Elfmeter
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Rudow rockt den Abend - Sandoval führt TSV zum 3:1 gegen Aurich

Ein lauer Maiabend, Flutlicht, 3219 Zuschauer und ein TSV Rudow, der Lust auf Fußball zeigte - das war die Kulisse am 24. Spieltag der Verbandsliga D. SVG Aurich kam mit jugendlicher Frische, Mut und einem frühen Treffer im Gepäck, doch am Ende musste Alexander Laufs Mannschaft die Heimreise mit hängenden Köpfen antreten. Der TSV gewann verdient mit 3:1 (2:1) und hatte in Oscar Sandoval den Mann des Abends.

Dabei begann alles ganz anders, als sich die Rudower Fans das vorgestellt hatten. In der 17. Minute nutzte Aurichs 18-jähriger Mittelfeldspieler Nils Reimann eine dieser Chancen, die in Lehrbüchern als "kaltblütig" bezeichnet werden. Nach Vorarbeit von Dylan Veesaert schlenzte er den Ball aus 18 Metern ins rechte Eck - Rudows Keeper Jesper Pederson streckte sich vergeblich. Auf der Gästebank rief Trainer Lauf ein fast ungläubiges "So wollte ich das sehen!" - und grinste, als hätte er gerade einen Lottoschein abgegeben.

Doch der Jubel währte kurz. Nur zwölf Minuten später drehte sich das Momentum. Rudows Mittelfeldmotor Kurt Fischer fand mit einem Steckpass den linken Flügelstürmer Sandoval, der den Ball humorlos in den langen Winkel drosch. 1:1 - und plötzlich war das Stadion wach. "Da hab ich gar nicht viel nachgedacht", sagte Sandoval später mit einem Augenzwinkern. "Ich dachte nur: Wenn der nicht reingeht, lauf ich heim."

Und als Aurich noch sortierte, kam die nächste kalte Dusche. Zwei Minuten nach dem Ausgleich war es Julius Hildebrandt, der nach einer butterweichen Flanke von Matthias Probst zum 2:1 einköpfte. Rudow hatte das Spiel gedreht - und das Publikum sang sich warm.

In der zweiten Hälfte versuchte Aurich, mit mutigem Offensivspiel den Anschluss zu schaffen. Sie blieben ihrer offensiven Grundordnung treu, aber so richtig gefährlich wurde es selten. Rudow stand kompakt, ließ Ball und Gegner laufen - 52 Prozent Ballbesitz, 12:7 Torschüsse - und hatte das Spiel im Griff. In der 64. Minute dann ein Schreckmoment: Aurichs junger Linksverteidiger Vitorino de Torre musste verletzt ausgewechselt werden. Trainer Lauf seufzte: "Wenn’s läuft, dann läuft’s - halt in die falsche Richtung."

Rudow hingegen spielte weiter geduldig, fast schon abgeklärt. Linus Henkel prüfte Aurichs Keeper Lars Fischer mehrfach (71., 75.), doch der hielt sein Team im Spiel. Erst in der 82. Minute fiel die Entscheidung: Wieder war es Sandoval, der nach einem klugen Zuspiel von Rechtsverteidiger Joschua Eckert den Ball überlegt ins Netz schob. 3:1 - und diesmal war’s endgültig.

"Oscar war heute einfach überall", lobte Rudows Trainer nach dem Spiel. "Wenn er nicht gerade Tore schießt, dann erklärt er den Jungs noch, wie man sie vorbereitet." Sandoval selbst wiegelte ab: "Ach, das war Teamarbeit. Ich wollte nur verhindern, dass Julius wieder alle Schlagzeilen kriegt."

Aurichs junge Mannschaft zeigte Moral, aber am Ende fehlte die Erfahrung. "Wir spielen mutig, aber manchmal sind wir zu brav", meinte Lauf. "Vielleicht sollten wir im Training das Wort ’Zweikampf’ mal buchstabieren lassen."

Statistisch war’s ein recht ausgeglichenes Spiel, aber Rudow hatte die klareren Ideen - und die reiferen Beine. Die Tacklingquote von 53 Prozent spricht eine deutliche Sprache, ebenso die Ruhe im Spielaufbau. Während Aurichs Nachwuchs im Angriff oft die falsche Entscheidung traf, spielte Rudow abgebrüht seine Routine aus.

Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten die Rudower Fans ihre Helden ab, während die Auricher Jungs mit hängenden Schultern, aber erhobenem Kopf vom Feld gingen. "Wir haben uns hier nicht versteckt", sagte Torschütze Reimann, "aber die haben halt schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel - und das merkt man."

Ein Abend, an dem der Fußball in Rudow wieder mal zeigte, dass er nicht nur aus Taktik besteht, sondern aus Leidenschaft, Tempo und einer ordentlichen Prise Ironie. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein älterer Herr gesagt haben: "Ich komm seit 30 Jahren hierher - und endlich weiß ich wieder, warum."

So blieb am Ende ein verdienter Sieg für den TSV Rudow, ein großer Applaus für den doppelten Sandoval - und die Gewissheit, dass Fußball manchmal ganz einfach ist: Wer trifft, gewinnt.

14.03.644000 03:43
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