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Saarbrücken fegt Settenbeck vom Platz - 3:0 nach 45 Minuten Klarheit

Ein lauer Aprilabend, Flutlicht, 1840 Zuschauer und ein Heimteam, das offenbar noch auf der Suche nach dem Lichtschalter war: Der FC Settenbeck unterlag am Freitagabend in der Landesliga 25 dem Gast aus Saarbrücken klar mit 0:3. Und das Ergebnis stand schon nach 39 Minuten fest - danach war die Partie im Prinzip nur noch eine Demonstration saarländischer Spielfreude und settenbeckischer Verzweiflung.

Es begann, wie es schlechter kaum beginnen kann: Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, klingelte es schon. In der ersten Minute segelte eine Flanke von Hanns Klug über die Settenbecker Abwehr, Otto Münch rauschte heran, hielt den Fuß hin - 0:1. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", stöhnte Settenbecks Torwart Joschua Rothe hinterher. Leider hatte der Linienrichter eine andere Meinung.

Saarbrücken spielte mit jugendlicher Unbekümmertheit und erstaunlicher Präzision: Kurz und flach, immer wieder über die Flügel, so wie es Coach Homer Simpson (ja, tatsächlich) offenbar in der Kabine gezeichnet hatte. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon weit gefahren seid, könnt ihr auch ein paar Tore mitbringen", grinste der Mann mit der wohl bekanntesten Glatze der Liga nach dem Spiel in die Mikrofone.

Das 0:2 fiel in der 15. Minute, wieder nach Vorarbeit von Klug. Der 19-jährige Louis Fischer verwandelte aus spitzem Winkel - sein erstes Tor des Abends, aber nicht das letzte. Fischer war überhaupt der Mann des Spiels: quirlig, frech und eiskalt, als hätte er das Toreschießen im Schlaf gelernt. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte er später, "und gehofft, dass Homer mir morgen frei gibt."

Settenbeck versuchte es tapfer, vor allem Gerhard Jacobs und Oscar Thiel sorgten für die wenigen Lichtblicke im Angriff. Doch entweder war Saarbrückens junger Keeper Christian Graf zur Stelle oder der Ball zirkelte knapp vorbei. Fünf Torschüsse standen am Ende zu Buche - Saarbrücken hatte 19. Die Ballbesitzwerte (43 zu 57 Prozent) sagen alles über das Kräfteverhältnis.

In der 39. Minute machte Fischer mit seinem zweiten Treffer den Deckel drauf. Otto Münch, der Routinier auf der rechten Seite, legte uneigennützig quer, Fischer traf trocken ins linke Eck. Danach sah man beim FC Settenbeck mehr Hände in der Hüfte als Pässe über fünf Meter. "Wir wollten in der Pause reagieren, aber da war das Kind schon im Brunnen", seufzte ein sichtlich ernüchterter Co-Trainer an der Seitenlinie.

Die zweite Hälfte? Ein Muster aus verpassten Chancen und gepflegtem Leerlauf. Saarbrücken ließ den Ball laufen, Settenbeck hinterher. Homer Simpson, gemütlich an der Bank lehnend, rief seinen Spielern zu: "Keine Donuts jetzt, Jungs, nur Pässe!" - was seine junge Elf offenbar als Einladung nahm, noch ein paar Kabinettstückchen zu zeigen. Nur Tore fielen keine mehr.

Die Stimmung auf der Tribüne kippte irgendwo zwischen Galgenhumor und stillem Kopfschütteln. Ein älterer Fan fasste es treffend zusammen: "Wenn die so weiterspielen, kommen sie noch in die Comedy-Liga."

Zwei Saarbrücker Gelbe Karten - Karl Rau (80.) und Yannik Christ (92.) - waren die einzigen Einträge im Notizbuch des Schiedsrichters, die nicht mit einem Tor zu tun hatten. Fair blieb’s also, auch weil Settenbeck nach dem frühen Schock gar nicht mehr genug Biss entwickelte, um wirklich weh zu tun.

Saarbrückens Taktik - offensiv, kurzpassorientiert, mit starkem Flügelspiel - funktionierte wie aus einem Guss. Beim FC Settenbeck dagegen blieb die offensive Grundordnung reine Theorie. Pressing? Fehlanzeige. Der Versuch, mit "ausgewogener" Ausrichtung gegenzuhalten, wirkte wie ein höflicher Rückzug.

Am Ende verabschiedete das Publikum seine Mannschaft trotzdem mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Lokalstolz. "Wir müssen daraus lernen", sagte Settenbecks Kapitän Carsten Noack. "Zum Beispiel, dass ein Spiel auch in der ersten Minute entschieden werden kann."

In der Statistik liest sich das Ergebnis nüchtern: 0:3 (0:3), Torschüsse 5 zu 19, Ballbesitz 43 zu 57 Prozent. In Wahrheit war es eine Fußballlektion in Effizienz und Wachsamkeit. Saarbrücken war in jeder Hinsicht einen Schritt schneller - und manchmal reicht genau das, um ein Spiel schon vor der Halbzeit zu beenden.

Oder, um es mit Homer Simpson zu sagen: "Manchmal ist Fußball wie ein Donut - rund, süß, und am Ende ist alles weg."

Und in Settenbeck war an diesem Abend tatsächlich alles weg - Punkte, Zuversicht und ein bisschen Würde.

23.06.643997 00:00
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