Elfmeter
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Rudower Feuerwerk gegen Braunschweig - 5:0 und kein Ende in Sicht

Ein lauer Maiabend, 20:15 Uhr Anstoßzeit, 2882 Zuschauer im Rudower Sportpark - und am Ende ein Spiel, das so einseitig war, dass selbst die Stadiontaube nach dem vierten Tor demonstrativ den Kopf schüttelte. TSV Rudow zerlegte FT Braunschweig mit 5:0 (3:0) und zeigte dabei eine Spielfreude, die man in der Verbandsliga D nicht alle Tage sieht.

Schon in den ersten Minuten war klar, wer hier den Ton angibt. Rudow spielte, Braunschweig lief hinterher - meistens dem Ball, manchmal auch den eigenen Schatten. 25 Torschüsse der Gastgeber gegenüber mageren drei Versuchen der Gäste sprechen eine deutliche Sprache. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", sagte Linus Henkel später mit einem Grinsen, "aber irgendwann wurde es fast zu einfach." In der 14. Minute war Henkel es dann auch, der nach einem feinen Zuspiel von Hanns Seitz das 1:0 markierte - trocken, flach ins linke Eck.

Das war der Dosenöffner für eine Rudower Gala. Braunschweig reagierte, wie man es von einem angeschlagenen Boxer kennt: mit einem müden Haken ins Leere. Der Ballbesitz war mit 52 zu 48 Prozent zwar fast ausgeglichen, doch was Rudow daraus machte, war schlicht effizienter - und schöner anzusehen.

In der 32. Minute drehte Seitz den Spieß um: Diesmal bediente ihn Matthias Probst, und der 31-Jährige nahm den Ball technisch fein runter, bevor er ihn unhaltbar in die Maschen drosch. "Der war nicht ganz so geplant", gab Seitz später zu, "aber schön war er trotzdem." Acht Minuten später dann das 3:0 durch den quirligen Olav Schulz - Braunschweigs Keeper Volker Gärtner sah den Ball vermutlich erst, als er hinter ihm lag.

Die Gäste wirkten spätestens jetzt ratlos. Trainer Jens Müller (Name fiktiv) schrie von der Seitenlinie "kompakter stehen!", doch seine Abwehr verstand offenbar "komplett stehen bleiben". Kurz vor der Pause setzte Innenverteidiger Bram Closson noch ein Zeichen - leider das falsche: eine Gelbe Karte nach rustikalem Einsteigen. Nur elf Minuten später, in der 55. Minute, folgte dann der Platzverweis nach Gelb-Rot. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch da sind", murmelte Closson beim Abgang, während er mit gesenktem Kopf Richtung Kabine stapfte.

Zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 4:0. Probst hatte kurz nach Wiederanpfiff (51.) einen präzisen Pass von Kurt Fischer genutzt, um das Spiel endgültig zu entscheiden. "Wir haben in der Halbzeit gesagt: Nicht nachlassen!", verriet Rudows Trainer - nennen wir ihn Herr Schneider - später. "Und die Jungs haben das wörtlich genommen. Sogar ein bisschen zu wörtlich, wenn man den Balljungen fragt, der dauernd Nachschub holen musste."

Die Szene des Abends ereignete sich in der 81. Minute. Da hatte sich Braunschweig längst in sein Schicksal ergeben, und Rudows Gustav Becker wuchtete den Ball nach Flanke des Innenverteidigers Luke Smith per Dropkick ins Netz - das 5:0. Smith jubelte mit, als hätte er das Tor selbst gemacht. "Ich bin halt eher der stille Spielmacher", grinste der robuste Verteidiger später, während er sich den Schweiß aus der Stirn wischte.

Danach verwaltete Rudow das Ergebnis mit der Gelassenheit eines Teams, das keine Zweifel mehr ließ. Selbst eine Gelbe Karte für Fischer (68.) brachte die Stimmung nicht ins Wanken. Braunschweig dagegen war froh, als der Schlusspfiff kam - und noch froher, dass es keine Nachspielzeit gab.

"Wir sind heute einfach unter die Räder gekommen", gab Gästetrainer Müller ehrlich zu. "Rudow war in jeder Hinsicht besser. Vielleicht sogar beim Einlaufen." Seine Spieler nickten stumm - man konnte ihnen ansehen, dass sie lieber schon im Bus nach Hause gesessen hätten.

Und Rudow? Die feierten. Auf dem Rasen, in der Kabine, wahrscheinlich später noch an der Vereinsbar. "Fünf Tore, kein Gegentor - was will man mehr?", meinte Torwart Jesper Pederson, der einen ruhigen Abend hatte. "Ich hätte fast eingefroren da hinten."

Am Ende blieb ein Abend, der in Rudow so schnell nicht vergessen wird. Ein 5:0, das in seiner Leichtigkeit fast schon unhöflich wirkte - aber eben auch zeigte, wie viel Spielfreude in dieser Mannschaft steckt.

Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Herr beim Abpfiff: "Wenn die so weitermachen, steigen die noch auf - oder die Liga flieht vor Angst." Man kann’s ihm nicht verdenken.

20.02.644000 05:01
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