// Startseite
| Notbremse |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war ein Abend, an dem man sich fragte, ob der Fußballgott ein Faible für Ironie hat. 2096 Zuschauer im Saarbrücker Stadion bekamen beim 1:0-Sieg ihrer Mannschaft gegen Jägersburg ein Spiel zu sehen, das alles bot: frühe Euphorie, zähe Minuten, einen jugendlichen Heißsporn mit zwei Karten - und einen Trainer, der nach dem Schlusspfiff lieber über Donuts als über Taktik sprach. Schon nach zehn Minuten brandete Jubel auf: Markus Schöne, 34 Jahre alt, Mittelfeldstratege und in dieser Partie der Mann für die feinen Momente, schlenzte den Ball aus 20 Metern ins linke Eck. Otto Münch hatte den Angriff über rechts eingeleitet, und Schöne dankte es ihm mit einem trockenen Abschluss. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste der Torschütze nach dem Spiel. "Otto meinte noch: ’Mach keinen Quatsch!’ - na ja, manchmal ist Quatsch eben das Richtige." Die frühe Führung gab Saarbrücken Rückenwind. Trainer Homer Simpson - ja, genau der, der in der Kabine angeblich tatsächlich eine rosa Donut-Box stehen hat - brüllte von draußen: "Bleibt dran, Jungs, aber nicht übermütig!" Sein Team hörte halb auf ihn. Zwischen der 10. und 30. Minute hagelte es Torschüsse, 17 insgesamt am Ende des Abends, die meisten jedoch ohne Fortune. Arne Fricke scheiterte zweimal knapp, Julius Beyer prüfte Jägersburgs Keeper Dirk Sommer mehrfach, und selbst Rechtsverteidiger Benjamin Raab wagte sich nach vorn, ehe er später verletzt ausgewechselt werden musste. Jägersburg dagegen? Bemüht, aber harmlos. Drei Torschüsse, davon zwei durch Christiano Makukula, der zwar den kräftigen Namen eines Torjägers trägt, aber an diesem Abend eher an einen Touristen erinnerte, der sein Navi verloren hat. Trainer der Gäste (Name in den Unterlagen nicht überliefert, vielleicht zum Glück) ließ offensiv spielen, aber ohne Pressing - was so aussah, als würde man mit angezogener Handbremse Gas geben wollen. Zur Pause stand es 1:0, und der Stadionsprecher nutzte die Gelegenheit, um den Fans zu erklären, dass die Bratwurst im Angebot sei. "Das war das unterhaltsamste Offensivspiel der ersten Hälfte", witzelte ein Zuschauer hinter der Pressetribüne. Nach dem Seitenwechsel blieb Saarbrücken dominant, auch wenn die Präzision etwas litt. Markus Schöne zog noch zweimal ab, Beyer vergab aus kurzer Distanz, und Jägersburg versuchte, sich mit langen Bällen zu retten. Der Ballbesitz sprach klar für die Hausherren - 56 Prozent, und das fühlte sich nach mehr an. In der 63. Minute wurde es unruhig: Benjamin Raab verletzte sich, musste runter, und Patrik Koller kam für ihn. Trainer Simpson sah kurz besorgt aus, dann griff er zum Funkgerät und fragte den Betreuer, ob Raab wenigstens noch laufen könne. "Er hat gesagt, er könne, aber er will nicht", so Simpson später mit einem Schmunzeln. Dann die unschöne Szene kurz vor Schluss: Der 19-jährige Innenverteidiger Jason Kirchner, bis dahin mit solidem Einsatz, sah in der 78. Minute Gelb - und in der 85. Gelb-Rot. "Ich hab doch nur laut geatmet", verteidigte er sich lachend in der Mixed Zone. Der Schiedsrichter sah das anders. Homer Simpson kommentierte trocken: "Jason wollte zeigen, dass er Leidenschaft hat. Das hat er geschafft." Trotz Unterzahl brachte Saarbrücken den knappen Vorsprung über die Zeit. Die letzten Minuten bestanden aus kollektivem Zähneknirschen und einem Torwart Günter Bode, der mehr dirigierte als parierte, weil Jägersburg kaum noch gefährlich wurde. Nach dem Abpfiff war die Stimmung gelöst. Markus Schöne bekam den obligatorischen Schulterklopfer vom Trainer, während Otto Münch scherzte: "Wenn der Markus noch einmal so trifft, spendier ich ihm einen Donut." Homer Simpson grinste: "Das ist mein Einfluss." Statistisch war das Spiel eine klare Sache: 17:3 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von gut 56 Prozent für Saarbrücken. Nur auf der Anzeigetafel blieb es knapp - aber dafür zählen eben Tore, nicht Tabellenkalkulationen. "Wir hätten höher gewinnen müssen", meinte Schöne. "Aber ein 1:0 fühlt sich manchmal besser an als ein 4:0. Da weiß man, dass man kämpfen musste." Jägersburgs Kapitän Yanik Wilhelm, der in der 71. Minute Gelb sah, gestand: "Wir haben zu brav gespielt. Vielleicht hätten wir ein bisschen mehr Chaos gebraucht." So endete ein Abend, der nicht spektakulär, aber ehrlich war - mit einem verdienten Sieger, einem Tor, das in jedem Saisonrückblick auftauchen dürfte, und einem Trainer, der nach dem Spiel auf die Frage nach seiner Taktik nur sagte: "Kurzpassspiel, starke Aggressivität - und Donuts für alle." Ein bisschen Wahnsinn, ein bisschen Witz - Saarbrücken bleibt in der Landesliga 25 damit auf Kurs. Und wer weiß: Vielleicht ist Homer Simpson tatsächlich der Trainer, den der Amateurfußball immer gebraucht hat. 26.04.643997 09:24 |
Sprücheklopfer
Er hatte plötzlich Sehstörungen. Vielleicht hat er deshalb das Tor getroffen.
Matthias Sammer über Lars Ricken, der nach einen Zusammenprall ein Tor schoss und dann mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste