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Ein kühler Märzabend, Flutlicht, 4550 Zuschauer auf den Rängen und das übliche Gemurmel zwischen Bier, Bratwurst und "Schiri, pfeif doch mal!". Der FC Saarbrücken empfing am 29. Spieltag der Regionalliga D den Gast aus Schwalmstadt - und lieferte ein Spiel, das so ziemlich alles hatte: frühe Schocks, jugendliche Unbekümmertheit und einen Linksverteidiger, der auf einmal das Toreschießen entdeckt. Am Ende stand ein 2:1-Sieg für die Blau-Schwarzen, verdient, aber hart erkämpft. Das Spiel begann, wie es für Heimmannschaften nicht beginnen sollte: kaum war die Uhr auf sieben Minuten gesprungen, da zappelte der Ball schon im Netz von Daniel Kosowski. Schwalmstadts routinierter Rechtsaußen Leon Gady, 32 Jahre jung, traf nach Vorarbeit von Ilie Stefanescu trocken ins Eck. "Ich hab den Ball so sauber getroffen, dass ich kurz dachte, ich müsste mich entschuldigen", grinste Gady später - mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der schon viele Kunstrasen gesehen hat. Saarbrücken wirkte kurz geschockt, aber Trainer Carsten Altmeyer blieb ruhig. "Wir hatten ja noch 83 Minuten Zeit, das wieder geradezubiegen", brummte er an der Seitenlinie - halb zu seinem Co-Trainer, halb zum Linienrichter. Seine Jungs verstanden die Botschaft. Der junge Yanik Pan (17) wirbelte auf der linken Seite, als hätte er eine Dauerkarte fürs gegnerische Strafraumviertel, und in der 24. Minute war es dann soweit: Pan setzte sich durch, flankte scharf nach innen, und Marc Albacar, 20, drückte den Ball volley zum 1:1 über die Linie. Ein Tor aus dem Lehrbuch - wenn das Lehrbuch "Jugend forscht im Strafraum" hieße. "Yanik hat das Ding reingeschlagen, als hätte er schon 100 Spiele gemacht", lobte Albacar später. Der Teenager grinste verlegen und meinte nur: "Ich hab einfach gehofft, dass Marc da steht." Stand er. Und wie. Mit diesem Treffer war die Partie wieder offen. Saarbrücken suchte die Entscheidung, Schwalmstadt verteidigte mit Routine und einer Prise Zeitspiel. Bis zur Pause blieb es beim 1:1, obwohl Marc Albacar und Theo Malfoy (nein, kein Zauberer, aber mit ähnlicher Präzision im Schuss) noch beste Chancen hatten. Nach dem Seitenwechsel schickte Altmeyer seine Mannschaft mit einer klaren Ansage aufs Feld. "Jetzt spielen wir so, als wollten wir wirklich gewinnen", soll er gesagt haben - und siehe da, kaum drei Minuten später war der Ball im Netz. In der 48. Minute tauchte plötzlich Linksverteidiger Louis Lohmann im Strafraum auf und verwandelte nach feiner Vorarbeit von Albacar zum 2:1. Schwalmstadts Keeper Illarion Kowalenko sah dabei aus, als hätte er gerade eine Steuerprüfung angekündigt bekommen. "Ich weiß gar nicht, was ich da gemacht habe", lachte Lohmann nach dem Spiel. "Normalerweise soll ich hinten bleiben. Aber der Ball war da, und ich dachte mir: Warum eigentlich nicht?" Eine nachvollziehbare Entscheidung, wie sich herausstellte. Schwalmstadt versuchte es danach mit kontrolliertem Ballbesitz (am Ende 52 Prozent), fand aber kaum Wege durch die kompakte Saarbrücker Defensive. Vier Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände. Einziger Lichtblick: Dylan Hendersons Schuss in der 56. Minute, den Kosowski mit einer Hand über die Latte lenkte - und dafür von der Tribüne Szenenapplaus bekam. Die Hausherren dagegen feuerten, was das Leder hergab: 18 Schüsse insgesamt, dazu eine Zweikampfquote von knapp 56 Prozent. Offensiv, jung, ungestüm - manchmal auch ein bisschen zu verspielt, doch am Ende effektiv genug, um die drei Punkte im Ludwigspark zu behalten. Die letzten Minuten waren dann eine Mischung aus Nervosität und jugendlicher Coolness: Theo Malfoy wich auf die Flügel aus, um Zeit zu schinden, während Coach Altmeyer wild gestikulierend seine Defensive sortierte. In der 82. Minute kam Rechtsverteidiger Jaime Nani für Malfoy, wenig später ersetzte der 19-jährige Istvan Simonyi den erschöpften Mittelstürmer David Mai. Die Bankspieler feuerten lautstark an - auch wenn die Kommandos manchmal klangen wie Bestellungen beim Imbissstand. Nach dem Schlusspfiff wirkte Schwalmstadts Trainer Marcel Schüler gefasst. "Wir haben gut begonnen, dann aber zu tief gestanden. Saarbrücken hat das clever ausgespielt", bilanzierte er mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass seine Mannschaft trotz Niederlage nicht unterging. Altmeyer dagegen grinste breit: "Wenn meine Abwehrspieler Tore schießen, dann weiß ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind." Ein Satz, der hängen blieb - so wie der Sieg. Und als die Flutlichtmasten langsam erloschen, war aus einem kühlen Sonntagabend plötzlich ein warmer Fußballmoment geworden. Saarbrücken jubelte, Schwalmstadt schüttelte den Kopf - und irgendwo auf der Tribüne sagte einer: "Na, wenigstens hat es sich gelohnt, das Bier war kalt und das Spiel heiß." Ein Satz, den man in Saarbrücken wohl noch öfter hören wird. 22.08.643993 00:23 |
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Ich habe immer gesagt, mich interessiert nicht, wer spielt. Hauptsache ich spiele.
Mario Basler