Voetbal International
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Rotterdam kämpft sich in letzter Sekunde zum 3:3 gegen Capelle

Ein lauer Winterabend im Januar, 38.677 Zuschauer im Stadion, Flutlicht, Spannung - und ein Spiel, das niemand so schnell vergessen wird. SBV Rotterdam und Capelle trennten sich am 7. Spieltag der 1. Liga Niederlande nach 94 turbulenten Minuten 3:3 (1:2). Wer zu spät kam, verpasste ein Feuerwerk in den ersten zwanzig Minuten - und wer zu früh ging, der verpasste die Explosion am Ende.

Capelle begann wie entfesselt. Schon nach acht Minuten klingelte es im Kasten der Hausherren: Vitorino Tellez, der flinke Flügelflitzer, schob nach Vorarbeit von Predrag Komljenovic eiskalt ein. Rotterdam wirkte überrascht, fast beleidigt. Trainer Kersten Rittner rief von der Seitenlinie: "Das war kein Trainingsspiel, Männer!" - nur gehört hat ihn offenbar niemand. Elf Minuten später folgte die nächste kalte Dusche. Joshua Silvestre, zentraler Mittelfeldmann mit Hang zum Spektakel, nahm sich ein Herz und verwandelte nach einer weiteren Vorlage Komljenovics zum 0:2.

Die Heimfans rieben sich die Augen. Zwei Gegentore nach nicht einmal 20 Minuten? Doch Richard Bencik hatte etwas dagegen. In der 23. Minute traf der rechte Mittelfeldspieler nach Vorlage des quirligen Vitor Allegri zum 1:2 und brachte wieder Leben in die Partie. "Ich dachte mir: Wenn’s keiner macht, mach ich’s halt", grinste Bencik nach dem Spiel, noch mit Grasflecken auf der Stirn.

Rotterdam drückte nun, hatte Chancen - 15 Schüsse aufs Tor insgesamt sprechen eine deutliche Sprache. Capelle hielt mit 9 Abschlüssen dagegen, wirkte aber effizienter. Bis zur Pause blieb es beim 1:2, auch weil Capelles Torwart Yves Fricke zweimal glänzend parierte.

Zur zweiten Halbzeit schickte Rittner sein Team noch offensiver aufs Feld. Und das zahlte sich sofort aus: Keine 60 Sekunden waren gespielt, da bediente Logan Edgecomb seinen Stürmer Ebbe Villadsen mustergültig - und der 33-Jährige drosch den Ball humorlos in die Maschen. 2:2, das Stadion tobte. "Ich hab ihn einfach mal durchgezogen", sagte Villadsen später trocken.

Doch Capelle wäre nicht Capelle, wenn sie sich davon beeindrucken ließen. In der 71. Minute traf Manuel Derlei nach einem langen Ball von Ruben Waldo zum 3:2 für die Gäste. Rittner warf die Arme in die Luft, Jänike - Capelles Trainer - grinste. "Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff", meinte er später, "aber Fußball ist halt keine Excel-Tabelle."

Dann kam die Nachspielzeit. Rotterdam hatte längst auf volles Risiko gestellt, mit Pressing und starkem Einsatz. Und tatsächlich: In der 94. Minute war es Emil Petersen, der sich ein Herz fasste. Nach einem Pass von Ansgar Eriksen setzte er den Ball flach ins lange Eck - 3:3! Der Jubel war ohrenbetäubend, Rittner rannte die Seitenlinie entlang, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich wusste, dass Emil irgendwann explodiert", sagte er später mit einem Schmunzeln.

Capelles Spieler hingegen standen wie vom Donner gerührt. Einen Moment lang schien es, als wolle Jänike den Schiedsrichter um Nachspielzeitverkürzung bitten. Stattdessen schüttelte er später fair die Hand seines Kollegen und meinte: "So ist Fußball. Erst denkst du, du hast’s, und dann holt dich der Fußballgott auf den Boden."

Das Spiel bot alles, was man von einem Freitagabendkrimi erwarten darf: frühe Tore, gelbe Karten (vier an der Zahl), eine Verletzung (Sean Chamberlain humpelte nach 80 Minuten vom Platz) und taktische Wechsel auf beiden Seiten. Rittner brachte in der 50. Minute frische Beine - Kruse und Holmqvist - und setzte so noch einmal ein Zeichen. Capelle wechselte defensiver, um das Ergebnis zu halten. Es half nichts.

Statistisch gesehen war Capelle leicht überlegen im Ballbesitz (52 zu 48 Prozent), doch Rotterdam gewann mehr Zweikämpfe - 53 Prozent der Duelle gingen an die Hausherren. Und das spiegelte sich auch im Charakter des Spiels wider: Kampf, Leidenschaft, und ein unbändiger Wille, sich nicht geschlagen zu geben.

Nach Abpfiff standen die Fans minutenlang, applaudierten beiden Teams. "So ein 3:3 fühlt sich an wie ein Sieg", sagte Petersen und grinste breit. Jänike hingegen murmelte in Richtung seiner Ersatzbank: "Wenn wir nur fünf Minuten weniger gespielt hätten…"

Ein Spiel, das keine Sieger, aber viele Helden hatte. Und eines, das wieder einmal bewies, warum man den Fußball liebt - oder manchmal verflucht.

Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "Ich wollte eigentlich früh ins Bett. Jetzt brauch ich erst mal ’nen Schnaps."

29.03.643987 13:55
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