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Rush Chorzow zündet Feuerwerk - 7:0 gegen hilflose Sleza Wroclaw

Wenn ein Spiel nach zehn Minuten praktisch entschieden ist, darf man sich als Reporter zurücklehnen - oder zumindest versuchen, mitzuschreiben, wer da eigentlich alles trifft. Rush Chorzow fertigte am 12. Spieltag der 1. Liga Polen den völlig überforderten Gast Sleza Wroclaw mit 7:0 (3:0) ab. 35.598 Zuschauer sahen am späten Sonntagabend ein Spektakel, das in jeder Hinsicht einseitig verlief.

Kaum hatte Schiedsrichter Nowak angepfiffen, begann das blaue Inferno. Schon in der fünften Minute zappelte der Ball nach einem Flachschuss des 19-jährigen Rechtsaußen Michail Majewski im Netz. "Ich hab einfach draufgehalten, weil Grzegorz mir so schön aufgelegt hat", grinste der Youngster später. Keine 60 Sekunden später revanchierte sich Majewski - diesmal als Vorlagengeber für den erst 18-jährigen Slawomir Blaszczykowski, der mit jugendlicher Unbekümmertheit auf 2:0 stellte. "Da war der Gegner wohl noch beim Jubeln", kommentierte Trainer Herth Ussia trocken.

Sleza Wroclaw wirkte derweil, als wäre die Busfahrt schon anstrengend genug gewesen. Zwei Torschüsse in 90 Minuten, 41 Prozent Ballbesitz - das sind Zahlen, die man sonst aus Freundschaftsspielen gegen Erstligisten kennt. Immerhin kämpften die Gäste tapfer, was sich in einer einzigen Gelben Karte für Rush-Verteidiger Dennis Majak zeigte. Der musste in der 31. Minute den durchbrechenden Kosowski stoppen - eine der seltenen Szenen, in denen Wroclaw überhaupt in die Nähe des Strafraums kam.

Das 3:0 kurz vor der Pause besorgte Grzegorz Wilczek nach feinem Zuspiel - natürlich wieder von Majewski. Die Fans sangen bereits "Wir woll’n den achten", noch bevor die zweite Halbzeit überhaupt begonnen hatte.

Nach dem Seitenwechsel änderte Trainer Ussia die Taktik auf "Offensive", als wollte er sagen: Warum aufhören, wenn’s gerade Spaß macht? Und seine Männer folgten. Blaszczykowski traf in der 53. Minute erneut, diesmal nach Flanke von Ramon Assis. Vier Minuten darauf durfte sich Linksverteidiger Callum Hawn in die Schützenliste eintragen - ein satter Linksschuss, dem Gäste-Keeper Domenik Gadocha nur hinterherschauen konnte. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Hawn später lachend.

Dann wurde es richtig bitter für Wroclaw: Innerhalb von zwei Minuten (60. und 61.) trafen erst Dawid Baszczynski nach Vorarbeit von Adrian Burkhardt, dann Burkhardt selbst nach Pass von Dawid Gorawski. Drei Dawids im Zusammenspiel - der Gegner wusste nicht mehr, welcher jetzt eigentlich schießt.

Die letzten 30 Minuten wurden zur Schaulauf-Veranstaltung. Rush kombinierte, Sleza verteidigte mit gesenktem Kopf. Trainer Ussia gönnte seinen Stammspielern sogar Pausen, wechselte munter durch. Der eingewechselte Antunes ließ noch einige Male aufblitzen, warum die Zukunft diesem Verein gehören könnte. "Das war heute ein Statement", meinte Ussia nach Abpfiff und fügte schmunzelnd hinzu: "Aber wir nehmen die Punkte trotzdem nur als drei, auch wenn’s sich nach zehn anfühlt."

Sleza-Coach, der nach Spielende mit versteinerter Miene in der Mixed Zone stand, versuchte Humor zu bewahren: "Wir wollten kompakt stehen, aber offenbar war der Rasen zu breit." Sein Torwart Gadocha murmelte nur: "Ich hab aufgehört zu zählen."

Statistisch war Rush Chorzow in allen Belangen überlegen: 27 Schüsse aufs Tor, 59 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Ein Spiel wie aus dem Lehrbuch, wenn man auf Offensivfußball steht - oder wie aus einem Albtraum, wenn man im roten Trikot aus Wroclaw steckt.

Als die Stadionuhr die 90. Minute anzeigte, war der Jubel längst Routine. Die Fans applaudierten, die Spieler grinsten, Trainer Ussia klatschte jeden einzeln ab. Nur einer wirkte leicht enttäuscht: Blaszczykowski, der nach seinem Doppelpack wohl gern noch den Hattrick geschnürt hätte. "Ich hatte noch zwei Chancen, aber irgendwann muss man auch mal teilen", sagte der 18-Jährige fast philosophisch.

Am Ende blieb das Gefühl, Zeuge einer Machtdemonstration gewesen zu sein. Rush Chorzow zeigte, dass jugendlicher Elan und taktische Disziplin kein Widerspruch sind. Sleza Wroclaw dagegen wird hoffen, dass man solche Abende schnell vergisst - oder wenigstens als Lehrstunde nutzt.

Und irgendwo in der Kabine soll ein Spieler von Chorzow leise gesagt haben: "Schade, dass’s keine Verlängerung gab." Man hätte es ihm fast geglaubt.

05.06.643987 12:10
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