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Wer den Freitagabend in Tychy verbrachte, bekam Fußball mit der ganzen Palette menschlicher Emotionen serviert - von Hoffnung über Ärger bis hin zu blankem Entsetzen. 20.250 Zuschauer sahen ein 1:2 (1:1) zwischen GKS Tychy und Rush Chorzow, das sich anfühlte wie ein Drama in drei Akten: Früher Rückstand, leidenschaftliches Comeback - und am Ende ein Stich mitten ins Tychyer Fußballherz in der 96. Minute. Dabei hatte alles recht verheißungsvoll begonnen. GKS-Trainer Christian Reuss ließ seine Mannschaft offensiv auflaufen, und die Hausherren starteten forsch. Nach acht Minuten prüfte Rushs junger Flügelspieler Michail Majewski erstmals Torhüter Joshua Hamlin, der die Kugel sicher wegfaustete. Nur eine Minute später versuchte es GKS-Regisseur Ethan Macleod auf der Gegenseite - doch auch hier blieb das Netz still. Dann, in der 16. Minute, die kalte Dusche: Rushs rechter Stürmer Dawid Baszczynski vollendete eine feine Kombination über Mittelfeldmotor Vitor Marco mit einem trockenen Abschluss ins rechte Eck. "Ich sah nur einen kleinen Spalt - und dachte, warum nicht?", grinste Baszczynski nach der Partie. GKS Tychy schüttelte sich kurz, dann kam Wut ins Spiel. Der Franzose Francois Hiliard hämmerte gleich zweimal gefährlich aufs Tor (15. und 43.), und kurz vor der Pause fiel der verdiente Ausgleich: In der 42. Minute schickte Macleod den pfeilschnellen Björn Carlsson auf die Reise. Der 23-Jährige blieb cool, schob den Ball unter Rush-Keeper Teemu Ukkonen hindurch - 1:1! Das Stadion bebte. "Da dachte ich, jetzt kippt’s zu unseren Gunsten", sagte Carlsson später, während er sich noch den Schweiß aus dem blondierten Haar strich. Doch nach der Pause blieb das Kippen aus. Chorzow übernahm zunehmend die Kontrolle: 58 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse - die Zahlen erzählen das nüchterne Ende einer Tychyer Hoffnung. Reuss reagierte: In der 52. Minute kam der junge Patryk Rudy, drei Minuten später Jukka Lagerblom, und ab der 57. Minute durfte sogar der 19-jährige Abwehrhüne Amadeus Wisio ran. "Wir wollten frische Beine, nicht frische Fehler", knurrte Reuss, doch genau die schlichen sich ein. Rushs Flügelzange mit Arkadiusz Wojcicki und dem jugendlichen Slawomir Blaszczykowski wirbelte nun unermüdlich. Immer wieder tauchten sie vor Hamlin auf, während GKS sich mehr und mehr auf Konter beschränkte. In der 85. Minute fasste sich Vitor Marco ein Herz, zog aus 25 Metern ab - Zentimeter vorbei. Tychy atmete auf. Und dann kam jene Nachspielzeit, die in Tychy wohl noch lange Thema sein wird. Als die Stadionuhr bereits auf 95:42 stand, brachte Rush noch einmal einen letzten hohen Ball in den Strafraum. Chaos. Ein abgefälschter Kopfball, ein Gestochere - und plötzlich war der Ball frei für Callum Hawn, den Linksverteidiger! Mit einem Schuss aus spitzem Winkel erzielte er das 2:1. Der Gästeblock explodierte. "Ich wollte eigentlich nur den Ball im Spiel halten", gab Hawn hinterher zu, "aber manchmal passiert Fußballmagie, wenn man nicht nachdenkt." Während die Chorzower jubelten, stand Reuss an der Seitenlinie wie eingefroren. "So ein Tor in der 96. - das ist wie ein Kratzer auf frischem Lack", murmelte er in die Mikrofone. Sein Gegenüber Herth Ussia grinste breit: "Wir haben bis zur letzten Sekunde an uns geglaubt. Und ganz ehrlich - so ein Sieg schmeckt doppelt." Die Statistiken untermauern das Bild: Rush Chorzow dominierte mit 57,6 Prozent Ballbesitz und fast doppelt so vielen Torschüssen (13 zu 7). GKS Tychy kämpfte leidenschaftlich, aber ineffizient. Es war ein Spiel, das weniger durch Taktik als durch Timing entschieden wurde. Nach dem Abpfiff applaudierten die Fans von Tychy trotzdem ihrer Mannschaft. Vielleicht, weil sie spürten, dass diese Niederlage mehr Charakter zeigte als manch glanzloser Sieg. Carlsson winkte ins Publikum, Reuss klopfte Hamlin auf die Schulter, und irgendwo auf der Tribüne summte ein Zuschauer leise die Melodie von "Always look on the bright side of life". Denn am Ende dieses bitter-schönen Fußballabends blieb nur eine Gewissheit: Wer in der 96. Minute verliert, hat zwar Pech - aber auch eine Geschichte, die man nie vergisst. 01.05.643987 22:18 |
Sprücheklopfer
Die Vögel haben noch nicht gezwitschert, als ich gegangen bin.
Mario Basler nach einer Geburtstagfeier von Didi Hamann, die er erst um 3.00 Uhr früh verließ