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Wenn 35.612 Zuschauer an einem kalten Januarabend ins Aviva Stadium pilgern, dann muss schon etwas Besonderes passieren. Und tatsächlich: Die Dublin Rovers servierten beim 3:0 gegen Athlone United Fußball, der selbst den Guinness-Zapfern kurz den Atem stocken ließ. Drei Tore, jede Menge Spielfreude - und ein Teenager, der die Zukunft des irischen Fußballs verkörperte. Bereits in der Anfangsviertelstunde war klar, wohin die Reise ging. Die Rovers begannen offensiv, fast übermütig, während Athlone sich in die Defensive zurückzog, als hätte Trainer Daniel Alberty seinen Spielern heimlich gesagt: "Bloß keinen Ärger." Doch Ärger kam - und zwar in Person von Pedro Makukula. In der 18. Minute vollendete der bullige Mittelstürmer nach feinem Zuspiel von Evan Beglin zum 1:0. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten", grinste Makukula später. "Aber ich nehme die Lorbeeren gern mit." Kaum hatten die Gäste ihre Köpfe wieder oben, zappelte der Ball erneut im Netz. Jacob Irwin, der rechte Flügelmann mit dem Schuss wie ein Vorschlaghammer, knallte das Leder in der 23. Minute unhaltbar ins rechte Eck - Vorlage vom flinken Rechtsverteidiger Ewan Kinsella. Das 2:0 war die logische Konsequenz aus einer ersten Halbzeit, in der Dublin 17 Torschüsse abgab und Athlone kaum über die Mittellinie kam. "Wir haben den Ball gehabt, aber nicht das Spiel", murmelte Alberty nach der Partie selbstkritisch. Tatsächlich war der Ballbesitz fast ausgeglichen (50,5 % zu 49,5 %), aber was Dublin daraus machte, war schlichtweg effizienter - oder, um es mit den Worten ihres Trainers Paul Abramowich zu sagen: "Ballbesitz ist wie ein Bierdeckel - schön, wenn man ihn hat, aber wichtiger ist, was draufsteht." Athlone versuchte es nach dem Seitenwechsel mit etwas mehr Mut, doch der blieb meist im Ansatz stecken. Mason O’Halloran prüfte Rovers-Keeper Brandon Carr zweimal (48. und 96.), der jedoch in bester "Ich-lass-heute-nichts-rein"-Manier glänzte. "Ich hatte kaum was zu tun, aber das war auch mal schön", witzelte Carr nach dem Spiel. Dublin dagegen spielte weiter befreit auf. Abramowich nutzte die komfortable Führung, um in der 71. Minute gleich drei Youngster zu bringen - darunter die 17-jährigen Vlasta Necas und Bailey Miller. Und als Necas in der 74. Minute nach einem feinen Pass von Beglin zum 3:0 traf, explodierte das Stadion. Der Teenager riss die Arme hoch, grinste ungläubig und sagte später: "Ich dachte, ich träume. Mein erstes Ligator - und dann vor so vielen Leuten!" Dass der Coach dabei fast väterlich wirkte, war kein Zufall. "Vlasta erinnert mich an meine Anfänge - viel Talent, wenig Bartwuchs", scherzte Abramowich in der Pressekonferenz. Athlone United hingegen hatte spätestens nach der Verletzung von Alberto Carolei (71.) keinen Zugriff mehr auf die Partie. Gelbe Karten, verlorene Zweikämpfe, ratlose Blicke - das Team wirkte wie ein Orchester, bei dem alle gleichzeitig stimmen, aber keiner spielt. Am Ende standen 25:5 Torschüsse für die Rovers, 56 % gewonnene Zweikämpfe und drei blitzsaubere Treffer. Die Fans sangen sich heiser, während die United-Spieler nur schnell in den Bus wollten. "Wir müssen das vergessen und weitermachen", sagte Kapitän Joel Kavanagh tapfer. Doch seine Augen verrieten, dass dieser Abend noch eine Weile in den Köpfen bleiben wird. Für Dublin Rovers dagegen war es ein Statement-Sieg. Offensiver Fußball, disziplinierte Defensive und ein Mut zur Jugend, der in Irland Seltenheitswert hat. "Wenn die Jungs so weitermachen, werden wir oben mitmischen", prophezeite Abramowich - und wer ihm an diesem Abend zuhörte, glaubte ihm jedes Wort. Und so endete der Abend mit einem Gefühl zwischen Triumph und Zufriedenheit. Während die Fans sich auf den Heimweg machten, hallte noch lange ein Ruf durch das Stadion: "Vlasta! Vlasta!" - Der Junge, der kam, sah und traf. Ein Abend, den Dublin so schnell nicht vergessen wird - und Athlone wohl auch nicht. 17.03.643987 23:08 |
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Jeremies hat in alter Manier um sich geschlagen.
Rainer Bonhof zu den Trainingseindrücken des während der WM 98 angeschlagenen Jens Jeremies