Außenseiter
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Rot-Weiss Essen fegt Kickers Perl mit 4:0 vom Platz

Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 3270 Zuschauer im Stadion an der Hafenstraße - und eine Mannschaft, die alles andere als kalte Füße hatte: Rot-Weiss Essen zeigte beim 4:0 (3:0) gegen die Kickers Perl, dass jugendlicher Elan manchmal besser wirkt als jede Taktiktafel. Trainer Luca Orlando grinste nach dem Schlusspfiff: "Ich hab den Jungs gesagt: Spielt Fußball, nicht Schach. Offenbar haben sie’s wörtlich genommen."

Von der ersten Minute an war klar, wer hier Chef im Ring ist. Schon in der 5. Minute klingelte es zum ersten Mal: Sadun Dursun, der 19-jährige Wirbelwind auf der rechten Seite, zog nach feinem Zuspiel von Eduard Iwanow ab - flach, präzise, unhaltbar. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Dursun später, "und gehofft, dass der Ball nicht im Parkplatz landet." Tat er nicht. Stattdessen zappelte er im Netz, und Essen führte 1:0.

Die Kickers Perl, mit einem Altersdurchschnitt, der eher nach Altherrenrunde klang, als nach Oberliga, wirkten konsterniert. Während Perls Trainer (dessen Name sich in den Statistiken verdächtig nicht finden lässt - vielleicht wollte er nach dieser Partie lieber anonym bleiben) wild gestikulierte, rollte die nächste Angriffswelle. In der 15. Minute durfte Miguel Travassos zum ersten Mal in seiner jungen Karriere den Oberliga-Flair genießen: Nasreddin Sentürk flankte, Travassos nahm den Ball direkt - 2:0. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Trainer Orlando, "aber Miguel hat wohl bessere Augen als ich."

Essen spielte weiter, als wäre das hier ein Trainingsspiel. 22 Torschüsse - das sind mehr als Perl in zwei Spielen zusammenbringt. Und obwohl die Gäste laut Statistik sogar etwas mehr Ballbesitz hatten (51 Prozent!), wirkte das Ganze eher wie ein Lehrvideo zum Thema "Ballbesitz ohne Wirkung".

Kurz vor der Pause setzte Dursun noch einen drauf. 43. Minute, ein Dribbling, zwei Haken, dann ein Schuss aus 18 Metern - 3:0. Der Keeper der Kickers, Luca Haupt, streckte sich vergeblich. "Ich hab ihn gesehen - aber nur kurz", seufzte er hinterher.

Nach dem Seitenwechsel versuchten die Gäste, sich irgendwie zu sammeln. Immerhin: ein paar Torschüsse (vier insgesamt) fanden ihren Weg in Richtung Essener Torwart Guillermo Contreras, der sich allerdings mehr mit Kälteschutzcreme beschäftigte als mit Paraden.

In der 70. Minute dann der Schlusspunkt: Maurice Harrington, ebenfalls 19, traf nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger John Longfellow zum 4:0. Ein Angriff wie aus dem Lehrbuch - schnell, direkt, präzise. "Das war so ein Moment, da vergisst man, dass man eigentlich gerade friert", sagte ein Zuschauer im Block C, während er seine Bratwurst fest umklammerte.

Kurz darauf durfte Harrington unter dem Applaus der Fans noch einmal durchpusten. Zeitgleich kam Alfie Densham ins Spiel - und brachte neuen Schwung auf die rechte Seite. Aber zu holen war für Perl längst nichts mehr. Stattdessen gab’s in der 82. Minute noch eine gelbe Karte für Luís Etxeita, der offenbar beschlossen hatte, wenigstens ein Souvenir aus Essen mitzunehmen.

Die Essener standen zum Schluss mit einem Durchschnittsalter, das kaum über 19 Jahre lag, auf dem Platz - aber spielten mit der Abgeklärtheit alter Hasen. Ein Beleg, dass Luca Orlando an der Hafenstraße etwas aufbaut, das man ernst nehmen sollte.

"Wir haben offensiv gespielt, aber mit Köpfchen", erklärte Orlando nach dem Spiel. "Und vor allem: Wir haben Spaß gehabt. Das sieht man ja selten genug im modernen Fußball."

Bei den Kickers Perl hingegen war die Stimmung gedrückt. Kapitän Jan Ackermann murmelte in den Katakomben etwas von "Lehrstunde" und "das war nicht unser Tag". Trainer Orlando konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: "Wenn wir so weitermachen, wird’s bald öfter nicht der Tag der anderen sein."

Ein Abend, der zeigte, dass Leidenschaft, Tempo und Mut manchmal wichtiger sind als jede Prozentzahl. Rot-Weiss Essen hatte 48,9 Prozent Ballbesitz - aber 100 Prozent Spielfreude. Und so ging ein Spiel zu Ende, das in den Köpfen der Fans bleiben wird. Nicht, weil es knapp war - sondern weil es so herrlich eindeutig war.

Sarkastisches Schlusswort gefällig? Vielleicht dieses: Wenn die Kickers Perl so weitermachen, sollten sie beim nächsten Mal lieber das Navi auf "Parkplatz Hafenstraße" stellen - da landet der Ball wenigstens öfter.

10.06.643990 14:35
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Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund
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