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Römer rockt Carouge - Luzern siegt mit Dreierpack im Wintersturm

Ein kalter Januarabend, 38.030 Zuschauer im Stade de la Fontenette - und ein Roger Römer, der offenbar beschlossen hatte, den SC Carouge eigenhändig in die Winterpause zu schießen. Mit einem lupenreinen Hattrick in nur 13 Minuten (30., 40., 43.) führte der 22-jährige Linksaußen Blau-Weiss Luzern zu einem 3:1-Auswärtssieg, der so deutlich war, wie das Ergebnis klingt - zumindest in der ersten Halbzeit.

Dabei hatte Carouge-Trainer Stefan Häusler vor Anpfiff noch betont, man wolle "mutig nach vorne spielen". Und mutig waren sie, das kann man ihnen nicht absprechen - allerdings auch etwas naiv. Während die Gastgeber mit 52 Prozent Ballbesitz zwar die Feldkontrolle beanspruchten, wirkten sie im letzten Drittel so harmlos wie ein eingeschneiter Gartenzwerg. "Wir hatten den Ball, aber sie hatten die Tore", brummte Häusler nach dem Spiel, "das ist ein schlechtes Tauschgeschäft."

Blau-Weiss Luzern dagegen spielte schnörkellos und direkt, wie von Trainer Reinhard Wild gefordert. "Lange Bälle, hohe Flanken, und dann hoffen, dass Roger sie findet", grinste der Coach später - und genau das tat Römer. In der 30. Minute setzte Joseph Wendt über links zum Sprint an, flankte halbhoch in den Strafraum, und Römer drosch die Kugel mit links ins lange Eck. Zehn Minuten später ein fast identischer Angriff über Ilias Chalbinski, und kurz vor der Pause besorgte Julien Achard mit einem Pass in die Tiefe den dritten Streich: Römer blieb eiskalt, Carouge blieb konsterniert.

"Ich hab gar nicht gemerkt, dass es drei waren", sagte Römer hinterher schüchtern, "ich wollte eigentlich nur ein Tor schießen, um meine Oma stolz zu machen." Die Oma dürfte zufrieden gewesen sein - und die Luzerner Fans sowieso, die ihren neuen Goalgetter in der Schlussphase mit Sprechchören feierten.

SC Carouge kam erst nach dem Seitenwechsel besser ins Spiel. Kaum hatte Schiedsrichter Favre die zweite Halbzeit angepfiffen, da blitzte kurz Hoffnung auf: Paulo Gomez steckte wunderbar auf den 18-jährigen Joseph Bourgeois durch, der in der 46. Minute den Anschlusstreffer markierte. "Ich dachte, das wird jetzt unser Comeback", erzählte Bourgeois später, "aber dann haben wir irgendwie vergessen, dass man dazu noch zwei Tore braucht."

Carouge drückte, kombinierte gefällig, kam auf acht Torschüsse, während Luzern insgesamt sechzehn verzeichnete. Doch jedes Mal, wenn Philippe Turcotte oder Bourgeois abschlossen, stand Lasse Rauch im Luzerner Tor goldrichtig. Der Keeper, sonst eher unauffällig, glänzte diesmal mit sicherem Stellungsspiel und einem Reflex in der 80. Minute, als Turcotte aus kurzer Distanz abzog - Rauch riss die Faust hoch und hielt. "Reflex oder Panik, ich weiß es selbst nicht", lachte der Torwart später.

Kurios wurde es in der 35. Minute, als Luzerns Piotr Chawanow nach einem Zweikampf verletzt liegen blieb. Während die Betreuer auf den Platz stürmten, forderte Trainer Wild schon Ersatz: "Barros, warmmachen! Und zwar schnell - sonst mach’ ich’s selbst!" Keine zwei Minuten später stand Daniel Barros auf dem Feld, und prompt drehte Römer richtig auf. Man könnte fast meinen, diese Einwechslung sei der entscheidende taktische Kniff gewesen.

An der Seitenlinie gestikulierte Häusler derweil wild, forderte mehr Aggressivität - und bekam in der 59. Minute immerhin eine Gelbe Karte für seinen Rechtsverteidiger James Nicksay als Antwort. "Ich wollte, dass wir mehr Biss zeigen. Nicksay hat mich wohl zu wörtlich genommen", kommentierte der Trainer trocken.

Taktisch blieb Carouge offensiv ausgerichtet, doch ohne Durchschlagskraft. Luzern dagegen spielte weiter auf Konter, blieb gefährlich über die Flügel und hätte durch Giuliani oder Chalbinski noch erhöhen können. Doch das Aluminium und Torwart Dobias verhinderten Schlimmeres.

Als Schiedsrichter Favre nach 90 Minuten abpfiff, fiel Römer seinem Trainer in die Arme. "Das war sein Spiel", sagte Wild stolz. "Manchmal muss man einfach zusehen, wie ein junger Spieler explodiert." Auf der anderen Seite stand Häusler mit verschränkten Armen da und murmelte: "Wenn der Junge so weitermacht, explodieren bald auch unsere Defensivstatistiken - nach unten."

Ein verdienter Sieg also für Luzern, das mit nun sechs Punkten aus vier Spielen auf Kurs bleibt. Für Carouge dagegen wird’s ungemütlich: Nur ein Sieg, eine Menge Fragen - und die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt.

Am Ausgang des Stadions sagte ein Fan resigniert: "Wir hatten mehr Ball, sie mehr Tore. Tja - Fußball." Treffender kann man’s kaum zusammenfassen.

22.02.643987 20:38
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