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Manchmal kann Fußball so einfach sein: Zwei Tore schießen, hinten dichtmachen, und den Gegner mit höflicher Gleichgültigkeit anrennen lassen. So geschehen am 7. Spieltag der 1. Liga Polen, als Rush Chorzow beim traditionsreichen Wista Krakau ein erstaunlich reifes 2:0 einfuhr. 20.000 Zuschauer im Stadion an der Weichsel erlebten ein Spiel, das weniger von Spannung als von der gnadenlosen Effizienz der Gäste lebte - und von der Ratlosigkeit der Hausherren. Von Beginn an hatte Wista mehr Ballbesitz - 52,5 Prozent, um genau zu sein. Doch was nützt das, wenn aus all dem Hin- und Hergeschiebe nur zwei kümmerliche Torschüsse entstehen? Schon in der fünften Minute versuchte Mason Crichton, der 33-jährige Flügelmann, es mit einem beherzten Schuss aus der Distanz. Keeper Ernesto Manuel, ein Fels in der Chorzower Brandung, wischte den Ball lässig über die Latte. "Ich dachte, das wird heute ein ruhiger Abend", grinste der Torwart nach dem Spiel. Er sollte recht behalten. Rush Chorzow, unter der Leitung von Trainer Herth Ussia, agierte von Beginn an mit einer offensiven Grundhaltung, aber ohne Hektik. Der Plan war klar: mit ruhigem Passspiel und präzisen Vorstößen durch die Mitte die Gastgeber aus der Reserve locken. In der 26. Minute zahlte sich das aus: Dawid Gorawski bediente mit einem eleganten Steckpass den bulligen Mittelstürmer Adrian Dreszer, der mit der Selbstverständlichkeit eines Routiniers abschloss. 1:0 - und Wista stand da wie ein Tourist ohne Stadtplan. "Das war so ein Moment, wo man denkt: Ja, genau dafür trainieren wir", erklärte Dreszer mit verschmitztem Lächeln. Krakau versuchte zu antworten, doch die Ideenlosigkeit im letzten Drittel war frappierend. Trainerbank und Tribüne sahen zu, wie Rush Chorzow in aller Ruhe Ball und Gegner laufen ließ. Noch vor der Pause kassierte Jerzy Zarzycki eine Gelbe Karte, weil er offenbar den Ball mit dem Schienbein stoppen wollte - und stattdessen den Gegenspieler traf. "Er hat die falsche Zielkoordinate erwischt", kommentierte ein Fan trocken. Zur Halbzeit wechselte Ussia taktisch clever: Der junge Christiano Antunes kam für den verwarnten Zarzycki, und Michail Majewski ersetzte den müden Rechtsverteidiger Ramon Assis. Ein Schachzug, der sich als goldrichtig herausstellen sollte. Denn kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, kam Antunes in der 54. Minute nach Vorarbeit von Majewski zum Abschluss - und traf. 2:0. Der 19-Jährige jubelte, als hätte er gerade die Meisterschaft entschieden. "Ich wollte einfach zeigen, dass ich bereit bin. Herth hat mir gesagt: ’Mach’s einfach wie im Training’ - also hab ich getroffen", berichtete der Nachwuchsspieler später fast schüchtern. Danach war die Messe gelesen. Rush Chorzow kontrollierte das Geschehen mit der Gelassenheit eines Teams, das genau wusste, wie man einen Vorsprung verwaltet. Elf Schüsse aufs Tor, drei Gelbe Karten - das war der Preis für konsequentes Auftreten. Wista Krakau hingegen wirkte wie ein Orchester ohne Dirigent: viel Bewegung, wenig Klang. In der 46. Minute hatte Rafael Lopez noch eine Chance, aber wieder war Ernesto Manuel zur Stelle. Danach verlor sich das Spiel in fruchtlosen Angriffen und resignierten Gesten. "Wir hatten den Ball, aber sie hatten die Tore", fasste Wista-Kapitän Grigori Loskow lakonisch zusammen. Trainer Ussia zeigte sich zufrieden: "Wir wollten mutig auftreten, und die Jungs haben das umgesetzt. Ich bin froh, dass unsere jungen Spieler Verantwortung übernehmen." Auf der anderen Seite wirkte Wistas Coach - der seinen Namen lieber nicht in die Schlagzeilen gebracht sehen wollte - sichtlich bedient: "Wir spielen nett, aber freundlich gewinnt man keine Spiele." Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten selbst einige Krakauer Fans respektvoll. Vielleicht, weil sie anerkannten, dass an diesem Abend der Bessere gewonnen hatte. Rush Chorzow war nicht spektakulär, aber souverän. Und das ist manchmal viel mehr wert als ein wildes 3:3. Und so blieb den heimischen Anhängern nur der bittere Trost, dass Ballbesitz zwar schön aussieht - aber auf der Anzeigetafel keine Punkte bringt. Oder, wie ein älterer Herr mit Schal im Block C murmelte: "Früher hätten wir wenigstens einen Pfostenschuss gehabt." Fußballromantik, Krakauer Art. 29.03.643987 13:50 |
Sprücheklopfer
Wenn der Ball am Torwart vorbeigeht, ist es meist ein Tor.
Mario Basler