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Es war ein lauer Frühlingsabend in Giulianova, aber auf dem Rasen des kleinen Stadions herrschte ein Sturm - und der kam aus Rodengo Saiano. 7000 Zuschauer erlebten am 6. Spieltag der 3. Liga Italien ein 0:4-Debakel aus Sicht der Gastgeber, das so klar war, wie es das Ergebnis vermuten lässt. Oder um es mit den Worten eines frustrierten Fans zu sagen: "Wir haben uns heute wie Verkehrshütchen gefühlt." Von Beginn an diktierte das Team von Trainer Jan Beyer das Geschehen. Während Giulianova tapfer so tat, als wolle man das Spiel gestalten, rollte Angriff um Angriff der Gäste auf das Tor von Maximilian Decker zu. Schon nach zwei Minuten musste der Torwart beim Schuss von Giorgio Bianchi blitzschnell reagieren - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Giulianova versuchte mit mutiger, offensiver Ausrichtung gegenzuhalten, doch Ballbesitz (44 Prozent) und nur vier Torschüsse waren das magere Resultat. Rodengo Saiano spielte dagegen mit chirurgischer Präzision: 19 Abschlüsse, 56 Prozent Ballbesitz und den Eindruck, als könnten sie auch nachts um drei noch Tore schießen. Das erste fiel in der 35. Minute - und wie! Alessandro Vegliaturo, 22, der links vorne wirbelte, zog von der Seite in die Mitte, schaute kurz auf und versenkte den Ball trocken ins lange Eck. Trainer Beyer lachte später: "Er hat das trainiert - allerdings eigentlich für die andere Ecke." Nur fünf Minuten später stand wieder Vegliaturo im Mittelpunkt. Nach einem butterweichen Pass von Luca Cariati drehte er sich einmal um die eigene Achse und schob zum 0:2 ein. Giulianovas Abwehr stand da wie eingefroren - vermutlich weil sie selbst nicht glauben konnten, dass jemand so elegant treffen kann. Und weil aller guten Dinge drei sind, kam kurz vor der Pause auch noch Gaetano Uffugo zu seinem großen Moment. Wieder Cariati als Vorbereiter, und Uffugo schlenzte aus 16 Metern zum 0:3. Pausenpfiff. Einige Fans von Giulianova verließen da schon kopfschüttelnd das Stadion - andere blieben, vielleicht aus Neugier, ob’s noch schlimmer kommen würde. In der Kabine muss es laut geworden sein. "Ich habe den Jungs gesagt, dass sie mutiger spielen sollen", verriet Giulianovas Trainer (der sich nach Abpfiff weigerte, seinen Namen in die Notizblöcke zu diktieren). Mutiger wurde es kurzzeitig: Luigi Brambilla (64.) und Alberto Romaniello (65.) prüften den Rodengo-Keeper Igor Zunino, der aber alles hielt, was auf ihn zukam - was, ehrlich gesagt, nicht allzu viel war. Rodengo Saiano spielte derweil weiter, als sei das Ergebnis noch unentschieden. In der 81. Minute machte Vegliaturo seinen Hattrick perfekt. Nach Vorarbeit von Vincenzo Cerutti traf er eiskalt zum 0:4. Der Jubel war groß, der Applaus der mitgereisten Fans laut - und der Rest war Schaulaufen. Jan Beyer blieb auch nach dem Spiel bescheiden: "Wir hatten heute viele gute Momente, aber das war nicht perfekt. Alessandro hat drei Tore, aber auch zweimal den Ball verloren. Da ist noch Luft nach oben." Vegliaturo grinste daneben: "Wenn ich beim nächsten Mal vier mache, ist er dann zufrieden?" Bei Giulianova herrschte hingegen betretenes Schweigen. Nur Christian Amaroni, der schon in der dritten Minute Gelb gesehen hatte, wagte eine ehrliche Analyse: "Wir waren heute einfach zu brav. Vielleicht hätten wir uns mal gegenseitig wachrütteln müssen - oder wenigstens den Gegner." Statistisch war’s eindeutig: 56 Prozent Ballbesitz für Rodengo, 19:4 Schüsse aufs Tor, und eine Zweikampfquote, die eher einem Trainingsspiel als einem Ligaduell glich. Die Gäste agierten fast ohne Pressing, aber mit traumwandlerischer Sicherheit im Passspiel. Giulianova dagegen wirkte, als habe man die Taktiktafel mit Sudoku verwechselt. In der 79. Minute gönnte sich Beyer den Luxus, seinen jungen Keeper Zunino durch Routinier Niccolò Argusto zu ersetzen - wohl als Belohnung für dessen gutes Verhalten auf der Bank. Das Publikum quittierte es mit einem ironischen "Bravo!", und selbst der Stadionsprecher konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Nach 94 Minuten war Schluss, und Schiedsrichter wie Zuschauer schienen gleichermaßen erleichtert. "Das war kein Spiel, das man zweimal sehen muss", murmelte ein Ordner beim Ausgang. Fazit: Rodengo Saiano spielte wie ein Aufstiegsfavorit, Giulianova wie ein Team, das seine Hausaufgaben vergessen hat. Drei Tore von Vegliaturo, eines von Uffugo - mehr muss man über die Kräfteverhältnisse dieses Abends nicht wissen. Und während die Sonne über der Adria unterging, fragte sich so mancher Giulianova-Fan, ob man wenigstens im Rückspiel ein bisschen Wiedergutmachung betreiben kann. Ein Trost bleibt: Schlechter kann’s kaum laufen. Und manchmal ist ja auch das schon eine gute Nachricht. 08.01.643994 09:13 |
Sprücheklopfer
Ich habe mit Erich Ribbeck telefoniert, und er hat zu mir gesagt, ich stehe für die Maltareise nicht zur Verfügung.
Andreas Möller