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Es war ein lauer Maiabend in Rehden, 2830 Zuschauer hatten sich zum 21. Spieltag der Verbandsliga D eingefunden - und sie bekamen ein Spiel, das zunächst nach Schlafmittel roch und am Ende doch ein Feuerwerk entfachte. Eintracht Northeim besiegte den BSV Rehden mit 3:1 (0:0), und ein gewisser Lionel Ronaldo - ja, der Name ist Programm - stahl allen die Show mit einem lupenreinen Hattrick innerhalb von 27 Minuten. Dabei hatte Rehden eigentlich alles im Griff. 55 Prozent Ballbesitz, 11 Torschüsse, gepflegter Kombinationsfußball - das sah eine Halbzeit lang so aus, als hätte jemand die Northeimer in den Bus geschickt, bevor das Spiel anfing. Trainer Tim Picke, sonst ein Mann der klaren Worte, wirkte in der Pause erstaunlich ruhig. "Ich hab den Jungs gesagt: Ihr dürft den Ball auch mal länger behalten als zwei Sekunden", schmunzelte er später. Die zweite Halbzeit begann dann, als hätte Northeim plötzlich Koffein intravenös bekommen. In der 52. Minute setzte sich Max Bartsch auf der rechten Seite durch, flankte halbhoch in die Mitte, wo Lionel Ronaldo lauerte. Ein Drehschuss, ein kurzer Jubel, ein erstauntes Raunen auf der Haupttribüne: 0:1. Rehden wackelte, aber fiel nicht - noch nicht. In der 66. Minute kam wieder Ronaldo, diesmal nach einer weiten Hereingabe von Günter Witte. Der junge Stürmer nahm den Ball mit der Brust an, drehte sich, und schob ihn überlegt ins Eck. "Ich dachte kurz, ich bin in einem Videospiel", stöhnte Rehdens Torwart Marvin Hanke später. "Der Junge schießt aus jeder Lage, und immer so, dass ich nur hinterhergucken kann." Nur eine Minute später keimte Hoffnung auf. Niels Benz spielte einen cleveren Pass in den Lauf von Helmut Neumann, der Routinier zog ab und traf zum 1:2. Das Stadion erwachte, Bierbecher flogen, irgendjemand rief: "Jetzt geht’s los!" - aber es ging eben nicht. Denn Northeim blieb unbeeindruckt. In der 79. Minute machte Ronaldo das, was Ronaldo eben macht: Tore. Nach Vorarbeit von Karl Paul schlenzte er den Ball ins lange Eck, als wolle er die Gesetze der Physik widerlegen. 3:1, Hattrick komplett, Spiel entschieden. Rehdens Coach (dessen Gesicht nach Abpfiff so rot war wie das Vereinslogo) fand nur zögerlich Worte: "Wir haben eigentlich nicht schlecht gespielt. Aber wenn einer drei Tore macht, wird’s halt schwierig." Ganz falsch lag er damit nicht. Seine Mannschaft hatte mehr Ballbesitz, mehr Pässe, aber weniger Effizienz. Northeim schoss 15-mal aufs Tor, Rehden 11-mal - und die Statistik lügt bekanntlich selten. Zwischendurch gab’s kleine Szenen fürs Herz. In der 83. Minute rief Rehdens Peter Ebert nach einem vergebenen Schuss Richtung Mitspieler: "Ich brauch neue Schuhe, die hier zielen daneben!" - woraufhin ein Fan von der Tribüne zurückrief: "Die Schuhe sind nicht das Problem!" Gelächter auf allen Seiten, abgesehen von der Rehdener Bank. Tim Picke war nach dem Spiel in Plauderlaune: "Lionel ist 20, manchmal vergisst er, dass er nicht Cristiano ist - aber heute darf er sich so fühlen." Der gefeierte Dreifachtorschütze selbst grinste breit, als er gefragt wurde, ob er das schon mal geschafft habe. "Nur auf der Playstation", sagte er, "aber da war’s einfacher, weil keiner versucht hat, mir die Beine wegzuziehen." Für Rehden bleibt die Erkenntnis: schöner Fußball allein gewinnt keine Spiele. Für Northeim hingegen war es der Beweis, dass junge Wildheit und unbändige Angriffslust auch in der Verbandsliga Wunder wirken können. Als die Sonne über dem Rehdener Stadion unterging, packte ein älterer Zuschauer seine Klappbank zusammen und murmelte: "Drei Tore von einem Ronaldo - das hab ich auch noch nicht gesehen." Und man konnte ihm kaum widersprechen. Vielleicht erzählt man in Northeim in ein paar Jahren noch von diesem Mittwochabend, als ein 20-jähriger Stürmer mit großem Namen und noch größerem Selbstvertrauen einen ganzen Gegner zur Statistenrolle degradierte. Und vielleicht denkt Rehden dann mit einem kleinen Schmunzeln daran, dass Fußball manchmal eben kein Spiel der Logik ist, sondern der Momente. Oder, wie Ronaldo es später trocken formulierte: "Manchmal fliegt der Ball halt einfach rein." (Word count: ca. 610) 08.02.644000 10:13 |
Sprücheklopfer
Wichtig ist, dass wir auch kämpferisch überzeugen und nicht nur Eiskunstlaufen machen.
Rainer Calmund