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Es war einer dieser Abende, an denen das Stadion mehr vibrierte als stand: 39.897 Zuschauer im Camp de Montjuïc, ein lauer Januartag, Flutlicht, und ein SC Barcelona, der sich gegen den FC San Sebastian in ein offenes Offensivgefecht stürzte - und am Ende doch mit leeren Händen dastand. Das 2:3 (2:2) fühlte sich für die Katalanen an wie eine Ohrfeige mit Ansage. Trainer Thomas Göstl hatte vor der Partie noch betont, man wolle "mutig nach vorn spielen". Mutig war es, ja - vielleicht sogar tollkühn. Denn San Sebastian, unter der kühlen Regie von Daniel Derksen, ließ sich davon nicht beeindrucken. Die Gäste begannen, als seien sie auf einem Trainingsplatz: ruhig, passsicher, effizient. Schon in den ersten zehn Minuten flogen die Bälle im Minutentakt auf das Tor von Vicente Rielo, der bald den Eindruck vermittelte, er müsse heute mehr Bälle fangen als das örtliche Baseballteam. Doch wie so oft im Fußball kam es anders: In der 24. Minute schlug Barcelona zu. Oscar Carballo, der Mann mit der eleganten Körperhaltung eines Konzertpianisten, steckte den Ball durch auf Connor Gady - und der 22-Jährige drosch das Leder kompromisslos ins Netz. 1:0! Jubel, Rauch, Trommeln. Göstl riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. Die Freude hielt allerdings nur zwei Minuten. Vicente Navarro, San Sebastians Mittelfeldstratege, glich mit einem trockenen Schuss aus - Assist von Eduardo Urrutia, der über rechts ein Feuerwerk abbrannte. Und kaum hatte man den Spielstand verarbeitet, traf Jakob Larsson (34.) nach butterweicher Flanke von Jonathan Maes. 1:2, und die Gäste spielten jetzt wie im Rausch. Doch Barcelona wäre nicht Barcelona, wenn sie nicht mit Stil zurückschlagen würden. Kurz vor der Pause (43.) zirkelte Carballo selbst den Ball nach Doppelpass mit Alfonso Rodrigo in die Maschen. 2:2 - das Stadion bebte, und der Halbzeitpfiff kam gerade recht, um die Nerven zu sortieren. "Ich hab den Ball einfach gespürt", grinste Carballo später in die Kameras. Nach der Pause änderte sich das Bild kaum - nur dass San Sebastian noch zielstrebiger wirkte. Barcelona wechselte: Matej Nemec kam für Pau Butragueno und kassierte kurz darauf prompt Gelb (64.) - ein etwas ungeschickter Einstand. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", verteidigte er sich später mit einem Schmunzeln. Und dann kam die 62. Minute, die das Spiel entschied: Gai Chouraqui, bis dahin eher unauffällig, zog aus gut 20 Metern ab. Der Ball wackelte, flatterte, und Rielo sah ihn wohl erst, als es zu spät war. 2:3 - der Rest war Kampf, Emotion, und ein bisschen Verzweiflung. Barcelona versuchte alles. Gady und der junge Marc Etxeita rackerten vorn, Carballo schoss aus allen Lagen, aber San Sebastian blieb cool. Trainer Derksen stand an der Linie, die Hände in den Taschen, und sagte hinterher trocken: "Wir wussten, dass sie irgendwann müde werden." Eine unspektakuläre, aber entwaffnend ehrliche Analyse. Statistisch war es deutlich: 23 Torschüsse für San Sebastian, nur 8 für Barcelona. Auch im Ballbesitz (51 zu 49 Prozent) hatten die Gäste leicht die Nase vorn. Und während Barcelonas Tacklingquote von knapp 45 Prozent eher an ein Freundschaftsspiel erinnerte, verteidigten die Basken mit einer Präzision, die jedem Mathematikprofessor gefallen hätte. In der Schlussphase wurde es noch einmal wild. Göstl brachte mit Fernando Ibano frische Beine, Derksen konterte mit den jungen Assis und Calderon. Doch das Ergebnis blieb. Als der Schlusspfiff ertönte, hob San Sebastians Torwart Knud Maurer die Arme zum Himmel, während Göstl kopfschüttelnd auf die Anzeigetafel starrte. "Wir haben ein gutes Spiel gemacht - aber eben nicht das bessere", knurrte er auf der Pressekonferenz, während Derksen neben ihm milde lächelte. Es war dieser feine Unterschied zwischen schönem Fußball und effektivem Fußball, der den Abend entschied. Und so bleibt von diesem 6. Spieltag weniger das Resultat als das Gefühl eines Spektakels: fünf Tore, Tempo, Dramatik und ein Hauch von Wahnsinn. Barcelona spielte wie ein Künstler, der sein Meisterwerk beginnen, aber nie vollenden konnte. San Sebastian hingegen wie jemand, der genau weiß, wann man den letzten Pinselstrich setzt. Oder, um es mit Carballos Worten zu sagen: "Manchmal ist Fußball eben kein Gemälde - sondern ein Gedicht mit Rechtschreibfehlern." Ein schöner, schmerzhafter Abend in Barcelona. Und einer, der noch lange nachhallen dürfte. 18.03.643987 01:43 |
Sprücheklopfer
Ja gut, äh, ein Lothar Matthäus braucht keine dritte Person. Er kommt sehr gut allein zurecht.
Lothar Matthäus auf die Frage, ob er in Zukunft von sich in der dritten Person spräche