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Ein lauer Maiabend, Flutlicht, 6094 Zuschauer und der Beginn einer neuen Saison in der Regionalliga B - was will man mehr? Vielleicht ein Tor. Daran hapert es allerdings beim 0:0 zwischen Rot-Weiß Halle und FK Pirmasens. Es war ein Spiel, das alles bot - außer Zählbares auf der Anzeigetafel. Von Beginn an setzte Halles Trainer Luis Muriel auf Offensive. Seine junge Truppe stürmte los, als wolle sie sämtliche Sommerpausen-Lethargie mit einem Schlag abschütteln. Schon nach sieben Minuten feuerte Innenverteidiger Pinchas Katan (!) den ersten Warnschuss Richtung Gästetor. "Ich dachte, warum sollen immer nur die Stürmer schießen?", grinste Katan nach dem Spiel. Der Ball flog über den Fangzaun, aber der Wille war da. Pirmasens-Coach Gudrun Schweitzer hatte ihrem Team offenbar eingeschärft, dass man in Halle nur überlebt, wenn man sich hinten einigelt wie ein Igel im November. "Wir wollten kompakt bleiben", erklärte sie, "und hoffen, dass vorne einer reinrutscht." Nun, er rutschte nicht. Halle dominierte, 51 Prozent Ballbesitz, 22 Torschüsse - die Statistik sprach Bände. Aber jedes Mal, wenn der Ball gefährlich wurde, stand ein Pirmasenser Bein, Kopf oder Torwart Lucas Grantham im Weg. Besonders der 18-jährige Luke Farnsworth trieb die Defensive der Gäste zur Verzweiflung. Zwischen der 21. und 74. Minute feuerte der Linksaußen gleich siebenmal aufs Tor - ohne Erfolg. "Langsam dachte ich, das Ding ist verhext", stöhnte er später. "Oder der Ball mag mich nicht." In der 34. Minute kam erstmals Bewegung auf die Pirmasenser Bank: Ulf Eriksen, der kurz zuvor Gelb gesehen hatte, musste runter - offiziell wegen einer taktischen Umstellung, inoffiziell wohl auch, weil Trainerin Schweitzer genug Nerven gelassen hatte. Für ihn kam Samuel Reid, der sich gleich mit beherzten Grätschen einführte. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Halle rannte, Pirmasens lauerte. Leon Warriner prüfte Grantham in der 42. Minute, Adriano Molina drosch in der 57. Minute den Ball über die Latte, Werner Pan schoss in der 61. Minute aus zehn Metern - wieder Grantham. Der Keeper, erst 22, wurde zum stillen Helden des Abends. "Ich habe einfach versucht, groß zu wirken", sagte er schmunzelnd. "Das hat wohl funktioniert - ich bin ja auch 1,94." Pirmasens hingegen setzte auf schnelle Gegenstöße, meist über den agilen Noah Specht, der nach der Pause eingewechselt wurde. In der 89. Minute hatte er sogar den Sieg auf dem Fuß, doch sein Schuss landete in den Armen von Mümtaz Kas. Der junge Hallenser Keeper wurde selten geprüft, war aber da, wenn er gebraucht wurde. Die letzte Szene des Spiels sorgte dann doch noch für Gesprächsstoff: In der 93. Minute sah Halles Rechtsverteidiger Manuel Gomes die Rote Karte nach einem übermotivierten Einsteigen. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte er, während er vom Platz trottete. Muriel nahm es mit Galgenhumor: "Wenn man so oft auf das Tor schießt und nicht trifft, dann muss man halt irgendwo anders treffen." Nach dem Schlusspfiff blieb das Gefühl, dass Rot-Weiß Halle zwei Punkte verloren hatte, während Pirmasens einen gewann. "Ich bin stolz auf die Jungs", sagte Schweitzer, "das war Abwehrarbeit mit Seele." Muriel hingegen sprach von "einem Lehrstück in Geduld" und versprach: "Nächste Woche üben wir aufs leere Tor - ohne Torwart, ohne Gegenspieler. Vielleicht klappt’s dann." Die Zuschauer jedenfalls gingen nicht unzufrieden nach Hause. Sie hatten ein intensives Spiel gesehen, junge Wilde aus Halle, die mehr wollten, und Pirmasenser, die mit Zähnen und Klauen verteidigten. Und irgendwo in der Abendluft lag der unausgesprochene Gedanke, dass dieser Auftakt vielleicht kein Spektakel, aber immerhin ein Versprechen war: Wenn Halle so weitermacht, wird es bald auch Tore geben. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn’s nächste Woche wieder 0:0 steht, bestell ich mir ’nen Torjubel auf Band." Ein Punkt für Pirmasens, viele Chancen für Halle - und ein Spiel, das keiner so schnell vergisst, obwohl kein Ball im Netz zappelte. Das ist Fußballromantik in ihrer reinsten, manchmal grausamsten Form. 11.08.644000 15:42 |
Sprücheklopfer
Bei uns wird auf dem Platz zu wenig gesprochen. Das könnte an der Kommunikation liegen.
Erich Ribbeck