von ihnen, der 18-jährige Cerutti, sagte leise: "Wenn wir so weitermachen, wer weiß, wo wir landen." Wer weiß das schon. Aber eines ist sicher: An diesem Abend in Rodengo Saiano war Fußball wieder das, was er manchmal sein darf - frech, jung und wunderbar unvernünftig. 18.06.643987 14:17 |
Sprücheklopfer
Einige Leute müssen hier im Hintergrund ihre Profilneurosen ausleben. Wenn dieser kleinkarierte Käse so weitergeht, dann geh' ich nach Sylt und bau' Sandburgen.
Otto Rehhagel über Querelen in der Führungsetage des FCK