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Wenn 31.736 Zuschauer im Zürcher Stadion frierend die Hände an den Kaffeebechern wärmen und trotzdem jubeln, dann weiß man: Der Fußball lebt. Rot-Weiss Zürich und Blau-Weiss Luzern trennten sich am 13. Januar im Duell des 13. Spieltags der 1. Liga Schweiz mit einem turbulenten 2:2 (1:0) - ein Ergebnis, das beiden Trainern graue Haare beschert haben dürfte, aber den neutralen Beobachter bestens unterhielt. Schon nach wenigen Minuten war klar, dass hier niemand auf Sicherheit spielte. Rot-Weiss-Coach Ha Luncke hatte seine Elf offensiv eingestellt - "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir nicht nur die schöneren Trikots haben", grinste er später. Und tatsächlich: In der 19. Minute war es Marcio Mocana, der nach feiner Flanke von Vladan Lazovic aus halblinker Position trocken einschob. 1:0. Zürich jubelte, Luzern schaute konsterniert - und Trainer Reinhard Wild trat so heftig gegen die Wasserflasche, dass sie wohl noch immer an der Seitenlinie gesucht wird. Blau-Weiss Luzern, das in der Anfangsphase mit viel Flügelspiel und 16 Torschüssen insgesamt das aktivere Team war, kam nach der Pause wütend zurück. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr schon so viele Chancen habt, dürft ihr auch mal eine reinmachen", erzählte Wild mit ironischem Unterton. Und seine Offensivabteilung hörte zu: In der 51. Minute traf Robert Mantovani nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Pierre Gramont - klassisches Lehrbuchtor, wuchtig und präzise. Keine zwei Minuten später drehte sich das Spiel völlig: Felipe Caballero schlenzte nach Zuspiel von Ilias Chalbinski den Ball in den Winkel, als wolle er den Ball lieber malen als schießen. 2:1 für Luzern. Das Stadion schwieg kurz. Dann aber erwachte Rot-Weiss wieder zum Leben. Luncke brüllte seine Männer nach vorn, wechselte mutig - und setzte auf lange Bälle über die Flügel. "Wenn’s schön nicht geht, dann halt weit", kommentierte Mittelfeldmann Phillipp Strauss mit einem Augenzwinkern. Und siehe da: In der 83. Minute fiel der verdiente Ausgleich. Roger Guillory flankte mustergültig auf den eingewechselten Kian McGeady, der mit 22 Jahren jugendliche Leichtigkeit in den Strafraum brachte und zum 2:2 einköpfte. Was folgte, war ein wilder Schlussspurt - Zürich drückte, Luzern konterte, und irgendwo dazwischen verlor der Ball kurzzeitig die Orientierung. Der Luzerner Linksverteidiger Joseph Wendt holte sich erst Gelb (88.) und dann in der Nachspielzeit Gelb-Rot, weil er offenbar vergessen hatte, dass Fußball kein Ringen ist. "Ich wollte nur den Ball", meinte er später entschuldigend. Sein Trainer ließ das unkommentiert. Die Statistik sprach am Ende die Sprache von zwei unterschiedlichen Philosophien: Rot-Weiss Zürich mit 59,7 Prozent Ballbesitz, aber nur zehn Abschlüssen; Luzern mit weniger Spielanteilen, dafür 16 Torschüssen und gefährlicherem Umschaltspiel. Taktisch blieb es ein offenes Buch - Zürich suchte in der zweiten Hälfte über die Flügel und mit langen Pässen die Lücken, während Luzern unermüdlich offensiv blieb, als hätte jemand den "Defensive"-Knopf aus dem System gelöscht. Nach Abpfiff standen beide Trainer nebeneinander, klatschten sich ab und wirkten erleichtert, dass es vorbei war. "Ein gerechtes Ergebnis", fand Luncke. "Oder zumindest ein gerechtes Chaos", ergänzte Wild. Beide lachten - vielleicht aus Erleichterung, vielleicht auch, weil sie wussten, dass sie diese Nacht wenig Schlaf finden würden. Marcio Mocana, der Torschütze des ersten Treffers, fasste den Abend am besten zusammen: "Wir haben gut gespielt, schlecht verteidigt und trotzdem nicht verloren. Das ist doch Fortschritt, oder?" So endete ein Spiel, das alles hatte - Tore, Karten, Emotionen und ein bisschen Slapstick. Zürich bleibt damit im Mittelfeld der Liga, Luzern nimmt einen Punkt mit und ein paar Schrammen im Stolz. Und irgendwo in der Kabine summte jemand leise: "Unentschieden ist auch ein Ergebnis." Ein gerechter Schluss für einen langen Abend, an dem niemand wirklich gewann - außer vielleicht die Zuschauer, die sich bestens unterhalten fühlten. 07.06.643987 01:47 |
Sprücheklopfer
Der österreichische Fußball ist sukzessive in eine schwierige Situation geschlittert, weil sehr viele durchschnittliche Ausländer gekauft worden sind. Da fahren Vereinspräsidenten an den Plattensee auf Urlaub und bringen sich dann vier Kellner mit.
Christoph Daum