Diarios de Futbol
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San Carlos FC bricht ein - Aragua FC tanzt sich ins Glück

Manchmal ist Fußball wie ein Roman: Man beginnt mit Hoffnung, blättert sich durch Leidenschaft - und endet mit einem Kapitel voller Tragik. Vor 63.600 Zuschauern im brodelnden Estadio de San Carlos erlebte das Publikum am Montagabend genau das, als der San Carlos FC im Rückspiel der 2. Runde der Copa-Libertadores-Qualifikation gegen Aragua FC mit 1:3 (1:0) unterging.

Dabei fing alles so vielversprechend an. In der 30. Minute schien die Fußballwelt noch in Ordnung zu sein, als Louis Corey nach feinem Zuspiel von Filipe Ze Castro den Ball in den Winkel donnerte. Trainer Spritty Bohne sprang an der Seitenlinie wie ein Kind im Süßwarenladen. "Das war genau der Spielzug, den wir am Freitag 27-mal geübt haben", grinste er später - wohlwissend, dass danach alles anders kam.

Bis zur Pause kontrollierte San Carlos das Geschehen, hatte mit fast 60 Prozent Ballbesitz die Partie im Griff. Michael Brand und Raul Figueras feuerten aus allen Lagen, während Aragua-Coach Claire Werk unbeeindruckt an ihrem Kaugummi kaute. Ihr Team hatte bis dahin kaum Zugriff, wirkte wie ein müder Boxer in der dritten Runde - aber mit einem gefährlichen rechten Haken in Reserve.

Und dann kam die 56. Minute. Ein schneller Ball von Ivan Carracedo, Damian Santos startet auf rechts, zieht nach innen - und trifft eiskalt ins lange Eck. 1:1. San Carlos wirkte kurz wie eingefroren. "Wir sind zu brav gewesen", knurrte Bohne später. "Ich hab’s ihnen gesagt, Fußball ist kein Kaffeekränzchen."

Aragua roch Blut. Zehn Minuten später legte der 18-jährige Jose Maria Gontan nach, erneut auf Vorlage von Carracedo. Ein Tor, das so reif war, dass man kaum glauben konnte, es stamme von einem Teenager. "Ich hab einfach geschossen, weil Ivan so böse geguckt hat", lachte Gontan nach dem Spiel.

San Carlos mühte sich, wechselte gleich dreimal zur Halbzeit - neuer Torwart, frische Flügel, neuer Mut. Doch es half nichts. Louis Corey rannte, Michael Brand schoss (insgesamt siebenmal!), aber der Ball fand den Weg ins Netz nicht mehr. Araguas Keeper Silvestre Herrero wuchs über sich hinaus, fischte in der 63. Minute einen Kopfball aus dem Winkel, dass selbst die San-Carlos-Fans kurz applaudierten.

In der 83. Minute dann der endgültige Stich ins Herz: Florian Sonntag, ebenfalls von Carracedo bedient (ja, derselbe Mann zum dritten Mal!), vollendete zum 1:3. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Sonntag später mit einem schelmischen Grinsen. "Aber wenn der Ball rein will, dann lass ich ihn halt."

Aragua spielte die Schlussphase routiniert herunter, auch wenn Innenverteidiger Kian Hiliard zum tragischen Clown wurde: Erst Gelb in der 35., dann Gelb-Rot in der 96. Minute. "Er wollte wohl sicherstellen, dass er in der Statistik vorkommt", witzelte Claire Werk hinterher, die mit ihrem Team ausgelassen feierte.

Die Zahlen erzählten eine andere Geschichte als das Ergebnis: 12:14 Torschüsse, 59 Prozent Ballbesitz für San Carlos - aber eben nur ein Tor. Fußball bleibt das Spiel, in dem der Schönere nicht immer gewinnt.

Nach Abpfiff stand Spritty Bohne minutenlang an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, der Blick verloren. "Wir haben kontrolliert, kombiniert, dominiert - und trotzdem verloren. Vielleicht sollten wir mal weniger denken und mehr schießen", sagte er, bevor er in die Kabine verschwand.

Auf der anderen Seite jubelte Aragua. Claire Werk, sonst eher kühl, umarmte ihre Spieler. "Das war Mut, das war Leidenschaft - und ein bisschen Glück. Aber ehrlich, Glück hat man sich heute auch verdient."

Als die Lichter im Stadion langsam ausgingen, blieb das Gefühl: San Carlos war der bessere Maler, aber Aragua hat das schönere Bild verkauft. Drei Tore nach der Pause, drei Assists von Carracedo, drei neue Helden für die Gäste aus Venezuela.

Und irgendwo in der Nacht von San Carlos wird Spritty Bohne wohl noch lange überlegen, wie man ein Spiel verlieren kann, das man eigentlich in der Tasche hatte. Vielleicht bestellt er morgen beim Training einfach nur Bälle mit eingebautem Zielsystem.

Denn eines ist klar: Wer 59 Prozent Ballbesitz hat und trotzdem 1:3 verliert, braucht weniger Philosophie - und mehr Killerinstinkt.

06.03.643987 09:00
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