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Es war ein kalter Januarabend in Eindhoven, aber die 43.500 Zuschauer im ausverkauften Stadion dürften schnell vergessen haben, dass es überhaupt Winter ist. Denn das, was PVC Eindhoven und der FC Den Haag am 6. Spieltag der 1. Liga Niederlande boten, war ein munteres Hin und Her zwischen Angriffslust, Verzweiflung und einem gewissen Maß an italienischer Kaltschnäuzigkeit. Am Ende stand ein 2:1 für die Gastgeber - verdient, aber nicht ohne Dramatik. Trainer Markus Frey hatte seine Mannschaft wie gewohnt offensiv ausgerichtet. "Wir wollten zeigen, dass man auch mit langen Bällen schön spielen kann", grinste er nach dem Spiel, während er mit einer Mischung aus Stolz und Erleichterung auf seinen Doppeltorschützen Giuseppe Romagnoli zeigte. Der 30-jährige Mittelstürmer erlegte Den Haag quasi im Alleingang - und zwar mit der Präzision eines Uhrmachers. Schon in der 35. Minute hatte Romagnoli genug von all den halbgaren Chancen seiner Kollegen. Nach einer Flanke von links, die irgendwo zwischen Verzweiflung und Zufall pendelte, traf er aus kurzer Distanz zur 1:0-Führung. "Ich habe einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass der Ball mich findet", scherzte Romagnoli später in der Mixed Zone. Offenbar hat der Ball zugehört. Eindhoven dominierte die erste Halbzeit deutlich - 18 Torschüsse im gesamten Spiel, neun allein in den ersten 45 Minuten. Den Haag dagegen suchte noch nach einer Idee, wie man das Spielgerät länger als drei Pässe behalten könnte. Immerhin: Das Ballbesitzverhältnis von fast 50:50 täuschte über die Tatsache hinweg, dass Eindhoven mit jeder Aktion gefährlicher wirkte. Nach dem Seitenwechsel brachte Frey frische Beine: Der 18-jährige Garritt van Schoonhoven ersetzte seinen fast gleichaltrigen Kollegen Vincent Lansing auf der linken Abwehrseite - Jugend forscht eben. "Die Jungs sind nervös, klar. Aber sie haben keine Angst", meinte Frey. Und tatsächlich: Van Schoonhoven wirkte, als hätte er schon zwanzig dieser Spiele hinter sich. In der 55. Minute wechselte auch Den-Haag-Coach Bronco Capone doppelt. Archie McGowan und Onur Ates kamen ins Spiel - und plötzlich ging ein Ruck durch die Mannschaft. In der 62. Minute war es dann soweit: Alessandro Lago, bisher eher unauffällig, traf nach Vorlage von William Kirkwood zum 1:1-Ausgleich. Ein sehenswerter Angriff über rechts, der erstmals zeigte, dass Den Haag ebenfalls Fußball spielen kann. Doch die Freude der Gäste hielt exakt 60 Sekunden. Direkt nach dem Anstoß konterte Eindhoven über den jungen Ignacio Postiga, der Romagnoli mit einem perfekten Pass in Szene setzte. Der Italiener blieb eiskalt - 2:1 in der 63. Minute, und das Stadion explodierte. "Ich hatte gerade aufgehört zu jubeln, da mussten wir wieder anfangen", grinste Torwart Jan Groat später, der das Spiel aus der anderen Perspektive beobachtete. Von da an war es ein offener Schlagabtausch: Den Haag drückte, Eindhoven konterte, und irgendwo dazwischen versuchte der Schiedsrichter, das Chaos zu ordnen. Toni Uusimäki prüfte Groat gleich dreimal (65., 74., 87.), aber der Keeper blieb standhaft. Eindhoven hingegen hätte durch Romagnoli (86.) und Houghtailing (94., 96.) alles klar machen können, verpasste aber die endgültige Entscheidung - sehr zum Leidwesen der Fans, die schon mehrfach zum "Jetzt-mach’s-doch"-Chor ansetzten. In der Nachspielzeit wurde es dann noch einmal wild. Bronco Capone warf alles nach vorne, selbst die Ersatzbank schien kurz davor, auf den Platz zu laufen. "Wir hatten das Gefühl, dass wir noch einen Punkt stehlen könnten", sagte Capone, "aber die Uhr war eindeutig gegen uns." Statistisch betrachtet war es ein Duell auf Augenhöhe: 50 Prozent Ballbesitz für Eindhoven, 49,9 für Den Haag. Doch die Zahlen verschleiern, dass die Hausherren aggressiver, zielstrebiger und schlicht effektiver waren. Ihre Zweikampfquote von 53,4 Prozent spricht eine klare Sprache - und Romagnolis Torquote sowieso. Als Schiedsrichter van den Broek schließlich abpfiff, fielen sich die Eindhoven-Spieler in die Arme, während Den Haag mit leerem Blick in die kalte Nacht starrte. "So ist Fußball", murmelte Capone, "manchmal verlierst du das Spiel in einer Minute." Und so bleibt Eindhoven nach diesem 2:1-Sieg in der Spur, während Den Haag weiter auf den ersten Auswärtserfolg hofft. Im Stadion hallte noch lange der Name Romagnoli durch die Ränge - jener Mann, der mit zwei Treffern und einem verschmitzten Lächeln den Unterschied machte. Vielleicht hat Trainer Frey es am besten zusammengefasst: "Wir haben nicht immer schön gespielt, aber manchmal ist schön auch überbewertet." Recht hat er. Punkte zählen - und die blieben an diesem Abend verdient in Eindhoven. 17.03.643987 22:59 |
Sprücheklopfer
Wir haben einen Hund zu Hause, der ist acht Wochen alt. Der hat am letzten Sonntag völlig verstört unter dem Sofa hervor geschaut. Denn als Bremen in Dortmund das 3:1 erzielt hat, habe ich einen Schrei losgelassen, dass die Wände wackelten.
Uli Hoeneß