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Rothes Speysiders siegen mit nur einem Schuss - und viel Glück

Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die wie ein schlechter Witz beginnen: 22 Torschüsse gegen einen - und der eine reicht zum Sieg. Genau so geschehen am Samstagabend in Rothes, wo die Speysiders vor 20.000 verblüfften Zuschauern Selkirk Athletic mit 1:0 bezwangen. Ein Ergebnis, das man sich zwei Mal durchlesen muss, um es zu glauben.

Der Held des Abends heißt Cameron Elliot - ausgerechnet ein Innenverteidiger. In der 19. Minute stieg er nach einer butterweichen Flanke von John Matheson am höchsten, köpfte wuchtig Richtung Tor, und ehe sich Selkirk-Keeper Joao Velez sortieren konnte, zappelte der Ball im Netz. Es war der erste und gleichzeitig einzige Schuss der Speysiders, der überhaupt auf das Tor kam. Trainer, Fans und wahrscheinlich auch der Ball selbst konnten ihr Glück kaum fassen.

"Ich dachte ehrlich, das sei eine Ecke", grinste Torschütze Elliot nach Abpfiff, während er noch die Grasnarbe von seinem Trikot klopfte. "Als ich gesehen hab, dass er drin ist, hab ich mich kurz gefragt, ob jemand das Netz vorher manipuliert hat."

Danach folgte ein 70-minütiges Belagerungsspiel der Gäste - eine Mischung aus Geduld, Verzweiflung und Slapstick. Selkirk Athletic feuerte aus allen Lagen, insgesamt 22 Mal, aber entweder parierte der glänzend aufgelegte Torwart Jamie MacQuarrie, oder der Ball flog in die schottische Nacht.

Trainer Jan Moese von Selkirk war nach dem Schlusspfiff sichtlich bemüht, die Fassung zu wahren. "Wenn Ballbesitz und Schüsse Punkte gäben, hätten wir heute die Liga gewonnen", knurrte er, bevor er den vierten Reporter in Folge darauf hinwies, dass "Effizienz auch eine Tugend" sei.

Effizienz - das Zauberwort des Abends. Denn während die Gäste offensiv agierten, mit Kurzpassspiel durch die Mitte und unermüdlichem Pressing, standen die Rothes Speysiders tief, kompakt und erstaunlich gelassen. Ihre Taktik? "Beten und hoffen", witzelte Kapitän Matheson später. "Und ein bisschen verteidigen natürlich."

Die Statistik liest sich wie ein schlechter Scherz: 50,6 Prozent Ballbesitz für Rothes - also beinahe ausgeglichen -, aber eine Zweikampfquote von nur 41 Prozent. Selkirk war aggressiver, schneller und kreativer, doch das Tor blieb wie verhext. Besonders Adam Morrison und Michele Di Giovanni dürften noch heute Nacht von ihren vergebenen Chancen träumen: zweimal frei vor MacQuarrie, zweimal der pure Frust.

In der 55. Minute gab es immerhin ein Lebenszeichen in Form einer gelben Karte - Selkirks Alexander Moffat grätschte mehr den Rasen als den Gegner. Später sah auch Innenverteidiger Edward Forbes Gelb, vermutlich aus Solidarität. Trainer Moese kommentierte trocken: "Wenn wir schon nichts treffen, dann wenigstens den Gegner."

Die zweite Halbzeit war ein einziger Belagerungszustand. Die Gäste wechselten jung und wild: Der 17-jährige Gabriel Duncan kam, rannte, schoss - und scheiterte. "Ich dachte, ich wär Ronaldo", lachte der Teenager später, "aber offenbar war ich nur Duncan."

Rothes dagegen verteidigte mit der Inbrunst eines Mannschaftsbusses, der sich vor das Tor stellt und den Schlüssel wegwirft. Jede abgefälschte Flanke wurde gefeiert wie ein Treffer, jeder Befreiungsschlag bejubelt, als wäre es der Pfiff zum Titel. Trainer der Speysiders - der in den offiziellen Daten nicht namentlich erwähnt wird, aber vermutlich noch immer lacht - gestand anschließend: "Wir wollten kompakt stehen. Dass es SO kompakt wird, war allerdings nicht geplant."

Als der Schiedsrichter nach 90 Minuten endlich abpfiff, brach in Rothes Jubel aus, der irgendwo zwischen Erleichterung und Ungläubigkeit pendelte. 1:0 - und mit diesem Ergebnis klettern die Speysiders in der Tabelle nach oben, während Selkirk sich fragen muss, ob man für verpasste Chancen auch Punkte abziehen kann.

Zum Abschied sagte Torwart MacQuarrie, der sich mit Glanzparaden unsterblich machte: "Ich hatte heute mehr zu tun als an Weihnachten im Einkaufszentrum. Aber manchmal reicht eben ein guter Abend und ein bisschen Glück."

Damit bleibt festzuhalten: Fußball ist eben kein Statistikspiel. Manchmal ist ein einziger Schuss alles, was man braucht - vorausgesetzt, man trifft. Und in Rothes wird man diesen einen Treffer wohl noch lange feiern.

11.02.643987 11:18
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