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Was für ein Fußballabend im April 2026! 43.500 Zuschauer in Gela sahen ein Pokalfinale, das alles bot, was man in einem Drehbuch über Fußballdramen erwarten darf - Tore, Karten, Verlängerung, und schließlich ein Elfmeterschießen, das die Nerven bis zum Zerreißen spannte. Am Ende jubelte San Marino, das nach 120 Minuten und einem 3:3 in der regulären Spielzeit mit 8:6 nach Elfmetern den Pokal in den Nachthimmel reckte. Schon die ersten Minuten ließen erahnen, dass dies kein abwartendes Taktikduell werden würde. Gelas Trainer Michael Müller hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, und prompt klingelte es - in der achten Minute traf Javier Vazques nach einem frechen Solo zum 1:0. "Ich hab einfach gedacht: entweder rein oder daneben - diesmal war’s rein", grinste der Linksaußen später. Doch San Marino, unter der Leitung des charmant unberechenbaren Husti Nette, zeigte sich unbeeindruckt. Nur sechs Minuten später glich Simeon Galitsios nach einer butterweichen Hereingabe von Alexander Delannoy aus. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur zum Pasta-Essen hier sind", witzelte Nette nach dem Spiel. Ein Hin und Her, das der Pokalfinal-Atmosphäre würdig war. Lucas Cochran brachte Gela in der 25. Minute wieder in Führung - 2:1, und das Stadion bebte. "Da dachte ich, das Ding ist durch", gestand Gela-Mittelfeldmann Philippe Graves später, "aber San Marino ist wie eine Klette - die wirst du einfach nicht los." Die zweite Halbzeit begann mit einem Donnerschlag - allerdings außerhalb des Stadions: ein Gewitter zog auf, und passend dazu begann auch das Spiel zu brodeln. San Marinos Linksverteidiger Lionel Couto sah erst Gelb (21.) und dann Gelb-Rot (62.) - ein Platzverweis, der den Gästen eigentlich das Genick hätte brechen müssen. Müller forderte von der Seitenlinie "mehr Mut, mehr Zug nach vorne", doch seine Elf schien eher überrascht, dass ihr Gegner mit zehn Mann plötzlich gefährlicher wurde als zuvor. Und tatsächlich: Billy MacMillan traf in der 59. Minute zum 2:2, Jorge Maniche legte in der 80. sogar das 2:3 nach. "Da dachte ich kurz, ich träume. Zehn gegen elf und wir führen", lachte Maniche. Aber Gela wäre nicht Gela, wenn sie nicht auch noch ein letztes Kapitel geschrieben hätten. Acht Minuten vor Schluss drosch Pablo Tarrega den Ball nach Pass von Niels Wegener ins Netz - 3:3, und die Verlängerung war perfekt. In den zusätzlichen 30 Minuten lieferten beide Teams eine Mischung aus müden Beinen und heroischem Willen. Müller wechselte fröhlich durch - Semedo kam zur Pause, Barbosa in der 80., Garcia ersetzte den erschöpften Graves. Auf der Gegenseite brachte Nette frisches Blut mit Jemez und Pacos, der fortan über den linken Flügel wirbelte. Chancen gab es hüben wie drüben - 14 Torschüsse bei Gela, 11 bei San Marino, und Ballbesitz fast ausgeglichen (51 % zu 49 %). Doch das Tor blieb in der Verlängerung wie vernagelt. Dann der Showdown vom Punkt. "Ich hasse Elfmeterschießen," hatte Gela-Keeper Pattrick Gabriel tags zuvor gesagt - und bewies, dass Ehrlichkeit nicht immer belohnt wird. Gela begann mit einem Treffer von Silvestre Veloso, doch dann folgten bittere Momente: Serhat Aydemir und Javier Garcia verschossen, während San Marinos Schützen eiskalt blieben. Damian Pacos, Michel Fernandes, der junge Bernardo Jemez und schließlich Wolfgang Maus trafen - 8:6. Der Rest war Jubel, Tränen und Konfetti. Trainer Nette wurde danach auf den Schultern getragen - und grinste: "Ich hab immer gesagt, wir trainieren Elfer öfter als Taktik. Heute hat’s sich ausgezahlt." Michael Müller hingegen blieb gefasst. "Wir haben ein großartiges Spiel geliefert. Elfmeterschießen ist wie Lotto, nur mit mehr Schweiß." Während San Marino noch auf dem Rasen tanzte, saßen die Gela-Spieler in der Kabine still da. Vazques soll leise gesagt haben: "Wenn man schon verliert, dann wenigstens in einem Spiel, an das man sich erinnert." Und das wird man. Ein Pokalfinale, das keine Sieger verdient hätte - aber einen hatte. San Marino. Und ganz Europa weiß jetzt, dass dieses kleine Land nicht nur Briefmarken kann, sondern auch Fußballmärchen schreiben. Oder wie Kommentator Juri Bender es nach dem Schlusspfiff zusammenfasste: "Wenn das kein Pokalabend war, dann weiß ich auch nicht mehr, was Fußball ist." 03.02.643997 20:10 |
Sprücheklopfer
Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt.
Rolf Rüssmann